Rote Renaissance

Rote Renaissance

TRIER/LUXEMBURG. Wegen mangelnder Baumpflege ist die Zahl der Apfelbäume der Sorte "Roter Trierer Weinapfel" erheblich zurückgegangen. Die Ernte des kleinen Apfels ist sehr beschwerlich. Der frühere Standardapfel für Viez, Schnaps, Saft und Gelee drohte auszusterben. Doch in neuerster Zeit erlebt er eine kleine Renaissance.

Der Rote Trierer Weinapfel ist eine der ältesten Apfelsorten unter den rund 1400 Sorten in Deutschland. Zufällig wurde der Rote Trierer vor rund 120 Jahren von Obstexperten im Trierer Raum entdeckt. Das Äpfelchen wird auch Mostapfel, Roter Holzapfel, Trankapfel oder Christapfel genannt. Der Bruder des Roten Trierers ist der Weiße (Gelbe) Trierer Weinapfel. Ein Ableger des Roten Trierers wurde um 1920 auch in Göppingen gefunden (Hauxapfel nach seinem Entdecker). Früher war der Rote Trierer in West- und Süddeutschland, Luxemburg, Frankreich und Österreich weit verbreitet, vor allem aber in der Trierer Region. Durch die mangelnde Pflege wurden die Bäume anfällig für Krankheiten (Schorf), und der Bestand ging rapide zurück. Heute findet man den Roten Trierer noch in geringer Anzahl im Eifeler Raum bei Bitburg und Wittlich.1250 Bäume seit 1987

Bei der Aktion "Mehr Grün durch Flurbereinigung" der Landesregierung Rheinland-Pfalz wurden auch alte deutsche Obstsorten wie der Rote Trierer neu entdeckt. Gerade der säurebetonte Rote Trierer Weinapfel ist für die Viez- und Apfelweinherstellung von großer Bedeutung. In der Trierer Region wurden seit 1987 etwa 1250 Bäume dieser Sorte gepflanzt. In Bekond, Föhren und Schweich wurden größere Flächen mit dem Roten Trierer bepflanzt. Auch auf dem Markusberg findet man ihn noch. Die schöne rötliche Färbung und das saftige Fruchtfleisch des Roten Trierers verlocken zum Reinbeißen. Aber Jürgen Schmidt, Obstberater beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Mosel, warnt davor: "Der Rote Trierer ist ein reiner Most- und Saftapfel. Wer reinbeißt, dem zieht es die Schuhe aus." Schmidt schätzt den Roten Trierer wegen seiner starken Würze, dem ausgezeichneten Säuregehalt von bis zu 14 Gramm pro Liter und dem hohen Mostgewicht zwischen ungefähr 50 und 60 Grad Öchsle. Ein gut gepflegter Baum des Roten Trierers bringt eine Ernte von 250 bis 300 Kilo. Wegen seiner leichten Beschaffenheit ergeben rund 100 Kilo Roter Trierer 55 bis 65 Liter Viez. Viele Viezhersteller vermischen (verschneiden) den selten gewordenen und wegen seiner geringen Größe schwer zu erntenden Roten Trierer mit anderem Tafelobst wie Golden Delicious, Mehlrose oder Rubinette. Wolfgang Schmitz, Diplom-Gartenbauingenieur beim Bürgerservice Trier, kennt sich mit Obst und auch mit dem Roten Trierer aus. Er erinnert an den verstorbenen Obstexperten der ehemaligen Lehr- und Versuchsanstalt Trier (heute DLR Mosel), Eberhard Klitta, der eine ausgezeichnete Sortenbeschreibung des Roten Trierers und viel für dessen Erhaltung getan habe. Nach Schmitz' Meinung gab es in jüngster Zeit eine kleine Renaissance des Roten Trierers: "Der Weiße Trierer Weinapfel hat noch mehr Charakteristik als der Rote Trierer. Die Ernte des Roten und Weißen Trierers ist wegen der kleinen Früchte aber eine heillose Rafferei."Ein Muss für Puristen

Er weiß aber, dass die echten Tierer Viez-Puristen nur auf den Viez aus dem Trierer Apfel schwören. Schmitz erinnert sich an seine Jugendzeit: "Der Rote Trierer gemischt mit roten Weinbergpfirsichen war ein klasse Gelee."