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Tiere
Wenn Claus auf der Couch liegt

Anne und Viola Rech (von links) mit Kamerun-Schafen, die die Familie aus Oberkail züchtet. Ende September ist ein Treffen mit Züchtern aus der ganzen Republik in Himmerod.
Anne und Viola Rech (von links) mit Kamerun-Schafen, die die Familie aus Oberkail züchtet. Ende September ist ein Treffen mit Züchtern aus der ganzen Republik in Himmerod. FOTO: Klaus Kimmling
Großlittgen/Oberkail. Anne und Heike Rech aus Oberkail züchten Kamerun-Schafe. Für Ende September organisieren die beiden ein Treffen, zu dem Züchter aus ganz Deutschland ins Kloster Himmerod kommen.
Petra Willems

Anne Rech hat ein seltenes Hobby, das Ende September Menschen aus ganz Deutschland in die Eifel zieht: Gemeinsam mit ihrer Mutter züchtet die 17-Jährige aus Oberkail Kamerun-Schafe, eine eher seltene Rasse, deren Fell im Vergleich zum gemeinhin bekannten Hausschaf kurz ist und die deshalb nicht geschoren werden muss (siehe Info). Rund 50 Exemplare der braun-weiß-schwarzen Tiere tummeln sich auf den Feldern rund um das Eifeldorf Oberkail, getrennt nach Auen (weibliche Tiere) und Böcken. Und Anne Rech kann alle Tiere auseinanderhalten, weiß ihre Namen, ihren Geburtsmonat, welche Eigenarten sie haben, welchen Charakter, einfach alles.

„Mein Großvater hat im Februar Geburtstag, und da zu dieser Zeit oft Schafe geboren werden, habe ich schon einige auf seinen Namen Wilhelm getauft“, erzählt die Schülerin, die in Neuerburg das Internat besucht und ihre Freizeit an den Wochenenden fast komplett mit den Schafen oder Pferden verbringt. In diesem Jahr hat die Herde der Rechs allerdings erst im Mai Nachwuchs bekommen. „Dann kamen 24 Lämmer in zwei Wochen“, sagt Anne Rech.

Ihre Leidenschaft für Schafe hat die 17-Jährige erst vor einiger Zeit entdeckt, ihre erste Tierliebe galt den Pferden. Aus mehreren Gründen musste die Familie ihre Tiere jedoch abgeben. Aber was tun mit dem dann freigewordenen Weideland? „Anfangs habe ich die Wiesen immer gemäht, aber dann dachte ich mir: Warum nicht einfach Schafe draufstellen?“, erzählt Anne Rechs Mutter Heike.

Zwei Frauen, ein Wort: Zusammen schauten sich die beiden um, fuhren nach Wittlich-Bombogen und kauften die ersten beiden Kamerun-Schafe. Bei zwei Tieren blieb es aber nicht lange, die nächsten folgten schnell. Mittlerweile züchten Mutter und Tochter die Kamerun-Schafe, wobei Anne Rech die Expertin ist. „Ich habe mich auf die Fellfarbe spezialisiert“, erzählt sie – und hört nicht mehr auf, von ihrem Hobby zu berichten. Vieles von ihrem Wissen hat sie sich angelesen oder im Austausch mit anderen Züchtern gewonnen. Die haben Heike und Anne Rech auch auf den jährlichen Züchtertreffen des Vereins der Kamerunschafzüchter und -Halter kennengelernt. Dessen Mitglieder treffen sich Ende September in der Eifel. Das Treffen organisieren Heike und Anne Rech gemeinsam im Kloster Himmerod. „Da haben beide Seiten was davon. Wir können auf die Infrastruktur und das Gelände zurückgreifen, das Kloster bekommt Übernachtungsgäste“, sagt Heike Rech. Rund 30 Übernachtungen seien bis jetzt gebucht worden. Und auch Gäste können zu der Veranstaltung im Kloster (siehe Extra) kommen. Unter anderem gibt es Schaffleisch zu essen, spezielle Backwaren und im Klosterladen wird während der Schautage Schafswurst aus der Eifel zum Kauf angeboten. „Alles steht im Zeichen der Schafe“, sagt Heike Rech und lacht.

In ihrer Familie wird nicht nur das Fleisch der Tiere verwertet. Anne Rech: „Ich suche mir die Böcke aus, die ich unbedingt verkaufen oder für die Zucht haben will. Alle anderen werden zu Fleisch verarbeitet.“ Die meisten Auen werden hingegen behalten.

Und das eine oder andere schöne Fell der familieneigenen Schafe auch. Natürlich weiß Anne Rech auch von diesen Tieren, deren Felle die Wohnung der Rechs zieren, die Namen, auch wenn sie schon lange das Zeitliche gesegnet haben: „Claus liegt heute auf der Couch“, sagt die junge Züchterin und lacht.