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Zwischen Hoffnung und Sorge: Wie geht es weiter im Kloster Himmerod?

FOTO: Rudolf Höser
Großlittgen/Wittlich. Wie geht es weiter in Himmerod? Wird der Konvent aufgelöst? Der TV hat sich umgehört. David Falkner

Um das knapp 900 Jahre alte Zisterzienserkloster in Großlittgen ranken sich derzeit viele Gerüchte (der TV berichtete). Möglicherweise wird der Konvent sogar ganz aufgelöst, denn den Mönchen fehlt wohl der Nachwuchs: Nur noch fünf Patres und Brüder leben in dem Komplex. Ende nächster Woche soll im Schweizer Kloster Hauterive bei einer einwöchigen Tagung des Mehrerauer Kongregationskapitel über Himmerod beraten werden. Die Äbte und Äbtissinnen von 19 selbstständigen Zisterzienser-Klöstern aus sechs Ländern entscheidend dann, wie und ob es mit der Eifeler Gemeinschaft weitergeht.

Thomas Simon, der Vorsitzende des 2011 wegen der damals drohenden Insolvenz des Klosters gegründeten Förderverein Abtei Himmerod, warnt vor vorschneller Aufregung: "Wir wissen derzeit nicht, ob der Konvent aufgelöst wird - ich kann den Mitgliedern des Kongregationskapitels nicht in die Köpfe gucken." Eine Auflösung wäre aber auf jeden Fall traurig und aus Sicht des Fördervereins bedauerlich, so Simon weiter. Immerhin sei Himmerod das älteste noch aktive Kloster in Deutschland, gegründet von Berhard von Clairvaux. "Deshalb hat Himmerod historische Relevanz - auch für den gesamten Zisterzienserorden." Egal was kommt: "Wir wollen Himmerod auf jeden Fall als geistig-kulturelles Zentrum erhalten", sagt Thomas Simon. "Den Erhalt des Konvents können wir aber nicht erzwingen. Wir haben keine Ersatzmönche im Gepäck."

Als Positivbeispiel nennt er das 1988 im Bochumer Stadtteil Stiepel gegründete Zisterzienserkloster Stiepel: "Das existiert mit nur vier Mönchen. Allerdings als Priorat, nicht als Abtei." Himmerod als Priorat? "Das wäre aus Sicht des Fördervereins vielleicht eine Möglichkeit", antwortet Simon.

Hubert Flesch betreibt das Café in Himmerod. "Diese Entwicklung ist traurig, war aber vorauszusehen", sagt er. Gleichzeitig ist er sich aber sicher: "Was auch passiert: Wir bleiben in Himmerod."

Trotz der schlechten Nachrichten ist der Gastronom optimistisch: "Himmerod ist ein spiritueller Ort, Menschen aus der ganzen Welt kommen her. Das Kloster ist etwas besonderes und wird etwas besonderes bleiben!" Sicher ist derzeit: Sollte der Konvent und damit der Trägerverein der Abtei aufgelöst werden, würde das Kloster und die Abteikirche in den Besitz des Bistums übergehen.

Für Flesch ist das keine schlechte Nachricht: "Wenn die Kirche aufbleibt, wenn weiter Messen gelesen werden, dann ist Leben in der Kirche und dann wird das schon alles klappen. Ich bin da guter Dinge und habe keine Angst." Viele Menschen kümmerten sich. Auch der Bücherladen und die Fischerei würden in jedem Fall aufbleiben, erzählt Flesch. Und der Förderverein sei ja auch noch da. "Es wäre natürlich schade, wenn die Patres weggehen würden - aber es geht immer weiter und das Kloster bleibt immer da."

Weniger optimistisch blickt Dennis Junk in die Zukunft. Er ist der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Wittlich-Land und stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins der Abtei. "Die Auflösung des Konvents wäre für uns eine große Enttäuschung", sagt er. Derzeit würden erste Gespräche über den weiteren Verlauf nach einer möglichen Auflösung geführt.

"Klar ist: Die Verbandsgemeinde setzt sich für den Erhalt des Klosterlebens ein. Himmerod ist wichtig für uns." Die Dinge seien aber nicht leicht zu klären. "Noch sind viele Gerüchte im Umlauf. Wir müssen vor allem die Entscheidung des Kongregationskapitels abwarten", sagt Junk. "Wir wissen erst seit kurzer Zeit von den Entwicklungen dort. Und noch ist ja nichts offiziell."

"Die Lage ist derzeit schwierig zu beurteilen", bremst auch der Großlittgener Ortsbürgermeister Karl-Heinz Hubo. Einige Großlittgener seien durchaus schockiert über die schlechten Nachrichten aus der Abtei. "Vor allem, da es nach der drohenden Insolvenz inzwischen wirtschaftlich ja wieder etwas besser klappt. Inzwischen werden schwarze Zahlen geschrieben."

Hubo hofft und glaubt, dass der Konvent am Ende allen Unkenrufen zum Trotz nicht aufgelöst wird. "Es werden verschiedene Varianten und Szenarien besprochen, wie das Klosterleben erhalten werden kann. Noch ist kein Plan reif für die Öffentlichkeit, es muss abgewartet werden, was am 13. Oktober beim Kongregationskapitel beschlossen wird. Aber ich bin guter Dinge."

Eine Auflösung des Konvents wäre für Großlittgen nicht einfach nur traurig, sondern würde auch dem Tourismus schaden. "Himmerod ist wichtig für Großlittgen und die Region. Wenn man irgendwohin fährt, auch über die Grenze, wo auch immer: Mit dem Örtchen Großlittgen kann kaum jemand etwas anfangen, aber das Kloster Himmerod ist schon einigen Leuten ein Begriff."

Hubo ist vor allem wichtig, dass es keine unnötige Aufregung gibt. "Schreiben Sie etwas Positives über das Kloster", so verabschiedet sich der Großlittgener Ortsbürgermeister vom TV-Redaktionsmitglied am Telefon. "Damit die Leute sich keine Sorgen machen."