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Wittlich/Salmtal
Viel Verkehr auf der Wildbrücke

Unter den 18 000 Tieren, die seit 2008 die Grünbrücke bei Salmrohr überquert haben waren auch viele Wildschweine.
Unter den 18 000 Tieren, die seit 2008 die Grünbrücke bei Salmrohr überquert haben waren auch viele Wildschweine. FOTO: dpa / Jan Woitas
Wittlich/Salmtal . Durch Millioneninvestitionen werden Überführungen für Wildtiere geschaffen. In zehn Jahren beschritten 18 000 Tiere einen sicheren Weg über die A1 bei Salmrohr. Auch auf der B50neu entstehen einige solcher Bauwerke. Von Christian Thome

Alle zweieinhalb Minuten kollidiert in Deutschland ein Fahrzeug mit einem Reh, Wildschwein oder Hirsch. Die Dunkelziffer ist vermutlich enorm hoch, viele Unfälle werden nicht gemeldet und spiegeln sich dadurch nicht in der Statistik wider. Über 2500 Unfälle verzeichnet der Deutsche Jagdverband (DJV) jährlich – diese resultieren in einem Sachschaden von über einer halben Milliarde Euro. Zahlen, die belegen, warum der Schutz vor Wildwechsel enorm wichtig ist. Besonders auf Autobahnen enden die Unfälle aufgrund der hohen Geschwindigkeit nicht selten gefährlich – für beide Parteien.

Um dem entgegenzuwirken ist auf der Autobahn A 1 vor nunmehr zehn Jahren eine Grünbrücke errichtet worden. 2,2 Millionen Euro hat das 30 Meter lange Bauwerk damals gekostet. Und: Das Konzept zeigt vom Start weg Wirkung. Die Zahlen einen Kilometer vor und einen hinter der Brücke sind nicht vergleichbar mit dem Bundesdurchschnitt. Eine Verkehrsunfallrecherche ergab, dass insgesamt 23 Wildunfälle seit 2010 bis dato aufgenommen wurden. Der Landesbetrieb Mobilität (LBM) zeichnet die Bewegungen auf der Brücke per Video auf und kontrolliert dadurch, wie oft die Brücke passiert wird. 15 000 Querungen verschiedenster Tiere von Rehen über Hirsche, Wildkatzen und Iltisse schlagen bislang offiziell zu Buche. Nach Angabe des LBM liegt die Zahl vermutlich noch um 20 Prozent höher, da es zwischenzeitlich Probleme mit der Aufzeichnung gegeben habe. 18 000 Querungen also. Kleintiere ausgenommen, denn diese werden von der Kamera nicht erfasst. Hohe Querungszahlen und eine gesunkene Unfallstatistik – die Grünbrücke als Erfolgsmodell.

Grund genug, es nicht bei dieser Brücke zu belassen. Zusätzlich zum Bindeglied bei Wittlich können Tiere auch bei Greimerath gefahrlos die A 1 überqueren. Im Rahmen des Baus der B50neu hat das Land zwischen dem Autobahnkreuz Wittlich und Longkamp zwölf Grünbrücken gebaut. Kostenfaktor: Rund 25 Millionen Euro, das macht 2,1 Millionen Euro pro Brücke und liegt damit laut LBM „bei Berücksichtigung der Preissteigerungsraten im Rahmen“. Die „normalen“ Kosten für Grünbrücken liegen bei drei bis fünf Millionen Euro. Sowohl die Brücke an der A 1 als auch die Bauwerke auf der B50neu liegen unter dem Schnitt, was auf ihre geringere Breite zurückzuführen ist. Die Bauwerke unterteilen sich auf sieben Über- und fünf Unterführungen.

Zwei weitere Grünbrücken befinden sich auf der B50neu noch in der Planung. Bei Gonzerath und Hochscheid im Hunsrück werden zwei weitere Brücken gebaut. Das macht dann allein auf der neuen Bundesstraße 14 Brücken – deutschlandweit gibt es nach Angaben des Allgemeinen Deutschen Automobilclubs (ADAC) rund einhundert der tierschützenden Bauwerke. Die Brücken sind für das Wild eigentlich nur Kompensation, wie der ADAC mitteilt. Durch die Wildschutzzäune werden die Tiere am Überqueren der Straße gehindert, was jedoch eigentlich zu ihrem natürlichen Instinkt gehört. „Mit den Brücken versucht man, die Nachteile, die Wildtiere durch Zäune haben, wieder zu kompensieren“, erklärt Andreas Hölzel vom ADAC. Außer Wildschutzzäunen gäbe es „praktisch keine Möglichkeiten, Tiere vom Queren von Straßen abzuhalten“. Die Wirksamkeit von Reflektoren sei in der Fachwelt stark umstritten, auch der ADAC sieht sie als nicht bewiesen an.

Was übrigbleibt ist eine Kombination aus Wildschutzzaun und Grünbrücke. Diese hat sich an der A 1 bewährt und wird – voraussichtlich – auch die B50neu zu einer Straße machen, die für Mensch und Tier sicher ist. Auf dass bald mehr als 2,5 Minuten zwischen den Unfällen liegen.