| 16:34 Uhr

Wirtschaft
Zu wenig Personal für zwei Cafés - Warum das Café Schuler in Wittlich schließen musste

Kay Schuler mit einem Foto seines beliebten Cafés in Wittlich, das er wegen Fachkräftemangels schließen musste.
Kay Schuler mit einem Foto seines beliebten Cafés in Wittlich, das er wegen Fachkräftemangels schließen musste. FOTO: Christina Bents
Wittlich/Daun. Das Ende einer Tradition: Das Café Schuler in der Wittlicher Oberstadt ist geschlossen. Der Grund waren aber nicht mangelnde Umsätze, sondern Fachkräftemangel. Von Christina Bents

Der Maronen-Schokoladenkuchen zerschmilzt auf der Zunge, und bei der Vulkantorte mit schwarzen Johannisbeeren, Schlehe und Schokoladenmus greifen viele Genießer gerne zu. Doch in Wittlich sind diese Genüsse nicht mehr zu bekommen, zumindest nicht im Café Schuler. Denn das traditionsreiche Haus mit Stammsitz in Daun hat seinen Standort in der Burgstraße geschlossen.

Die mit rotem Stoff bezogenen Stühle, das dunkle Holz, die zehn bis zwölf verschiedenen Kuchen und rund 30 Sorten Pralinen haben dem beliebten und gut besuchten Café ein besonderes Flair gegeben. Kay Schuler, Inhaber des Familienberiebs, sagt: „Wir sind unserem Stil treu geblieben und wollten mit der Ausstattung und unserem Angebot eine Kaffeehaus-Romantik schaffen.“

Bei den Kunden kam das gut an, aber trotzdem ist das Café geschlossen: Wo einst die Markise und ein einladendes Schild auf das Café aufmerksam gemacht haben, hängt mittlerweile ein Zettel, dass das Geschäft wegen Fachkräftemangels geschlossen wurde.

Kay Schuler, Konditormeister und Glacier, erklärt: „In unserer Branche schlägt der deutschlandweite Fachkräftemangel durch, und davon sind auch wir nicht verschont geblieben. Im vergangenen Jahr waren wir noch mit sechs Konditoren, jetzt sind es noch drei. Daraus mussten wir Konsequenzen ziehen, und die waren, das Café in Wittlich zu schließen.“

Viele Stammkunden und Menschen, die gezielt wegen des Kuchens kamen, waren in Wittlich zu Gast. Dazu kamen von April bis Oktober Radfahrer, die für Kay Schuler nicht wegzudenken waren. Er erklärt: „Es wurde in Wittlich ja schon öfter diskutiert, die obere Burgstraße für den Verkehr zu öffnen. Wenn das passiert wäre, hätten wir schon früher geschlossen, denn ohne die Außenplätze wäre es nicht gegangen.“ Bei den beiden Standorten Daun und Wittlich ist die Entscheidung für Daun gefallen, weil dort die Produktionsstätte des Familienbetriebs in vierter Generation ist. Und, weil in Daun viele Hotels und damit Kunden sind. „Daun ist im Tourismus sehr stark. Es kommen beispielsweise Tagesgäste aus Köln oder Düsseldorf, die hier frühstücken oder Kaffee trinken“, erklärt der Konditormeister. Die Geschmäcker in Wittlich und Daun seien sehr ähnlich, wobei in der Säubrennerstadt neben den Torten das selbst gemachte Eis sehr gut angekommen sei. „Eis war immer stark in Wittlich, wir haben auch Eisautos beliefert.“ Weiter sagt er: „Wichtig ist mir bei unseren Produkten, dass ich mich damit identifizieren kann, in unser Eis kommen  beispielsweise keine Farbstoffe.“

Leichtgefallen ist es Kay Schuler und seiner Familie nicht, den Standort Wittlich zu schließen. „Es ist mir schwergefallen, aber wir haben das schon vor zwei Jahren kommen gesehen, so dass wir uns an den Gedanken gewöhnen konnten.“ Fehlen wird ihm, neben den Kunden, die Gemeinschaft der Händler in der Burgstraße. In Wittlich, wo das Café seit 1989 ansässig war und das 80 Plätze im Inneren und 30 auf der Terrasse hatte, haben zwei Festangestellte und fünf Aushilfen gearbeitet. Eine der Festangestellten ist nach Daun gewechselt, die andere hat eine neue Stelle gefunden. Für die Immobilie in Wittlich ist eine Nachfolge im Gespräch.