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Wo Luther und Papst zusammenkommen

Wittlich. In Wittlich wurde ein ökumenisches Gemeindefest gefeiert. Elf Initiativen und Gruppen haben ihre Arbeit vorgestellt. Es gab Gespräche, Spiele, Musik und ein besonderes Projekt startete: die Wittlicher Bibel. Christine Bents

Gleichmäßige Hammerschläge hört man auf der Straße. Bereits einige Meter bevor man eine lebensgroße Figur von Papst Franziskus und Luther sieht. Zwischen ihnen steht eine alte Tür und Menschen davor, die ihre ökumenischen Anliegen auf Zetteln daran nageln. Ähnlich den Thesen, die Luther an die Schlosskirche von Wittenberg angeschlagen haben soll.

"Nur zusammen geht es", steht beispielsweise darauf. Gegenüber macht das Blasorchester Musik, Menschen sitzen gemeinsam unter einem Zelt und essen Mittag. Im vorangegangenen Gottesdienst waren rund 500 Gläubige. Auf der Straße an und zwischen der evangelischen Christuskirche und der katholischen St. Bernhardkirche haben insgesamt elf verschiedene christliche Gruppen ihre Stände aufgebaut. Da ist beispielsweise "Rückenwind", eine Initiative, die sich um Menschen kümmert, deren Angehörige im Gefängnis sind. Hans-Peter Pesch erklärt: "Wir sind hier dabei, weil wir uns um Menschen kümmern, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Das ist ein christlicher Auftrag."

Gleich daneben hat die Tafel ihren Stand aufgebaut. Sie ist eine der bereits bestehenden ökumenischen Projekte, die es in der Stadt gibt. Hier kann man schätzen wieviel eine Kiste voller Lebensmittel wiegt und ein Glücksrad drehen. Die Messdiener haben sich gemeinsam mit der KJG und den drei Wittlicher Kindergärten ein Programm für die kleinen Besucher ausgedacht. Da gibt es "Luther flieht von der Wartburg". Dahinter verbirgt sich ein Bobbycarrennen, ein lebensgroßes Jenga-Spiel trägt den Titel "Die Wartburg wird erschüttert", und beim Bibel schmuggeln läuft man mit einem christlichen Buch zwischen den Beinen einen Parcours entlang.

Eine Hüpfburg, Apfeldruck und weitere Kreativaktivitäten sind im Angebot. Renate Kirsten, Besucherin des Festes erklärt: "Dass hier evangelische und katholische Menschen zusammenkommen, finde ich gut. In vielen anderen Bereichen ist das ja schon der Fall." Ein neues Projekt wird auf dem Fest gestartet: die Wittlicher Bibel. Jeder, der möchte, kann eine Stelle aus der Bibel abschreiben und sie gestalten, beispielsweise mit Fotos oder Graphiken.

Susanne Triebler, Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde, sagt: "Es ist super, dass sich so viele Menschen motiviert haben, beim Fest mitzumachen, über Generationen und Konfessionen hinweg." Ähnlich sieht es ihr katholischer Amtskollege Bruno Comes. Er sagt: "Es gibt hier schon einiges an Kommunikation zwischen den Konfessionen, und da ist es ganz logisch, dass man auch gemeinsam feiert." Grenzen der Ökumene sehen die beiden eher auf der Kirchengesetzebene. "Grenzen überwinden wollen wir mit dem Fest. Wir gehen in der Ökumene langsam, aber wir gehen", so Bruno Comes.

Susanne Triebler meint zuversichtlich: "Auf der Ortsebene sind die Grenzen deutlich weniger geworden." In Wittlich gibt es bereits die Krankenbesuchsdienste, die Hospizinitiative, den Eine-Welt-Laden und die Tafel, die überkonfessionell arbeiten. Am Gemeindefest haben der evangelische und der katholische Bibelkreis einen gemeinsamen Stand.