Zu wenig Ärzte: Trierer Kinderkrebsstation nimmt weiterhin keine Patienten auf

Kostenpflichtiger Inhalt: Gesundheit : Zu wenig Ärzte: Kinderkrebsstation im Mutterhaus nimmt weiter keine Patienten auf

Die Klinik in Trier erfüllt nicht die erforderlichen Bedingungen und darf keine schwerkranken Kinder und Jugendlichen behandeln. Der Förderverein spricht von einer „unerträglichen Situation“ – und appelliert an die Politik.

Noch immer können keine an Krebs erkrankten Kinder und Jugendlichen, die eine stationäre Chemotherapie benötigen, im Trierer Mutterhaus behandelt werden. Seit über einem Jahr gibt es einen Aufnahmestopp auf der dortigen Kinderkrebsstation, der einzigen in der Region. Grund: Personalmangel.

Und daran hat sich, seitdem im vergangenen November die zu dieser Zeit bereits seit Monaten bestehenden Probleme öffentlich wurden, nichts geändert. „Wir können weiterhin keine stationäre Therapie für Kinder anbieten, die akut eine schwere Chemotherapie benötigen. Notfälle können wir aber natürlich immer hier in Trier behandeln“, sagt Wolfgang Thomas, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin des Trierer Mutterhauses. Betroffen davon seien zehn bis 15 Kinder und Jugendliche pro Jahr. Diese werden seit dieser Zeit vor allem an der Uniklinik im saarländischen Homburg behandelt.

„Wir bemühen uns intensiv, einen weiteren Facharzt zu finden“, sagt Thomas. Es gebe allerdings bundesweit nur 300 Kinderonkologen, um die 60 Kliniken werben würden. „Da ist die Randlage von Trier nicht unbedingt förderlich.“

Laut rheinland-pfälzischem Gesundheitsministerium erfüllt die Kinderkrebsstation des Mutterhauses derzeit nicht die Anforderungen des Gemeinsamen Bundesausschusses, dem höchsten Entscheidungsgremium im deutschen Gesundheitssystem. Demnach sind drei auf Blutkrebs spezialisierte Kinder- und Jugendmediziner für eine solche Station erforderlich. Momentan sind im Mutterhaus aber nur zwei solcher Spezialisten beschäftigt. Eine der Ärztinnen befindet sich derzeit in Mutterschutz.

Der Zustand auf der Station habe sich nicht gebessert, er sei schlimmer geworden, sagt Eugen Schuh. Er ist Vorsitzender des Fördervereins krebskranker Kinder in Trier. Dieser unterstützt betroffene Familien. „Die Situation ist unerträglich. Offenbar gelingt es dem Mutterhaus nicht, für entsprechenden Nachwuchs zu sorgen“, sagt Schuh. Er appelliert unter anderen an die Politik, sich dafür einzusetzen, „damit Trier wieder eine funktionierende Kinderkrebsstation erhält“.

Aus dem Gesundheitsministerium in Mainz heißt es dazu, man stehe in enger Abstimmung mit der Geschäftsführung des Mutterhauses und unterstütze „das intensive Bemühen des Klinikums“. Die stationäre Versorgung von krebskranken Kindern und Jugendlichen sei durch die Kooperation mit der Uniklinik in Homburg sichergestellt, sagt eine Ministeriumssprecherin.

Die ambulante Versorgung der jungen Patienten und die Betreuung von deren Familien sei durch das deutschlandweit einzigartige Nachsorgezentrum Villa Kunterbunt gewährleistet. Dort werden derzeit 670 Familien mit schwerkranken Kindern und Jugendlichen, darunter auch 45 an Krebs erkrankte, betreut.

Der Leiter des Ersatzkassenverbandes Rheinland-Pfalz, Martin Schneider, hält die Situation auf der Kinderkrebsstation im Mutterhaus für symptomatisch für die Probleme der stationären Versorgung in Rheinland-Pfalz. Er spricht sich für eine stärkere Spezialisierung und Konzentration der Kliniken aus. Dadurch könne die Qualität der Behandlung gesteigert und dem drohenden Fachkräftemangel entgegengewirkt werden.

Er gehe davon aus, dass das Mutterhaus alles dafür tue, dem Mangel an Fachpersonal „wirkungsvoll zu begegnen“.

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