Scheue Katzen und seltene Orchideen

Scheue Katzen und seltene Orchideen

Tiger oder Gorillas gibt es nicht in unseren Wäldern – dafür aber Fledermäuse, Wildkatzen und Orchideen. Sie sind zwar nicht direkt vom Aussterben bedroht, müssen aber auch geschützt werden.

Stellt euch vor, ihr würdet mit dem Flugzeug einen Rundflug starten. Ihr dreht einige Schleifen über Dörfer und Städte, erkennt Straßen, Flüsse und immer wieder Wälder. Dunkelgrüne Flächen erstrecken sich unter euch. Würde es uns Menschen gar nicht geben, die ganze Gegend wäre ein einziger Urwald, sagt Andrea Kockler. Sie ist Expertin bei einem Naturschutzverein in Trier.

Wälder sind die Heimat der Wildkatze. Sie findet dort Nahrung wie Mäuse oder Kaninchen und hat ansonsten ihre Ruhe. Denn Wildkatzen sind scheue Tiere und Einzelgänger, man kann sie nicht zähmen. Wildkatzen haben dunkle Streifen am Schwanz und ein dunkles, stumpfes Ende. Der Schwanz der Hauskatzen endet eher spitz.

Früher gab es sie in ganz Europa, heute findet man sie nur noch in wenigen Wäldern. Straßen führen hindurch, Menschen wohnen darin. Andrea Kockler sagt, Wildkatzen seien "latent bedroht", weil sie zum Beispiel von Autos überfahren werden oder sie nicht in andere Wälder wandern können. "Außerdem müssen wir die Wälder schützen. Nicht nur wegen der Katze, sondern auch wegen anderer seltener Arten im Wald: ein Pilz namens Ästiger Stachelbart, ein Käfer namens Alpenbock oder ein Vogel namens Halsbandschnäpper", sagt Kockler.

Brauchen wir also mehr Wald, mehr Bäume? Das würden die Orchideen auf einer Wiese in der Nähe von Trier alles andere als lustig finden: Die Wiese der lilafarbenen Pflanzen ist auch die Heimat von seltenen Schmetterlingen und anderen Blättern. Früher grasten hier Schafe. Jetzt übernehmen Naturschützer die Aufgabe, die Wiese immer wieder zu mähen. Denn sonst würden Büsche wachsen - und die Orchideen verdrängen.

Eine ganz andere bedrohte Art ist die Mopsfledermaus. Weil es sie so selten gibt, passen Naturschützer genau auf, dass in der Nähe der kleinen Fledermäuse nicht einfach was drauflos gebaut wird - Start- und Landepisten eines Flughafens zum Beispiel oder riesengroße Windkrafträder. Die können mit ihren Rotoren und der aufgewirbelten Luft für die kleine Fledermaus gefährlich sein.

mc