Zeugen vor Nürburgring-Untersuchungsausschuss

Zeugen vor Nürburgring-Untersuchungsausschuss

Der Nürburgring-Untersuchungsausschuss in Mainz hat gestern weitere Zeugen vernommen, darunter den Vorgänger des kürzlich entlassenen Geschäftsführers Walter Kafitz, Rainer Mertel. Auch Ex-Finanzminister Deubel und der frühere Ministerpräsident Rudolf Scharping sind vor das Gremium geladen.

Der ehemalige Nürburgring-Geschäftsführer Rainer Mertel hat nach eigenen Angaben schon früh Bedenken gegen seinen vor kurzem entlassenen Nachfolger Walter Kafitz gehabt. Mertel, der Kafitz 1994 sechs Monate lang einarbeitete, sagte am Freitag vor dem Nürburgring-Untersuchungsausschuss in Mainz, er habe den damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Ernst Eggers (FDP) in dieser Zeit dreimal über seine Kritik an den Leistungen Kafitz' informiert.

Auch der langjährige stellvertretende Ring-Geschäftsführer Volker Gredig berichtete, Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit mit Kafitz seien es gewesen, die ihn 1995 dazu gebracht hätten, diese Position aufzugeben. Er habe danach als Koordinator für den Gewerbepark am Nürburgring gearbeitet, sagte Gredig.

Für den Nachmittag waren der ehemalige rheinland-pfälzische Finanzminister Ingolf Deubel und der frühere Ministerpräsident Rudolf Scharping (beide SPD) als Zeugen geladen.

Rainer Mertel erlitt nach seiner einstündigen Aussage einen Schwächeanfall und musste ärztlich behandelt werden.

Der elfköpfige Untersuchungsausschuss des Landtags soll mögliche Fehler und Verantwortlichkeiten bei den Querelen um den Bau des Freizeitzentrums an der Rennstrecke klären. Die internationale Privatfinanzierung des rund 300 Millionen Euro teuren Projekts war im Sommer spektakulär gescheitert. Es entstand der Eindruck, dass die Regierung auf Betrüger hereingefallen war. Deubel trat deshalb zurück, die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf.

Im Untersuchungsausschuss, der sich zunächst auf die Zeit bis 2004 konzentriert, wurde außerdem deutlich, dass der Nürburgring in den vergangenen Jahrzehnten sehr häufig rote Zahlen schrieb — trotz aller Investitionen, mit denen die jeweils Verantwortlichen gegensteuern wollten. Erst Mitte der 1990er Jahre wurden deutliche Gewinne geschrieben, da die Formel 1 wieder in der Eifel stattfand, wie aus der Verlesung der Bilanzzahlen in der Sitzung hervorging. In den Folgejahren schrumpften die Überschüsse jedoch wieder, da die finanziellen Belastungen durch die Verträge mit der Formel 1 deutlich anstiegen.

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