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Wittlich/Trier
Wittlicher Ladendieb steht wegen Makrelenfilets, Püree und viel Pfefferspray vor Gericht

Der wegen Ladendiebstahls angeklagte 58-Jährige soll sich mit Pfefferspray gegen die Festnahme gewehrt haben. Foto: dpa
Der wegen Ladendiebstahls angeklagte 58-Jährige soll sich mit Pfefferspray gegen die Festnahme gewehrt haben. Foto: dpa FOTO: picture alliance / Christophe Ga / Christophe Gateau
Wittlich/Trier. 58-Jähriger muss sich vor dem Landgericht wegen räuberischen Diebstahls mit Körperverletzung verantworten. Von Friedhelm Knopp

Der Angeklagte Eifeler auf der Anklagebank, geboren 1960 in Gerolstein, ist mit der Strafjustiz sichtlich gut vertraut. Als der kräftig gebaute Mann am Freitagvormittag in den Saal der Dritten Großen Strafkammer des Trierer Landgerichts geführt wird, wirkt er wie zu Hause, trägt leger seine Anstaltskleidung, witzelt mit den Justizbeamten, lässt sich routiniert die Handschellen abnehmen und nimmt gelassen neben seinem Pflichtverteidiger Jörg Ehlen aus Wittlich Platz.  Dazu heißt es am Ende der Anklageschrift von Staatsanwältin Hauke Straaten:  „Der Angeklagte ist vielfach und überwiegend wegen Vermögens- und Eigentumsdelikten bestraft. Er befindet sich seit dem 14. Februar 2018 in Untersuchungshaft.“

Genau einen Tag vor dieser Inhaftierung hatte der Mann um die Mittagszeit im Norma-Markt an der Wittlicher Friedrichstraße  den wohl größten Auftritt seiner Karriere geliefert. In der Anklageschrift heißt es: „Nachdem der Angeklagte eine Packung Kartoffelpüree und eine Dose Makrelenfilets in seine Manteltasche gesteckt hatte, ging er mit einem Gemüseteil in der Hand zur Kasse und zahlte dies.“  Da er aber beim Diebstahl von der Überwachungskamera entdeckt worden war, habe ihn der Hausdetektiv hinter der Kasse angesprochen. Dabei sei er dann „total ausgerastet“, soll eine Verkäuferin später erklärt haben. Laut Anklage habe der 58-Jährige  eine Dose Pfefferspray  gezückt und dem Detektiv eine Ladung ins Gesicht gesprüht (der TV berichtete).

Außerdem sei es zwischen beiden zu „wechselseitigen Schlägen“ gekommen.  Durch die Hilferufe des Attackierten traten  auch der Marktleiter und ein Kunde auf den Plan. Die sollen den Mann zunächst festgehalten haben, erhielten aber auch eine Dosis Pfefferspray und Schläge. Erst die zügig anrückende Polizei habe den Tobenden schließlich überwältigen und festnehmen können. Die Bilanz dieses Mittags im Norma-Markt: Sieben verletzte Angestellte und Kunden durch Schläge und Pfefferspray. Es gab Prellungen, Augenreizungen, Hautabschürfungen, eine Brille in zwei Teilen und eine blutende Kopfwunde beim Angreifer. Im Einsatz waren mehrere Rettungswagen, um die Betroffenen zur ambulanten Behandlung ins Krankenhaus zu bringen.

In der Anklageschrift  heißt es weiter: „Nur kurze Zeit nach seiner letzten Haftentlassung im August 2017 soll sich der Angeklagte entschlossen haben, seinen Lebensunterhalt durch regelmäßige Diebstähle und den Verkauf der Gegenstände zumindest teilweise zu finanzieren.“ Dazu hätten der Angeklagte und zwei unbekannte Mittäter  im Wittlicher Globus-Baumarkt  an der Römerstraße von August 2017 bis Februar eine Vielzahl von Werkzeugen im Gesamtwert  von rund 1000 Euro entwendet, die  auf Flohmärkten verkauft worden seien. Dann folgt eine lange Liste quer durch das Werkzeugsortiment – ein Teil davon soll in der Wittlicher Wohnung eines Bekannten gefunden worden sein, bei dem der Angeklagte nach der letzten Haftentlassung  untergeschlüpft war.

Zum kurzen Verhandlungsauftakt gestern wird der Angeklagte noch nicht zur Person befragt, zumal auch die psychiatrische Sachverständige fehlt. Der 58-Jährige kündigt aber ein Teilgeständnis an – dabei wird er den großen Norma-Auftritt wohl einräumen, denn da gibt es nichts mehr zu leugnen. „Aber mit dem ganzen Werkzeugkram habe ich nichts zu tun“, sagt er.

Für den Fortsetzungstermin am Mittwoch, 22. August, 9 Uhr, kündigt der Vorsitzende Richter Armin Hardt schon eine lange Zeugenliste an. Hardt: „Die meisten Zeugen hören wir dann zu der Fischdosen- und Kartoffelpüree-Geschichte.“