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Zu Hause alt werden auch ohne Großfamilie

Wittlich-Wengerohr. Im Stadtteil Wengerohr leben 329 Menschen, die über 70 Jahre alt sind. Die einen sind noch fit genug, um aktiv zu sein, andere brauchen Hilfe. Die Initiative Wittlicher Brücke setzt genau hier an. Bei der Sitzung des Ortsbeirates in Wengerohr hat Hans-Peter Pesch, der Sprecher der Ehrenamtsagentur Bernkastel-Wittlich über das Thema referiert. Nora John

Wittlich-Wengerohr. Menschen, die ihr Arbeitsleben hinter sich haben, verfügen oft über viel Zeit. Warum diese nicht für andere Menschen einsetzen? Zum Beispiel für ältere, die daheim leben aber nicht mehr alles allein machen können. Hans-Peter Pesch stellte in Wengerohr bei der Sitzung des Gemeinderats die Ehrenamtsagentur Bernkastel-Wittlich, die sich dieses Problems annimmt, vor. Er selbst ist einer der "Seniortrainer", also der Menschen, die sich jenseits des Berufslebens ehrenamtlich auf verschiedene Weise engagieren.
Er erzählte beispielsweise von den Computerkursen für Senioren, bei denen diese lernen, im Internet zu surfen. Diese würden immer sehr gut angenommen. Außerdem berichtete er von einem Stadtführer für Senioren, in dem es nicht nur um Gesundheit und Pflege geht, sondern auch um Freizeitmöglichkeiten, Tipps für den Notfall oder rechtliche und finanzielle Hilfen. Außerdem berichtete Pesch, dass die Ehrenamtsagentur auch das Mehrgenerationenprojekt in St. Paul angestoßen habe, wo ältere und jüngere Menschen sich wie früher in der Großfamilie unterstützen sollen.
Vor allem aber ging Pesch auf die Wittlicher Brücke, die im März ins Leben gerufen wurde, ein. Damit sei eine Plattform geschaffen, auf der Menschen Hilfe anbieten können und andere eben eine solche anfordern können. Als Beispiele nannte Pesch Rasen mähen, Äpfel aufsammeln, kleinere Reparaturen, Arbeiten im Haushalt oder Einkäufe. Er betonte, dass dies keine Konkurrenz sei zu Handwerksbetriebe. Es gehe eher um das Reinschrauben einer Glühbirne und nicht darum, einen Wohnraum zu tapezieren.
Kontakte statt Internet


Dennoch stießen seine Ausführungen bei den Zuhörern nicht auf uneingeschränkte Begeisterung. Hubert Hayer kritisierte, dass ältere Menschen sich vor allem nach Gesprächen sehnen und keine Internetkurse haben möchten: "Soziale Kontakte sind wichtiger als Internettreffen".
Dass die Seniortrainer auch diesen Aspekt berücksichtigen, erklärte Pesch. Es gebe in der Gruppe auch jemanden, die in diesem Bereich arbeiten und zu Menschen gehen, um ihnen vorzulesen oder mit ihnen zu sprechen. Wie Ortsvorsteher Theodor Brock auf TV-Anfrage sagt, gibt es ein solches ehrenamtliches Engagement bereits in Wengerohr. Er habe bei der Sitzung, das Thema noch einmal vertiefen wollen. Die Wittlicher Brücke arbeite in ganz Wittlich und man wolle im Stadtteil keine Untergruppen bilden. So sei es egal, ob der ehrenamtlich tätige Mensch aus Wengerohr für jemand anderen einen Rasen in Wengerohr, Lüxem oder Wittlich-Stadt mähe. Das Ziel sei einfach, Menschen das Wohnen daheim - so wie früher in der Großfamilie - länger zu ermöglichen.Extra

Ehrenamtsagentur Wittlich Projekte: Seniorenwegweiser, Internettreff Klick, Mehrgenerationenwohnen in St. Paul., Wittlicher Brücke und weitere Projekte wie beispielsweise Rückenwind, ein Projekt für Angehörige von Strafgefangenen. Seniortrainer: Seit 2002 bildet das Land Rheinland-Pfalz ältere Menschen zu Seniortrainern aus. Treffen jeden Mittwoch um 10 Uhr im Haus der Vereine in der Kasernenstraße Ansprechpartner: Hans-Peter Pesch, Telefon 06571/2545. noj