Ritter: dicke Panzerung, harte Kerle

Ritter: dicke Panzerung, harte Kerle

Wie das Leben eines Ritters wirklich war und was er so alles tun musste, erklärt euch Lucky.

Ritterturniere sind spannend. Noch heute gibt es Veranstaltungen, bei denen geübte Reiter in Rüstungen gegeneinander antreten. Natürlich nur zum Spaß. Doch um das Jahr 1200 - also im Mittelalter in Europa - gehörten Ritterturniere und bewaffnete Reiter zum Alltag dazu. "Turniere waren sehr wichtig", erklärt der Mittelalter-Experte Jan Keupp aus München. "Da konnte man richtig Geld machen, und man konnte Ruhm erringen."

Die Preise für den Sieger waren allerdings oft nicht so wertvoll. "Das war zum Beispiel ein Fisch oder ein Helm", sagt Keupp. Doch der Gewinner durfte nach dem Turnier Rüstung und Pferd der unterlegenen Ritter behalten. Und das lohnte sich: Beides zusammen war ungefähr so viel wert wie 45 Kühe. Außerdem konnten die Ritter so für die nächste Schlacht trainieren - ohne die großen Gefahren des Krieges.

Der Kampf auf dem Schlachtfeld war damals heftig: Mit Lanzen, Schwertern und anderen gefährlichen Gerätschaften gingen die Kämpfer aufeinander los. Manche starben auch aus einem ganz anderen Grund: vor Hitze. Denkt nur mal, wie heiß es in einem Auto wird, das in der Sonne steht. Ähnlich ging es den Rittern in ihrer Metallrüstung, nur dass sie da nicht einfach raus konnten. Schwer war die Rüstung, um die 20 bis 30 Kilo. Ziemlich unbeweglich waren sie darin auch. Konnten die in der engen "Blechbüchse" überhaupt gut kämpfen? Der heutige Hobbyritter Maximilian Powik erklärt die Vorteile des Metallpanzers: "Damit sind wir geschützter, wir können Schläge viel leichter abwehren." Beim Kampf mussten die Ritter also harte Männer sein.

Ritter benahmen sich auch längst nicht immer wie Ehrenmänner. Viele plünderten auf ihren Feldzügen zum Beispiel Dörfer oder Klöster und hinterließen Verwüstungen.

Bei Hofe und auf der Burg galten andere Regeln, vor allem wenn Frauen dabei waren. Dort mussten edle Ritter Tugenden pflegen: Höflich sein, Armen und Schwachen helfen, Witwen und Waisen unterstützen, mutig und großzügig sein. Der christlichen Kirche dienen und für sie kämpfen.

Und Frauen schöne Augen machen - und manchmal von der Liebe singen. Rumpöbeln war also nicht ritterlich. "So ein Ritter musste sich bei Tisch richtig benehmen können", erklärt Keupp. Beim Essen rülpsen oder ausspucken - damals war das nichts Ungewöhnliches. Doch dass sollte ein Ritter lieber bleiben lassen.

Frauen gab es in dem Job eigentlich nicht - von ganz seltenen Ausnahmen mal abgesehen. Eine von ihnen war Johanna von Orléans, auch bekannt als Jeanne d' Arc. 1429 half sie, als stürmische Ritterin englische Besatzer in ihrem Heimatland Frankreich zu vertreiben - doch ihr Ende war tragisch: Johanna wurde verraten und von den Engländern hingerichtet. In Frankreich ist sie eine Nationalheldin, die Kirche erklärte sie später zur Heiligen. Cordula
Dieckmann/red