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Wittlicher Betrieb wehrtsich gegen Vorwürfe

Tiere : Kampagne gegen Simon-Fleisch?

Aktivisten machen Wittlicher Betrieb für Tierquälereien in einem nierdersächsischen Mastbetrieb mitverantwortlich.

 Ohne Zweifel ist es eine Sauerei, wenn Tiere in Mastbetrieben gequält und ihnen dort unzumutbares Leid zugefügt wird, weil sie beispielsweise in ihrem eigenen Kot stehen müssen, mit schweren Verletzungen tagelang durch den Stall humpeln oder riesige Tumore und Abszesse aufweisen. Solche unakzeptablen Missstände und Tierquälereien haben Aktivisten des Tierschutzvereins „Deutsches Tierschutzbüro“ mit Sitz in Berlin nach eigenen Aussagen im größten Schweinemastbetrieb Niedersachsens aufgedeckt. Die Aktivisten drangen nachts in die Stallungen des Unternehmens ein – auch das ist nicht legal – und drehten dort Videoaufnahmen, welche die „Tierquälereien“ belegen sollen. „Eine gesetzlich vorgeschriebene Krankenbucht ist auf den Aufnahmen nicht zu erkennen“, sagen die Tierschützer.

„Besonders schlimm: das Trinkwasser wurde über Nacht abgestellt, um mehr Profit zu machen. Zudem waren an vielen Stellen die Spaltenbreiten des Spaltenbodens zehn Zentimeter breit, gesetzlich vorgeschrieben sind jedoch maximal zwei Zentimeter“. Das berge eine große Verletzungsgefahr für die Tiere. Zwischen den lebenden seien auch tote Tiere zu sehen gewesen.

Manchem dreht sich bei solchen Schilderungen wohl der Magen um. Und ohne Zweifel sind die Haltungsbedingungen in diesem niedersächsischen  Schweinemastbetrieb, wenn sie sich tatsächlich so darstellen, miserabel.

Deshalb ermittelt nach Angaben der Tierschützer nun auch die Staatsanwaltschaft. „Unmittelbar nachdem die Aufnahmen erstellt worden sind, ist das zuständige Veterinäramt mit einer detaillierten Anzeige informiert worden“, sagen die Aktivisten. Bei einer Kontrolle habe das Amt weitestgehend die auf dem Videomaterial dokumentierten Missstände vorgefunden. Dem Betreiber seien nun Auflagen erteilt worden. „Fast wöchentlich decken wir und andere Tierrechtsorganisationen Missstände in Zucht- und Mastanlagen sowie Schlachthöfen auf, es muss endlich im Sinne der Tiere gehandelt werden“ kritisiert Jan Peifer, der Vorstandsvorsitzende des Deutsches Tierschutzbüros. So weit, so gut für die Tiere, dass die Misstände aufgedeckt wurden, könnte man sagen, würde die von Peifer formulierte Pressemitteilung nicht lauten: „Aufgedeckt: Auch Simon-Fleisch aus Wittlich arbeitet mit der größten Schweinemast Niedersachsens zusammen – Videoaufnahmen belegen Tierquälerei – Staatsanwaltschaft ermittelt:“

In der Tat wurden Mitte Juli 185 Schweine von der Mastanlage aus Niedersachsen nach Wittlich transportiert und dort geschlachtet. Simon-Fleisch ist mit mehr als einer Million Schlachtungen pro Jahr der größte Schweine-Schlachthof in Rheinland-Pfalz. Doch den Wittlicher Schlachtbetrieb für die mutmaßlichen Verfehlungen dieses Mastbetriebes und Landwirtes aus Niedersachsen verantwortlich zu machen, das zumindest legt die Pressemitteilung des Tierschutzbüros nahe, ist aber dann doch etwas weit hergeholt, könnte man meinen.

