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Klimaschutz
Wenn die Kommune das Klima rettet

In Deutschland wird einiges verheizt: 40 Prozent der CO2-Emissionen aus der Energiewirtschaft stammen laut Umweltministerium alleine aus dem Wärmemarkt.
In Deutschland wird einiges verheizt: 40 Prozent der CO2-Emissionen aus der Energiewirtschaft stammen laut Umweltministerium alleine aus dem Wärmemarkt. FOTO: Ole Spata / dpa
Wittlich. Mit 355 000 Euro unterstützt das Umweltministerium die Wärmewende in sechs Gemeinden der VG Wittlich-Land. Aber was wendet sich da überhaupt, und wohin fließt das Geld? Der TV hat nachgehört. Von Adrian Froschauer

Jetzt soll sie nach Wittlich-Land kommen: die Wärmewende. „Wärmewende“ – das klingt gut, aber was ist das überhaupt? Wie soll das gehen: Wärme wenden? Und warum unterstützt das Land das mit 355 000 Euro? Aber der Reihe nach ...

Gewendet (oder eher: geändert) werden soll vor allem eines: die Methode, mit der die Bürger der Verbandsgemeinde Wittlich-Land ihre Häuser warm halten. Öl und Gas sind begrenzte Rohstoffe, auf lange Sicht teuer und vor allem schmutzig. Alternativen müssen her. Staatssekretär Thomas Griese vom rheinland-pfälzischen Umweltministerium erklärt: „Der Wärmemarkt hat deutschlandweit einen Anteil von rund 40 Prozent an den energiebedingten CO2-Emissionen.“ Das zeigt für ihn ganz klar: „Ohne eine Wärmewende können wir unsere Klimaschutzziele nicht erreichen.“

Und da kommt Wittlich-Land ins Spiel: Grieses Meinung nach lässt sich der Klimawandel wesentlich besser auf kommunaler Ebene als auf Bundesebene bekämpfen.

In Deutschland steige der CO2-Ausstoß, während er in den USA sinkt, obwohl die dortige Regierung nicht vom Klimawandel überzeugt ist. „Das liegt daran, dass viele Kommunen dort direkt vor Ort aktiv werden und in erneuerbare Energien investieren. Auch hierzulande ist es wichtig, dabei nicht auf den Bund zu warten.“

Gerade auf der kommunalen Ebene hakt es aber oft am Geld, nicht am Willen. Das rheinland-pfälzische Umweltministerium unterstützt darum Gemeinden, die  sogenannte Bioenergiedörfer werden wollen mit dem Förderprogramm „Wärmewende im Quartier“. 355 000 Euro fließen zu diesem Zweck in sechs Ortsgemeinden der  VG Wittlich-Land (siehe Info). Bergweiler, Binsfeld, Dreis, Hasborn, Klausen und Landscheid haben sich auf die Förderung beworben, weil sie bereits gute Erfahrung mit erneuerbaren Energien gemacht haben. So heizen zum Beispiel die Bergweilerer ihr Bürgerhaus und ihren Kindergarten, indem sie Holzhackschnitzel verbrennen. Aber: Mehr geht immer.

Die Förderung deckt ungefähr 20 Prozent der fast 1,8 Millionen Euro, die die Wärmewende in der VG kosten soll. Weitere 65 Prozent kommen aus Fördermitteln der KfW-Bankengruppe. Den Rest bezahlen die jeweiligen Ortsgemeinden selbst.

In einem ersten Schritt sollen die Lage vor Ort ermittelt und Ideen gesammelt werden: Wie hoch ist der Verbrauch im Ort, welche Leitungen sind bereits vorhanden, welche Wärmequellen in der Umgebung lassen sich anzapfen? Der größte Teil des Geldes ist für den zweiten Schritt nötig: Die Energieagentur Region Trier und das Institut für angewandtes Stoffstrommanagement der Fachhochschule Trier erarbeiten aus den gesammelten Daten und Ideen ganz konkrete, auf den jeweiligen Ort zugeschnittene Konzepte. Außerdem stellt die VG zwei Sanierungsmanager ein, die zwischen den Planern, den Gemeinden und den Bürgern vermitteln. Tobias Thiel und Christian Stalter stellen den Kontakt, veranstalten auch Infoabende, bieten Beratungsgespräche an und sind für Bürgeranfragen jeder Art zuständig.

„Der Ausbau von Nahwärmenetzen ist nur eine Möglichkeit von vielen“, erklärt Günter Weins von der VG-Verwaltung. Auch das Heizen mit Holzhackschnitzeln, Solarthermie, Erdwärme oder einer Kombination aus verschiedenen Quellen sei vorstellbar – je nach dem, was vor Ort sinnvoll und finanzierbar sei. „Auf lange Sicht wäre es dann das Ziel, dass die Gemeinden autark werden, also ihre Wärme und vielleicht sogar ihre Energie komplett selbst erzeugen.“

So weit, so umweltbewusst. Aber ein Konzept ersetzt noch kein Kraftwerk. Darum gibt es viele Fragen, als Staatssekretär Thomas Griese sich mit den Ortsbürgermeistern der geförderten Gemeinden trifft. Markus Hansen, Ortsbürgermeister von Dreis, will wissen, wo das nötige Geld in Zukunft herkommt: „Gibt es denn auch Förderungen für die Umsetzung der Konzepte? Denn ohne Förderung ist das für uns einfach nicht zu stemmen.“ Auch Alois Meyer, Ortsbürgermeister von Klausen, hat Bedenken: „Wir haben einfach keinen finanziellen Spielraum. So wichtig die Klimaschutzziele auch sind, die Projekte müssen sich für uns rechnen.“

Griese sieht ein, dass sich die Projekte für die Kommunen wirtschaftlich zunächst nicht lohnen. „Genau das ist der Grund, warum wir das Förderprogramm ins Leben gerufen haben.“ Und auch für die Umsetzung könnten Bund und Land – aus einem anderen Topf – Fördermittel zahlen. Denn: „Die Projekte sollen nicht nur auf dem Papier stehen, sondern real umgesetzt werden.“