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Tiere
Wenn Donald Trump ungewollt Träume erfüllt

Christian Müller reitet auf dem aus den USA importierten Mustang Hamira, den er ersteigert hat.
Christian Müller reitet auf dem aus den USA importierten Mustang Hamira, den er ersteigert hat.
Binsfeld. Christian Müller aus Binsfeld ersteigert einen Mustang aus den USA. Dass dieser überhaupt angeboten wurde, verdankt er indirekt einer sich anbahnenden Entscheidung des amerikanischen Präsidenten. Von Christian Thome

Dass Trump’sche Politik Auswirkungen auf Deutschland hat, ist nicht unüblich. Dass die Folgen jedoch bis auf einen landwirtschaftlichen Betrieb in Binseld reichen, dürfte eher der Ausnahmefall sein. So geschehen bei Christian Müller – mit für ihn sehr positiven Auswirkungen: Vor wenigen Wochen ersteigert er einen Mustang, der in den USA etwa eineinhalb Jahre vorher eingefangen worden ist.

„Für mich ist ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen“, erzählt der hauptberufliche Mitarbeiter der Kläranlage in Spangdahlem. Seit sieben Jahren besitzt er Pferde, doch ein Mustang fehlt bislang in seiner Sammlung. Müller ist ein leidenschaftlicher Westernreiter, weswegen ein Mustang für ihn ein absoluter Glücksfall ist. Hamira by Haftpflicht Helden heißt das vier Jahre alte Pferd. Haftpflicht? Helden? „Der Name kommt daher, dass das Pferd einen Sponsor hat, eine Versicherung in Hamburg“, erklärt der Binsfelder.

Doch was hat das alles mit dem Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika zu tun? Nun, Trump hat in den USA die Gelder für Auffangstationen gekürzt, in denen sich um die Pferde gekümmert wird. Sein Haushaltsplan sieht vor, dass er in diesem Jahr 20 Prozent  bei den Mustangs einspart. Die Zahl der Wildpferde, die auf einer Fläche in der Station leben können ist teilweise um ein Vielfaches überschritten. Dadurch können die Tiere nicht ausreichend versorgt werden. Viele Fohlen und ältere Pferde sterben den Hungertod. Außerdem ist seit 1971 das Töten der Mustangs verboten. Die Trump-Administration möchte dies lockern oder abschaffen und dadurch das Adoptionsverfahren aufweichen. Mustangs wären frei verkäuflich – auch an Schlachthöfe, die für die Tiere den sicheren Tod bedeuten. Auch Hamira ist eines dieser Pferde. Binsfeld ist ihre Rettung.

Ihr Weg an die Mosel ist lang – nicht nur was die Flugmeilen angeht. Ein Projekt namens „Mustang Makeover“ fängt sie ein und bringt sie in einer Station unter. Die Pfleger vor Ort kümmern sich um sie und bereiten sie ein Jahr lang auf die Reise nach Deutschland vor. Nach der „Ausbildung“, wie es Christian Müller nennt, geht es an den Flughafen Frankfurt und von dort nach Aachen. Eine lange Reise um vor den Konsequenzen aus der Trump-Politik zu fliehen. Aber ihre einzige Chance.

In Aachen angekommen kommt Hamira in die Obhut der professionellen Pferdetrainerin Mira Semelka, die das Pferd für den Verkauf vorbereitet. „Die machen dir das Pferd in einhundert Tagen fertig“, erklärt der 31-jährige Christian Müller. Im Rahmen einer Versteigerung kreuzen sich dann die Wege von Christian und Hamira zum ersten Mal. Bei einer Auktion ersteigert er das Pferd und ist heilfroh, dass er nun endlich seinen eigenen Mustang hat. „Da hatte ich wirklich Glück, dass ich den Zuschlag erhalten habe.“ Den genauen Preis möchte er nicht sagen, betont aber, dass es „schon eine ganze Stange Geld“ war.

Zur Orientierung: Der Durchschnittspreis der versteigerten Pferde liegt bei 12 500 Euro. In dieser Preisklasse bewegt sich auch Hamira. Eine Woche später holt Christian Müller seinen Mustang in Aachen ab. Der ist im heimischen Binsfeld nicht alleine, denn auf dem landwirtschaftlichen Betrieb befinden sich schon drei andere Pferde. Das größte Hobby werden sich jedoch Hamira und Christian teilen, denn die vier Jahre alte Mustang-Dame ist prädistiniert für das Western-Reiten.

Dass Donald Trump durch eine anstehende politische Entscheidung – zumindest indirekt – den Kindheitswunsch eines Binsfelders erfüllt, wird ihm nicht bewusst sein. Mit einer Entscheidung, die tausende Mustangs das Leben kosten könnte. Zumindest Hamira hat es jedoch geschafft.