Zu wenig Pfleger – Kliniken in der Region müssen Stationen teilweise schließen

Kostenpflichtiger Inhalt: Gesundheit : Zu wenig Pfleger – Kliniken in der Region müssen Stationen teilweise schließen

Die Gewerkschaft warnt vor Überlastung der Mitarbeiter, die Patienten spüren den Mangel an Personal. Luxemburg lockt mit höheren Gehältern, dadurch verschärft sich die Lage.

Weil Pflegekräfte gefehlt haben, musste im vergangenen Jahr die Intensivstation im Wittlicher Krankenhaus an einzelnen Tagen abgemeldet werden. Es konnten dann dort keine Patienten behandelt werden. Auch im Saarburger Krankenhaus mussten zeitweise Patientenaufnahmen verschoben werden, weil einzelne Stationen wegen Personalmangels nicht voll belegt werden konnten.

Laut Thorsten Servatius, für den Bereich Gesundheit zuständiger Gewerkschaftssekretär bei Verdi, sind Wittlich und Saarburg keine Einzelfälle. Immer wieder käme es in Kliniken dazu, dass einzelne Stationen ganz oder teilweise abgemeldet würden, weil es zu wenig Pfleger gebe. Fast in allen Häusern gebe es offene Stellen. Laut einer Erhebung der Krankenhausgesellschaft fehlen in Rheinland-Pfalz mehr als 1000 Pflegekräfte.

Das führe dazu, dass das vorhandene Personal oft überlastet sei. Das Pfleger aus dem „Frei“ geholt würden, also den ihnen zustehenden freien Tag opfern müssten, weil ein Kollege kurzfristig ausgefallen sei, sagt Jörg Sponholz. Er vertritt die Interessen von Pflegern bei Verdi. „Viele Kollegen sind am Limit“, berichtet er. Nicht selten würden sie aufgrund der Überlastung krank, fielen aus, was dann wiederum zu Mehrarbeit der verbleibenden Kollegen führe. Pflege sei eben kein Beruf wie andere. „Wenn bei einem Schreiner kurzfristig Mitarbeiter ausfallen, ist es letztlich egal, ob die Fenster einen Tag später fertig werden. Wir können die Patienten nicht einfach nach Hause schicken, wenn Personal fehlt“, sagt Sponholz, der stellvertretender Betriebsratsvorsitzender im Saarburger Krankenhaus ist. Er fordert bessere Arbeitsbedingungen. Dazu zähle auch eine bessere Bezahlung der Pflegekräfte. Ein Einstiegsgehalt von 4000 Euro brutto sei notwendig, sagt Sponholz. Derzeit liege das Gehalt bei rund 2500 Euro brutto.

Daher gehen in der Region viele Pflegekräfte nach Luxemburg. Dort können sie oft mehr als das Doppelte verdienen als hierzulande.

Die Konkurrenz zu Luxemburg sehen viele Klinikträger in der Region als ein Problem. 10 bis 15 der selbst ausgebildeten Pfleger gingen pro Jahr  zum Arbeiten ins Nachbarland, berichtet Heribert Frieling, Sprecher der Trägergesellschaft Marienhaus GmbH.  Zu ihr gehören in der Region die Kliniken in Bitburg, Gerolstein und Hermeskeil. Die Abwanderung der Pflegekräfte nach Luxemburg reiße schon große Lücken, sagt er. Der Pflegekräftemangel sei in allen Kliniken ein Thema. Bislang hätte in den Häusern der Marienhaus GmbH noch keine Station wegen Personalmangels geschlossen werden müssen. Würde man nicht selbst ausbilden, so Frieling, sähe die Lage aber anders aus.

Das bestätigt auch Kaya Erdem, Sprecher der Caritas Trägergesellschaft West, zu der das Prümer Krankenhaus gehört. Aktuell habe man in dem Haus alle Stellen besetzt. Um ausreichend Pflegernachwuchs zu gewinnen, soll die Zahl der Auszubildenden pro Jahr erhöht werden. Zwar habe man noch keine Station wegen Personalmangels schließen müssen. Trotzdem seien die Anforderungen an die Pfleger gestiegen, sagt Erdem. Er berichtet von einer Verdichtung der Arbeit, auch durch kürzere Verweildauer der Patienten. Dadurch erfolgten viel öfter zeitaufwendige und mit viel Bürokratie verbundene Patientenaufnahmen.

Einen Hintergrund darüber, wie die Kliniken in der Region verzweifelt nach Pflegekräften suchen, gibt es hier.