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Wo kommen Saisonkräfte in diesen Zeiten her?

Wirtschaft : Klöckner antwortet Restaurantchef: „Niemand wird gezwungen“

Dass sein Kommentar auf seiner Facebook-Seite für so viel Aufsehen sorgen wird, hätte Restaurantbetreiber Jörg Linden aus Ayl (Trier-Saarburg) nicht gedacht. Vergangene Woche machte der Koch seinem Ärger Luft über den Vorschlag von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU), dass Köche und das Servicepersonal der Gastronomie, die wegen der Schließung von Betrieben derzeit keine Arbeit haben, als Erntehelfer bei Landwirten arbeiten könnten (der TV berichtete).

„Was ist mit den Mitarbeitern Ihres Ministeriums?Trifft man die in Kürze auch am Feld zum Spargel stechen?“ fragte Linden provokativ.

Nun bekam er Antwort aus Berlin. Julia Klöckner antwortete dem Ayler persönlich. Es würden für Pflanz- und Erntearbeiten in der Landwirtschaft oder für Supermärkte „helfende Hände dringend gebraucht“. Gleichzeitig gebe es Beschäftige, die aufgrund der Corona-Krise momentan Kurzarbeitergeld beziehen oder gar keine Einnahmen hätten. „Warum diese Enden also nicht zusammenbringen?“, schreibt Klöckner, die auch rheinland-pfälzische CDU-Vorsitzende ist.

Sie habe nicht von Verpflichtung dazu gesprochen: „Keiner wird gezwungen, niemand muss. Aber wer will und kann, der soll dürfen.“ Das  Interesse sei da: Seitdem sie den Vorschlag gemacht habe, „rennen uns auch Beschäftigte aus der Gastronomie die Türen ein“.

Auf der Job-Vermittlungsplattform für Erntehelfer habe es innerhalb der ersten beiden Stunden nach Start bereits 3000 Inserate gegeben. Davon profitierten beide Seiten, so Klöckner:

„Die Landwirte bekommen Unterstützung, die Helfer haben so überhaupt ein Einkommen oder einen Zuverdienst.“ Damit sich dieser Zuverdienst auch merklich niederschlage, habe sie im Bundeskabinett durchgesetzt, dass das Einkommen aus einer Nebenbeschäftigung übergangsweise bis zur Höhe des Nettolohns aus dem eigentlichen Beschäftigungsverhältnis nicht auf das Kurzarbeitergeld angerechnet werde.

Ihr Vorschlag habe nichts mit Frechheit, wie von Linden vorgeworfen, zu tun. „Es geht hier um die Sicherung der Ernten und damit unser aller Lebensgrundlage. Lassen Sie uns hier gemeinsam an einem Strang ziehen, zusammenstehen“, schreibt Klöckner.