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Schweinepest
Zwei Tage Konzentration auf den Ernstfall

Zwei Mitarbeiter des Gefahrstoffzugs bei der Blutprobe am Wildschwein.
Zwei Mitarbeiter des Gefahrstoffzugs bei der Blutprobe am Wildschwein. FOTO: tv / Ulrike Löhnertz
Geichlingen. Die vier Kreise in der Region haben geübt, wie es wäre, wenn es den ersten Fall von Afrikanischer Schweinepest hier vor Ort gäbe. Von Ulrike Löhnertz
Ulrike Löhnertz

Langsam, ganz langsam, fließt der rote Saft in die Kanüle. Die Mitarbeiter des Gefahrstoffzugs Bitburg-Prüm haben alle Mühe, eine Blutprobe von dem toten Wildschwein zu nehmen. Kein Wunder. Es war tiefgefroren, stammt aus der Gefriertruhe eines Jägers und ist noch nicht richtig aufgetaut an diesem kalten Morgen im Kammerwald bei Geichlingen.

Egal. Schließlich handelt es sich hier „nur“ um einen Teil der Übung des Krisenverbundes Eifel (die vier Landkreise in der Region Trier), der für den Ernstfall probt, dass ein totes Wildschwein mit Verdacht auf Afrikanische Schweinepest (ASP) in der Region Trier aufgetaucht ist. Was zum Glück noch nicht passiert ist. Noch nicht mal in ganz Deutschland. Aber im benachbarten Belgien gibt es bereits 180 dokumentierte Fälle. Grund genug für den Krisenverbund Eifel, der alle zwei bis drei Jahre gemeinsam übt, wie es ist, wenn plötzlich eine gefährliche Seuche ausbricht. Dieses Jahr ist es, also nicht zufällig, die ASP.

Unter den kritischen Augen der Veterinäre des Eifelkreises, Rudolf Heck und Claudia Balleyer, sowie einiger Leute von THW und Feuerwehr waltet der dreiköpfige Bergungstrupp seines Amtes.

„Neue Handschuhe“, sagt Balleyer. Denn die Gefahrstoffzug-Leute haben gerade das tote Tier angefasst und es zusammen in die grüne Plastikwanne gelegt. Damit das Virus sich nicht durch Unachtsamkeit auf Gegenstände überträgt und ausbreitet (obwohl diese nachher desinfiziert werden), müssen ständig die Handschuhe gewechselt und nach Gebrauch in einen Müllsack entsorgt werden. Sicher ist sicher.

Denn keiner will, dass sich ASP auch in der Region ausbreitet. Bei der Übung im Wald ganz nahe zur Grenze nach Luxemburg geht es daher hoch konzentriert zu. Jeder Handgriff soll im Ernstfall sitzen. Und so wird nur das Notwendigste gesprochen, während die drei Männer in weißen Anzügen das tote Wildschwein und die Müllsäcke auf den Jeep laden, mit einer Plane zudecken und durch den Wald zurück zur Straße fahren.

Dort warten weitere Mitarbeiter von THW und Feuerwehr auf den Bergungstrupp. Das Wildschwein wird in eine Tonne verfrachtet, die im Errnstfall ans Landesuntersuchungsamt oder (wenn der Befund schon klar ist) an die Tierkörperbeseitigungsanstalt geht. Dann wird’s nass. Ein Helfer desinfiziert mit einer Spritze, aus der ein weißer Schaum dringt, das Fahrzeug und das Bergungstrio.

Ein beißender Geruch zieht herüber zu den Beobachtern, die sich vermehrt haben. Denn die etwa 50 Leute vom Suchtrupp, der zwei Quadranten von 650 mal 150 Metern Breite abgesucht und dabei einen Tierdummy gefunden hat, erregt Aufsehen. Mit dabei sind Leute von Feuerwehr, Polizei, DRK und aus der Jägerschaft. Mit Hilfe einer von der Kreisverwaltung und einer IT-Firma  entwickelten App, die bisher einmalig in Deutschland ist, können Helfer sehen, wo es bereits abgesuchte Gebiete gibt oder welche Auflagen dort herrschen (zum Beispiel Wasserschutz) und gefundene Tiere mit Koordinaten ins Krisenzentrum melden.

Die beiden Suchbereiche sind nicht zufällig gewählt. Sie befänden sich in einer Vier-Kilometer-Kernzone um das Wildschwein, die gezogen würde, wenn sich herausstellen würde, dass das Tier den Erreger tatsächlich trägt. In diesem Bereich würden Auflagen gelten: zum Beispiel Jagdverbote, eine Bestandsreduzierung und eine rigorose Überwachung, damit sich das Virus nicht weiter in die weiter gefassten Zonen im 15- und 30-Kilometer-Radius um den Fundort ausbreitet. „Im Grunde müsste dann die gesamte Kernzone mehrmals auf tote, infizierte Tiere abgesucht werden“, sagt Rudolf Heck. Das sei „eine große Herausforderung“.

Nicht nur deshalb hofft er, dass der Ernstfall nicht eintritt. Denn beim Ausbruch von ASP im landwirtschaftlich stark geprägten Eifelkreis wären auch die Bauern betroffen: durch mögliche Transport- und Handelsverbote, Kontrollen – und, wenn sich ein Verdacht im Hausschweinbestand bestätigen würde, durch Tötung der Tiere. Um die Lage im Griff zu behalten, wie es die Tschechen seit einigen Jahren in einer gut kontrollierten Kernzone tun, dient auch dieser Tag im Wald, der nur ein Teil der zweitägigen Übung ist.

 Denn im Katastrophenschutzzentrum in Bitburg werden die Strippen gezogen für solche Einzelmaßnahmen – von den Verantwortlichen der vier Kreise. Die sich freuen würden, wenn es bei dem tiefgefrorenem Wildschwein bleibt, das „nur“ zu Übungszwecken ausgelegt wurde.