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Menschen
Zwischen Sehlem und Serengeti

Der in Sehlem lebende Brite Andy Tutchings (Dritter von links) beim Einfangen einer Giraffe. Das Foto wurde im Oktober 2017 während der Dreharbeiten zur Dokumentation „Catching Giants“ gemacht.
Der in Sehlem lebende Brite Andy Tutchings (Dritter von links) beim Einfangen einer Giraffe. Das Foto wurde im Oktober 2017 während der Dreharbeiten zur Dokumentation „Catching Giants“ gemacht. FOTO: TV / Nico Smit
Sehlem. Der Brite Andy Tutchings lebt seit drei Jahren in der Eifel. Von dort aus pflegt er ein seltenes Hobby und erzählt, was sein Leben mit Bernhard Grzimek und dem Hamburger SV zu tun hat.
Petra Willems

Andy Tutchings hat in seinem Leben viel gesehen. In seinen 34 Jahren als Major in der britischen Royal Navy, aber auch privat. Auf Polarexpeditionen und vor allem in Afrika. Denn seit seiner Kindheit schwärmt der 52-Jährige, der aus der Nähe von Birmingham kommt und seit drei Jahren mit seiner Familie in Sehlem lebt, für diesen Kontinent. „Bernhard Grzimek und seine Dokumentationen habe ich schon als Kind bewundert“, erzählt er. Vor allem das oscargekrönte Stück „Serengeti darf nicht sterben“ habe es ihm schon damals angetan, die Faszination sei bis heute geblieben. Sogar das Grab des deutschen Tierfilmers Grzimeks am Rande der Serengeti hat Tutchings bereits besucht.

Mittlerweile hat der Brite selbst Dokumentationen in Afrika gedreht, unter anderem für National Geographic. Das Thema: Giraffen. Denn diesen Tieren hat sich Tutchings verschrieben. „So viele Menschen kümmern sich um den Erhalt von Elefanten. Dabei gibt es in Afrika noch etwas mehr als 450 000 Stück. Aber kaum jemand interessiert sich für Giraffen. Dabei existieren auf dem gesamten afrikanischen Kontinent nur noch rund 80 000“, erklärt er.

Andy Tutchings hat viel Respekt vor den großen Tieren: Vor wenigen Tagen erst ist in Südafrika ein Kameramann beim Filmdreh mit Giraffen ums Leben gekommen. Der Schädel des über eine Tonne schweren männlichen Tiers war gegen den des Kameramannes gekracht. Der Mann starb im Krankenhaus. „Er war vermutlich zu nah dran“, vermutet Andy Tutchings. Denn normalerweise würden sich die großen und sehr starken Tiere mit ihren massiven Füßen verteidigen, nicht mit dem Kopf. „Es war wohl ein Reflex.“

Andy Tutchings hat schon den gesamten afrikanischen Kontinent bereist, war Mitbegründer und ehemaliger Vorsitzender einer Naturschutzorganisation. In zahlreichen Expeditionen sammelte er unter anderem DNA-Proben von Elefanten, Löwen und eben Giraffen. Mittlerweile ist er viel in Südafrika und in Namibia unterwegs. Im Nordwesten der ehemaligen deutschen Kolonie ist er Teil des Teams der „The Survival Zone Wilderness Academy“, die Ranger- und Anti-Wilderer-Trainings sowie Überlebens- und Busch-Trainingsprogramme für Touristen anbietet (www.wilderness-academy.info). Durch diese werden auch Anti-Wilderer-Trainings für Einheimische finanziert, damit diese ihren Lebensunterhalt ohne Wilderei verdienen können. „Viele von ihnen tun das nur, um ihre Familie zu ernähren, sie haben kaum eine andere Möglichkeit“, sagt Andy Tutchings. Zu viele der Wilderer seien zudem mit AK47-Gewehren bewaffnet, um Elefanten und Nashörner zu jagen, unterstützt von Helikoptern. Die Wilderer wären immer stärker organisiert und würden anspruchsvoller. „Die Tiere davor zu schützen ist eine sehr gefährliche Sache.“ Zudem untersucht der Wahl-Eifeler intensiv das Leben der Giraffen vor Ort. In einer Gruppe kundschaftet er die Tiere aus, beobachtet und verfolgt sie und betäubt sie für eine kurze Zeit, um ihnen GPS- oder Satelliten-Halsbänder umlegen zu können. Daran sind Sensoren befestigt, mit denen die Routen der Tiere erkundet und die Giraffen gezählt werden.

„Giraffen zu fangen ist der größte Spaß, den man haben kann. Während man Kleidung trägt“, sagt Tutchings und lacht. In dem Programm zur Erhaltung der Giraffen arbeitet das Team mit der Universität im südafrikanischen Bloemfontain zusammen. Zudem ist Tutchings Berater einer amerikanischen Wohltätigkeitsvereinigung für Giraffen (www.savethegiraffe.com).

Während seiner Zeit in der königlichen Armee der Briten war Tutchings zuletzt in Flensburg an der Marineschule Mürwik tätig. Dort war er als Austausch-Offizier stellvertretender Leiter im Fachbereich für Führungskräfte-Entwicklung und Teamtrainings zuständig. Unter anderem coachte er dabei auch einmal die Kicker des Fußballvereins Hamburger SV in einem Training zur Teambildung.

Damals landete der HSV auf dem Relegationsplaz und hielt die Klasse, in diesem Jahr stiegen die Norddeutschen ab. Wer weiß, wie es mit einem erneuten Training mit Andy Tutchings vor der Saison ausgegangen wäre?

Privat gehört Fußball nicht zu den Lieblingssportarten von Tutchings. Da bevorzugt er Rugby, ganz britisch eben. Und auch am Samstag wird der Wahl-Eifeler, der mittlerweile selbstständig Führungskräfte- und Teamentwicklungsseminare anbietet, Fan der königlichen Familie sein, von denen er während seiner Zeit in der Navy einige Mitglieder persönlich kennenlernte. Denn am Samstag wird er die Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle live verfolgen – am Fernsehen, beziehungsweise vor der Leinwand, nahe seinem Zuhause: Im Biergarten in Esch wird die Übertragung der Zeremonie live gezeigt.

Apropos Eifel: Was zieht einen weitgereisten Briten ausgerechnet nach Sehlem? „Meine Frau kommt aus der Nähe von Prüm, und es ist sehr schön, nahe ihrer Familie zu sein.“ Zwar vermisst der Brite das Meer, liebt aber den Meulenwald und die Eifellandschaft. Und, wie er sagt: „Es gibt viele Direktflüge von Frankfurt nach Afrika.“

Wer Andy Tutchings erreichen will, kann das per E-Mail an andy@kompassteamtraining.de tun.

Der Brite Andy Tutchings lebt seit drei Jahren mit seiner Familie in Sehlem. Das Foto links zeigt ihn in seinem Garten neben einem regionaltypischen Schwenkgrill, einem Geschenk seines Schwagers. Das Foto rechts wurde im Oktober 2017 aufgenommen und zeigt Tutchings (Dritter von links) während der Dreharbeiten zur  Dokumentation „Catching Giants“.
Der Brite Andy Tutchings lebt seit drei Jahren mit seiner Familie in Sehlem. Das Foto links zeigt ihn in seinem Garten neben einem regionaltypischen Schwenkgrill, einem Geschenk seines Schwagers. Das Foto rechts wurde im Oktober 2017 aufgenommen und zeigt Tutchings (Dritter von links) während der Dreharbeiten zur Dokumentation „Catching Giants“. FOTO: TV / Petra Willems