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Zwischen Hahn, Prüm und Schloss Lieser: Was Elon Musk in der Region tut

Tesla-Gründer : Zwischen Hahn, Prüm und Schloss Lieser: Was Elon Musk (wohl) in der Region macht

Multimilliardär Elon Musk wird von seinen Anhängern gefeiert wie ein Superstar. Jetzt ist der Tech-Star plötzlich zu Gast in der Region – und fast unbemerkt.

Wer wissen will, wo sich der milliardenschwere, umtriebige Unternehmer Elon Musk gerade aufhält, schaut am besten mal ins Internet. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter hat der vom Chef des Elektroautoproduzenten für seine Reisen um die Welt meist genutzte Privatjet einen eigenen Account. Unter Elon Musk & SpaceX‘s Jet ist auf einer Karte zu sehen, wo Überflieger Musk gerade gelandet ist. Am Montagabend landete der Gulfstream-Jet mit der Kennung N628TS von Doncaster in England kommend auf dem Hunsrück-Flughafen Hahn, wie eifrige Musk-Fans in den entsprechenden Internetseiten auch sogleich registrierten.

„He‘ll probably visit Prüm, where Tesla Grohmann Automation is located“ – „Wahrscheinlich besucht er Prüm, wo die Tesla-Tochter Grohmann sitzt“, twitterte ein Beobachter im Netz. Fakt an dieser Aussage ist, dass es in Prüm tatsächlich ein Unternehmen gibt, das Elon Musk gehört. Vor vier Jahren  übernahm Tesla den Eifeler Maschinenbauer mit mittlerweile über 1000 Mitarbeitern.  Das Geschäft scheint zu florieren. „Bestelleingang auf Rekordniveau“, „Auftragsbestand erheblich gestiegen“ und „Umsatzwachstum führt zu neuem Spitzenwert“ heißt es im zuletzt veröffentlichten Geschäftsbericht für das Jahr 2018.

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="en" dir="ltr">Heading Frankfurt-Hahn Airport. <a href="https://t.co/1etVDMRs1j">pic.twitter.com/1etVDMRs1j</a></p>&mdash; flybrandenburg (@flybrandenburg) <a href="https://twitter.com/flybrandenburg/status/1300513097065672707?ref_src=twsrc%5Etfw">August 31, 2020</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
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Gut vorstellbar, dass sich Unternehmensboss Elon Musk den erfolgreichen Neuzugang im Firmenportefolion einmal aus nächster Nähe anschauen möchte. Ob der 49-jährige gebürtige Südafrikaner dies in den vergangenen Tagen tatsächlich gemacht hat, ist zumindest offiziell nicht bekannt. Zwar kursierten auch im Internet immer wieder die Gerüchte. Doch Augenzeugen oder Fotos von Musks möglicher Eifelvisite waren am Donnerstag keine aufzutreiben. Womöglich wäre der Zeitplan für einen solchen Abstecher auch zu eng gewesen.

Denn Elon Musk hatte bei seinem Kurzbesuch in Deutschland einen randvollen Terminkalender. Am Dienstag traf sich der Milliardär in Tübingen mit dem Management des Impfstoffherstellers Curevac. Zu Dutzenden standen sich Männer aller Altersklassen vor dem Hauptsitz der Firma die Beine in den Bauch, als Musk am Dienstagabend durch die Tür trat. Die Fans machen Fotos und jubelten dem notdürftig mit einem Halstuch maskierten Unternehmer zu.

Musks Fans sehen in ihm einen – vielleicht sogar den – großen Visionär von heute. Und zumindest in puncto Arbeitseifer ist der Börsenüberflieger tatsächlich eine Ausnahmeerscheinung. Musk häuft Projekte an wie andere Briefmarken. Und bei einem davon ist Curevac – einer breiten deutschen Öffentlichkeit durch seinen Corona-Impfstoffkandidaten bekanntgeworden – mit von der Partie.

