Zig Fundstellen, tonnenweise Munition

Birgel · Immer wieder finden sich bei Erdarbeiten unverhofft Fliegerbomben oder alte Munition. So unverhofft sind die Funde dann doch nicht, wie eine von Gunter Heerwagen recherchierte Liste beweist.

(har) Es sind nicht nur Sondengänger und Munitionsliebhaber, die auf explosive Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg stoßen. 2007 fand ein Junge in einem Bach bei Fell eine 15-Zentimeter-Sprenggranate aus dem Zweiten Weltkrieg mit Aufschlagzünder (der TV berichtete). Und Baggerführer finden so wie vor einigen Wochen in Bleialf auch immer wieder einmal Munition, Bomben und Granaten in den Schaufeln ihrer Arbeitsgeräte: Mehr als 60 Jahre nach dem Ende der Kampfhandlungen gibt es in der Region noch tonnenweise Kampfmittel. Meist handelt es sich um Zufallsfunde.

Besonders in Städten und strategisch wichtigen Orten werden zudem Fliegerbomben gefunden. Viele Munitionsfunde sind Folge der erbittert geführten Kampfhandlungen in der Endphase des Zweiten Weltkriegs. Der Grenzraum zu Belgien, Luxemburg und Frankreich war monatelang Frontgebiet. Nicht zuletzt wegen des Westwalls, mit dem sich das damalige Deutsche Reich vor den Alliierten schützen sollte. Eine nicht bezifferbare Menge Munition ist infolge der Kampfhandlungen während und nach dem Krieg in Bombentrichtern oder Stellungen liegen geblieben. Teilweise wurden Sprengkörper gesammelt und in Bombentrichtern deponiert – und anschließend vergessen.

Nach dem Krieg waren in großer Zahl Munitionsräumer eingesetzt. Diese bargen unter Lebensgefahr und mit primitiven Mitteln große Mengen Munition. Immer wieder kam es zu Unfällen mit teils tödlichem Ausgang. Auch gab es schwere Verletzungen teils mit tödlichen Folgen bei Zivilisten.

Die Unterlagen der damaligen Räumaktionen, bei denen nach Auskunft von Experten meist nur oberflächlich abgesucht wurde, sind Grundlage für eine Liste mit möglichen Munitionsfundstellen, von denen die zuständige Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier seit rund 20 Jahren weiß.

„Ende der 80er Jahre haben rheinland-pfälzische Verwaltungen eine Liste erhalten, in denen mögliche Fundorte von Kampfmitteln aufgeführt waren“, sagt Gunther Heerwagen aus Birgel. Er hat sich über Jahre hinweg mit dem Thema Kampfmittel und Rüstungsaltlasten beschäftigt und gemeinsam mit Gleichgesinnten Grundlagenarbeit geleistet. Die an die Behörden verschickte Liste entstammt jedoch nicht seiner Feder, sondern ist im rheinland-pfälzischen Innenministerium entstanden. Sie war so verschlüsselt worden, dass Heerwagen über lange Zeit hinweg sich durch Archivmaterial durcharbeiten musste. Mehr als 120 mögliche Fundorte von Weltkriegsmunition im Bereich des ehemaligen Regierungsbezirks Trier machte er so aus.

Eine der im Internet angegebenen Stellen liegt – wie es der Zufall will – nur wenige Hundert Meter entfernt vom Wohnhaus Heerwagens. Laut seiner Liste war bei Birgel ein Munitionszug explodiert. Und tatsächlich hatte vor einigen Wochen ein Baggerfahrer in der Nähe der Strecke bei Bauarbeiten Munition gefunden. „Da liegt sicher noch mehr“, sagt Heerwagen.

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