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Umwelt
Wittlich rüstet sich für Extremwetter

 Wenn die Lieser überschwappt, hat Wittlich ein Problem.
Wenn die Lieser überschwappt, hat Wittlich ein Problem. FOTO: K.H. Marschall
Wittlich. Bei Starkregenereignissen ist es wichtig, sich entsprechend vorzubereiten. Die Stadt an der Lieser startet deshalb eine Informationskampagne. Ihr Ziel: die Schäden zu minimieren. Von Hans-Peter Linz
Hans-Peter Linz

Es ist, als würde jemand einen gigantischen Wasserschlauch auf eine Ortschaft halten und den Hahn bis zum Anschlag aufdrehen: Innerhalb kürzester Zeit versagt die Kanalisation, das Wasser auf den umliegenden Feldern strömt in den Ort, weil der Boden so schnell nicht genug Wasser aufnehmen kann, Keller laufen voll, Sturzfluten strömen in die Straßen.

Das ganze passiert rasant schnell, ist kaum vorhersehbar und meistens lokal begrenzt – die Regenwolke bewegt sich nicht, sondern bleibt einfach stehen. Der Schaden ist immer wieder immens: Heizöltanks schwimmen auf, Keller sind verwüstet, Gehwege und Straßen sind voller Schlamm und Geröll.

Dieses Szenario entwickelt sich erst seit wenigen Jahren immer häufiger. Diese sogenannten Starkregenlagen nehmen zu. Im vergangenen Jahr gab es mehrere Unwetter dieser Art. Schwerpunkt war die Eifel, aber auch an der Mosel und in Trier kam es in den Sommermonaten zu solchen Situationen. Das Land hat reagiert und das Hochwasserschutzgesetz II verabschiedet, das die Kommunen in die Pflicht nimmt, die Bevölkerung zu informieren und Schäden vorzubeugen.

Die Stadt Wittlich lädt deshalb zur Auftaktveranstaltung für ein örtliches Konzept zur Hochwasser- und Starkregenvorsorge ein, das am 31. Januar, ab 19 Uhr in der Kultur- und Tagungsstätte Synagoge stattfindet. „Ziel unserer Veranstaltung ist es, bei einem extremen Starkregen adäquat zu reagieren, dabei ist jeder einzelne auch gefordert, sich zu informieren. Wir müssen die Bürger sensibilisieren, sich zu schützen,“ sagt Wittlichs Bürgermeister Joachim Rodenkirch in einem Pressegespräch.

In den vergangenen Wochen habe es schon erste Begehungen von Problembereichen gegeben, an denen sich die Stadtwerke, Forstleute, Bürger und weitere Experten beteiligt haben. Die Stadt hatte dazu das Planungsbüro Hömme aus Pölich beauftragt.

Frank Hömme erläutert die Vorgehensweise: „Das Landesamt für Umwelt hat die Extremereignisse von 2018 erfasst. Die Häufigkeit geht dabei deutlich über ein sogenanntes 100-jähriges Ereignis hinaus. Das Ziel unseres Vorsorgekonzeptes ist es, den Schaden möglichst niedrig zu halten.“ Dazu werden Daten gesammelt, Fachgespräche geführt, das Gebiet analysiert und die Bürger beteiligt, wie Projektleiter Volker Thesen erklärt. „Bei Starkregen-
ereignissen der jüngsten Art sind Siedlungsbereiche betroffen, in denen man früher nie damit gerechnet hätte. Inzwischen hat das Land eine Sturzflutgefahrenkarte erstellt.

Nach der Auftaktveranstaltung nächste Woche sollen über die Sommermonate gemeinsam mit den Bürgern Maßnahmen entwickelt werden, die wir im November vorstellen.“ Bei einer Ortsbegehung in Neuerburg sei zum Beispiel ein Bachlauf auffällig gewesen, in den Mauern hineinragen, die unterspült werden könnten, was bei Starkregenlagen problematisch werde. Was die eigene Vorsorge betrifft, sei es wichtig, zum Beispiel Heizöltanks abzusichern, Kellerfenster, Lüftungsrohre oder Lichtschachte wasserdicht zu machen. Hömme: „Manchmal läuft ein Keller voll, weil irgendwo ein Lüftungsrohr ist, über das Oberflächenwasser in den Keller gelangt. Natürlich ist es auch wichtig, Rückhalteklappen einzubauen, um einen Rückstau von Kanalisationswasser zu verhindern. Aber das muss jeweils genau angepasst werden.“

Neben der individuellen Vorsorge sei es auch wichtig, Starkregenereignisse in den Bebauungsplänen zu berücksichtigen, denn das Straßennetz soll im Extremfall auch dazu beitragen, das Wasser abzuführen. Hömme: „Neuartig ist es, dass diese sogenannten Konvektionswetterlagen völlig losgelöst von der Topografie sich oft auf nur sehr lokal begrenzten Gebieten abregnen. Das ist ein neuer Typ. Der Deutsche Wetterdienst geht davon aus, dass diese neuen Ereignisse mit dem Klimawandel zusammenhängen.“ Bei diesen extremen Lagen könne es nur noch darum gehen, den Schaden so niedrig wie möglich zu halten.

Joachim Rodenkirch betont: „Es ist sinnvoll, das jetzt zu machen. Damit kann man den Schaden erträglicher machen, denn diese Ereignisse werden zunehmen.“