Die Tübinger Firma und die in Prüm sitzende Tesla-Tochter Grohmann  kooperieren seit langem bei einem Projekt zur sogenannten mRNA-Technologie, das angesichts der Suche nach einem Corona-Impfstoff mehr denn je in den Blickpunkt gerät. Es geht vereinfacht gesagt um tragbare Fertigungen für die Entwicklung neuer Impfstoffe und Arzneimittel. Spezielle Drucker, die wie kleine Minifabriken funktionieren, sollen Impfstoffkandidaten und andere mRNA-basierte Therapeutika bald vollautomatisch produzieren können. mRNA ist eine Art Botenmolekül, in dem die Bauanleitung zur Herstellung von Proteinen steckt.

Curevac ist längst nicht der einzige Hersteller, der an einem Impfstoff gegen das bisweilen tödliche und wirtschaftlich verheerende Coronavirus arbeitet. Doch die Firma gilt durchaus als ein Hoffnungsträger. Die EU-Kommission hatte sich beispielsweise bereits bis zu 405 Millionen Dosen von einem Impfstoff des Unternehmens gesichert. Klar ist: Wer am schnellsten einen Impfstoff auf den Markt bringen kann, dem winkt das große Geld.

Dass Musk, der Milliardär aus dem fernen Amerika, eigens nach Tübingen reist, überraschte dennoch. Schnell machten Spekulationen die Runde, es sei Größeres im Spiel als ein schlichter Arbeitsbesuch. Ob der Tesla-Chef sich möglicherweise an Curevac beteiligen wolle, wurde gefragt. Oder ob er das deutsche Unternehmen gar übernehmen wolle? Alles Quatsch, sagt ein Curevac-Sprecher später. Bei dem Treffen mit Firmenvertretern sei es nur um das Projekt gegangen. Von einer möglichen Beteiligung Musks an Curevac sei bei der Unterredung dagegen keine Rede gewesen.

Am Mittwoch war der 49-jährige Unternehmer zunächt im brandenburgischen Grünheide, wo Tesla eine neue Firma baut. Ab Juli nächsten Jahres sollen dort rund 500 000 Elektrofahrzeuge im Jahr produziert werden. Möglicherweise ist das Werk in Brandenburg schneller fertig als jenes in Shanghai –Tesla hat die Fabrik dort in elf Monaten hochgezogen.

Dinge, die auch Politiker beeindrucken. Am Mittwochabend traf sich Elon Musk am Rande einer Klausur der Unionsfraktionsspitze zu einem Vier-Augen-Gespräch mit Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Bereitwillig ließ sich Musk bei der Gelegenheit noch neben einem von Grohmann und Cureva gemeinsam entwickelten RNA Printer zur Herstellung von Impfstoff-Kandidaten fotografieren.

Die Pläne, den Printer dort aufzustellen, um die Leistungsfähigkeit der deutschen Unternehmen zu demonstrieren, gab es nach Angaben des Eifeler CDU-Bundestagsabgeordneten Patrick Schnieder schon länger. Schnieder, der die Klausur als Parlamentarischer Geschäftsführer seiner Fraktion mit vorbereitet hatte, wollte damit zeigen, welche innovativen Betriebe es in seinem Bitburg-Prümer Heimatwahlkreis gibt, wie er am Donnerstag im Gespräch mit unserer Zeitung sagte. Dass dann Elon Musk auch noch selbst vorbei schaute, sei so nicht geplant gewesen, sagt Eifelturm Schnieder. „Das hat sich so ergeben.“

Und, ist der US-kanadische Multiunternehmer denn so charismatisch und einnehmend, wie Elon Musk von seinen Anhängern immer beschrieben wird? Er strahle schon etwas aus, meint Schnieder, der auch von der Vielzahl von Musks Ideen beeindruckt ist, sei aber ansonsten „locker und unprätentiös“.

Ob und wann Elon Musk von Berlin aus wieder abgehoben hat, war am Donnerstag unklar. Neue Twitter-Meldungen seines Privatjets gab es zunächst keine. Bleibt noch die Frage, wo der 49-jährige SpaceX-Gründer am Montagabend nach seiner Landung auf dem Hahn genächtigt hat.

Angeblich im Fünf-Sterne-Luxushotel Schloss Lieser an der Mosel – womöglich in der 130 Quadratmeter großen Kaisersuite. Aber auch das ist vorläufig nur ein Gerücht.