Aber was sagt Unternehmenschef Bernhard Simon selbst zu diesem Versuch, seinen Betrieb wegen der Haltungsbedingungen eines Zulieferers an den Pranger zu stellen? Und in welcher geschäftlichen Beziehung steht er überhaupt zu diesem Landwirt? „Es gibt keine Geschäftsbeziehung mit diesem Mastbetrieb“, sagt Simon. Im Juli habe ein Viehhandelsunternehmen 185 Schweine angeliefert, die aus diesem Betrieb stammten. Simon: „Das war reiner Zufall, normalerweise hat dieser Händler keinen Kontakt zu dem Mastbetrieb. Die Schweine waren aber bei der amtlichen Lebendtier- und Fleischuntersuchung völlig unauffällig, keines der Tiere wies Verletzungen auf, die über die üblichen Kratzer hinausgingen.“

Ein Viehhandelsunternehmen sei ein selbständiges Unternehmen  und frei in seiner Entscheidung, bei welchem Bauern es Schweine einkaufe und an welchen Schlachtbetrieb es diese Tiere wieder verkaufe. Simon: „Mir waren die Haltungsbedingungen auf dem Hof dieses Landwirtes nicht bekannt.“ Die im Video der Tierschützer gezeigten Zustände, meint der Schlachthofbetreiber, seien nicht akzeptabel. „Der Stall muss in baulicher Hinsicht den gesetzlichen Vorgaben entsprechen, der Zugang der Tiere zu Wasser muss jederzeit sichergestellt sein und natürlich dürfen auch keine kranken Tiere schutzlos zwischen den übrigen Tieren sein oder gar tote Tiere im Stall liegen.“

Er halte es jedoch für schwer vorstellbar, dass sowohl die Überwachungsbehörden als auch die Qualitätssicherungsorganisation bei den regelmäßigen Kontrollen derartige Missstände alle übersehen haben sollten. Er hegt auch gewisse Zweifel an der Authentizität der Videoaufnahmen. „Es gibt schon Hinweise darauf, dass dieses Videomaterial zusammengeschnitten wurde aus Videos aus aller Welt. Wie kommt beispielsweise das gezeigte kleine Ferkel in diesen Stall mit Mastschweinen“, fragt sich Simon. Er habe seinen Geschäftspartner jedenfalls darüber informiert, dass er keine Schweine aus diesem Betrieb liefern solle. Aber wie kann sich der Schlachthofbetreiber, der die Tiere über Viehhändler bei Landwirten einkauft, überhaupt vergewissern, dass die Zulieferer in ihren Betrieben die Tierschutzbestimmungen einhalten?

Simon sagt, er besuche ab und an einen der 300 landwirtschaftlichen Betriebe, von denen er Schweine erhalte. „Es ist aber nicht unsere Aufgabe und wir haben gar kein Recht, irgendwelche Kontrollen bei Bauern durchzuführen.“ Seine Vertragspartner seien die Viehhandelsunternehmen und Erzeugergemeinschaften sowie Genossenschaften. Simon: „Auf diese Stufe haben wir noch bedingten Zugriff. Die Mastbetriebe werden hingegen von den zuständigen Veterinärbehörden kontrolliert. Zudem gibt es diese Qualitätssicherungssysteme wie QS, die ebenfalls Kontrollen durchführen.“

Sein Schlachthof könne nicht jeden einzelnen landwirtschaftlichen Betrieb kontrollieren. „Dafür gibt es die Veterinärverwaltung und andere Organisationen. Darüber hinaus werden alle Schlachttiere einer intensiven amtlichen Untersuchung sowohl lebend als auch in geschlachtetem Zustand unterzogen. Sobald es Hinweise auf Tierschutzvergehen, unhygienische Zustände im Mastbetrieb gebe, informiere das Veterinäramt Wittlich sofort das für den Mastbetrieb zuständige Veterinäramt.

Simon: „In erster Linie trifft jedes Unternehmen, also auch den Landwirt, die Verpflichtung, seinen Betrieb in Ordnung zu halten.“

Aus seiner Sicht gebe es in Deutschland die intensivste Veterinärüberwachung weltweit. „Eine so gut organisierte Veterinärüberwachung finden Sie vielleicht noch in den Niederlanden und in Skandinavien, aber dann wird es schon dünn. Natürlich kann es in Einzelfällen zu Missständen in einem landwirtschaftlichen Betrieb kommen.“ In Deutschland, meint der Wittlicher Schlachthofbetreiber, sei das aber sicherlich nicht die Regel.