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Zum Notfall im roten Porsche

Der in Wittlich aufgewachsene Universitätsprofessor Peter Sefrin erzählt über die Entwicklung des Rettungsdienstes in Deutschland. TV-Foto: Holger Teusch
Der in Wittlich aufgewachsene Universitätsprofessor Peter Sefrin erzählt über die Entwicklung des Rettungsdienstes in Deutschland. TV-Foto: Holger Teusch
Seit drei Jahren lädt die Casino-Gesellschaft erfolgreiche Wittlicher in ihre Heimatstadt ein, um ihre Arbeit vorzustellen. Am Freitag berichtete Peter Sefrin, in Fachkreisen "Vater des deutschen Rettungsdienstes" genannt, über die Entwicklung in der medizinischen Erstversorgung.

Wittlich. "Wir hatten ja noch keinen Funk", erzählt Peter Sefrin. "Wenn während eines Einsatzes ein weiterer Notruf kam, überlegte der Pförtner im Wittlicher Krankenhaus, wen er anrufen könnte. Dann stand zum Beispiel in Hasborn jemand an der Straße, winkte und sagte mir: Gleich musst du noch da und da hin.'"

Was heute eine Anekdote ist, war in den 60er Jahren Gang und Gebe. Peter Sefrin hat die Geschichte des deutschen Rettungsdienstes nicht nur miterlebt, er prägte sie auch.

1941 in Heidelberg geboren, wuchs Sefrin in Wittlich auf. Sein Vater Arthur betrieb eine Kinderarztpraxis. "Ich habe mit meinem Vater Hausbesuche gemacht", erzählt Sefrin. Sein Weg in die Medizin schien zwangsläufig. Dass aber aus dem Studium in Würzburg wirklich etwas wurde, verdankt er einem Machtwort seines Vaters. "Vor dem Abitur war mein Haupthobby das Reiten. In der Unterprima war der Erfolg so groß, dass mein Vater es mir verbot. Die Noten waren entsprechend", erzählt er. Zur Finanzierung seines Studiums arbeitete Sefrin beim sich im Aufbau befindlichen Würzburger Rettungsdienst nachts als Fahrer. In den Semesterferien fuhr er in Wittlich Rettungswagen.

Sefrin war beim Rettungsdienst angekommen, lenkte später als Notarzt einen roten Notarzt-Porsche und verfasste mehr als 300 Publikationen zu diesem Thema.

Zwar promovierte er als Anästhesist, doch bereits 1964 bekam er einen Lehrauftrag für die Erste-Hilfe-Ausbildung. 1996 erhielt er in Würzburg die Professur für präklinische Notfallmedizin.

Die Erstversorgung ist ein zentrales Anliegen des Trägers des Bundesverdienstkreuzes: "Nicht für Unbekannte, sondern für die nächsten Verwandten" sei es wichtig, in Erster Hilfe fit zu sein. Familienangehörige seien in der Regel zuerst bei einem Herzinfarktpatienten. Und die ersten Minuten sind entscheidend.

Die schnelle Erstversorgung sei ein Grund für den Erfolg des deutschen Rettungsdienstes. 1970 seien von der Rekordzahl von fast 20 000 Toten im deutschen Straßenverkehr noch fast die Hälfte am Unfallort gestorben, weil sie nicht ausreichend versorgt wurden. 15 Prozent starben auf dem Transport ins Krankenhaus. "Das passiert heute so gut wie gar nicht mehr", sagt Sefrin. Dabei spiele natürlich auch die technische Ausstattung eine große Rolle.

Das Problem: "Die heutigen Möglichkeiten kosten Geld, und wenn wir das nicht haben, können wir manches nicht machen", sagt Sefrin.