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Wildunfälle im Kreis Bernkastel-Wittlich
Wenn das Wild zum Problem wird

Die Zahl der Wildunfälle im Kreis Bernkastel-Wittlich ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen.
Die Zahl der Wildunfälle im Kreis Bernkastel-Wittlich ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. FOTO: Patrick Pleul / dpa
Bernkastel-Wittlich. Die Unfälle, an denen Wild beteiligt ist, steigen im Landkreis Bernkastel-Wittlich kontinuierlich. Die Ursachen: der wachsende Individualverkehr, aber auch das attraktive Futter entlang der Straßen.

Es ist das Horrorszenario jeden Autofahrers: Der Fahrer fährt mit Tempo 100 die Bundes- oder Landesstraße entlang, und dann überquert nur wenige Meter vor dem Fahrzeug ein Reh oder ein Wildschwein die Straße. Eine Vollbremsung kann einen Zusammenstoß oft nicht mehr verhindern. Schäden am Auto sowie verletzte und tote Wildtiere sind die Folge.

Kein Einzelfall im Kreisgebiet: Wildunfälle gehören zu den häufigsten Unfallursachen im Landkreis Bernkastel-Wittlich. Zwischen 43 und 48 Prozent aller Unfälle seien Wildunfälle, sagt Hermann Josef Decker, Leiter der Polizeiinspektion (PI) Morbach. Die Zahl hat stark zugenommen: Waren es im Bereich der PI Morbach 2014 noch 276 gemeldete Wildunfälle gewesen, so ist diese Zahl über 319 im Jahr 2015 und 335 im Jahr 2016 auf 361 Wildunfälle im Jahr 2017 gestiegen. Vier Menschen seien dabei leicht verletzt worden, sagt Decker.

Die Zahl der Wildunfälle hat nicht nur im Hunsrück, sondern kreisweit zugenommen, teilt Klaus Wagner vom Landesbetrieb Mobilität (LBM) in Trier mit, der Statistik darüber führt. Insgesamt haben sich von  2015 bis 2017 4047 Wildunfälle im Landkreis ereignet. 2015 waren es noch 1276, 2017 bereits 1460 gewesen.

Spitzenreiter in der Wildunfallstatistik ist die L 47 zwischen Maring-Noviand und Osann-Monzel: Hier haben die Polizeibeamten in den vergangenen drei Jahren 69 Wildunfälle aufgenommen. Danach folgen die B 327 zwischen den Abfahrten Thalfang-Bäsch und Hilscheid mit 44 und die L 150 von Thalfang nach Büdlicherbrück im Bereich Ortsumfahrung Talling bis kurz hinter der Abfahrt nach Heidenburg mit 38 Wildunfällen. „Die Zahlen lassen erkennen, dass die Wildunfälle kontinuierlich zunehmen“, sagt er.

Woran liegt es, dass die Wildunfallzahlen in den vergangenen Jahren so stark angestiegen sind? Hauptkommissar Manfred Burbach von der PI Wittlich gibt mehrere Gründe an. Zum einen sei es der ansteigende Individualverkehr, andererseits aber auch die Monokulturen in Forst und Landwirtschaft, sagt er. Der exzessive Eintrag von Düngemitteln aus der Landwirtschaft und der Biogasanlagen reduziere das Nahrungsangebot der Wildtiere auf ein Minimum. Landwirtschaftliche Nutzflächen wie Wiesen böten keinerlei Vielfalt an Kräutern mehr, so dass der Straßensaum entlang der Verkehrsflächen oftmals in der Pflanzenvielfalt ein wesentlich breiteres Nahrungsspektrum biete als eine „Maiswüste“ oder die „exzessiv bewirtschafteten Graslandschaften“. „Daher halten sich Rehe sehr oft an diesen Verkehrswegen auf und decken dort ihren Bedarf an den für sie lebenswichtigen Pflanzen“, sagt er. Hinzu komme, dass Wildschweine Salz mögen. Der Boden neben den Fahrbahnen sei durch die Ausbringung von Streusalz in den Wintermonaten damit reich durchsetzt.

Als häufigstes Opfer von Wildunfällen hat Burbach Rehe ausgemacht. Dies würden auch die steigenden Abschusszahlen der Jagdverbände belegen. Aber auch Wildschweine und Rotwild seien gelegentlich an Wildunfällen beteiligt. Hermann Josef Decker von der PI Morbach führt als Ursache für die steigenden Unfallzahlen zudem die hohe Population des Wildes an, insbesondere bei Rehwild. Hinzu kämen die nicht oder nur unzureichend erfüllten Abschussquoten. Zudem werde das Wild gestört durch Baustellen im Wald. Nicht nur die Abholzung und der Bau von Windkraftanlagen sei hier anzumerken, sondern auch die ganz normale Holz- und Waldwirtschaft, durch die das Wild aus ihren angestammten Quartieren vertrieben werde und häufige Wechsel über für sie unbekannte Verkehrswege vollziehe.