Schnelles Spiel mit Ball und Keule

Schnelles Spiel mit Ball und Keule

TRIER. In den deutschen Bundesligen Fußball, Basketball und Handball reden derzeit drei Trierer Mannschaften ein Wörtchen mit. Bereits 1995 und 1996 gab es mit den "Trier Cardinals" (Cards) eine Bundesligamannschaft, die mit ihrer Randsportart Baseball sogar zwei Mal "Deutscher Meister" wurden.

Mit den beiden Meistertiteln gaben sich die Cardinals 1995 und 1996 aber nicht zufrieden. Die Mannschaft war zudem in beiden Jahren Pokalsieger des Landesverbandes Rheinland-Pfalz/Saarland und stellte sogar fünf Nationalspieler. Die Meister kamen aber schon ein Jahr später zur Erkenntnis: "Sport in den Spitzenligen ist teuer; das trifft für Baseball genauso zu wie für alle anderen Sportarten." Kassenwart Peter Kordel und Vorsitzender Frank Barthel sind sich einig: "Die Einnahmen der Cards entsprachen nicht dem nötigen Bedarf zur Finanzierung der Spiele und der Kosten für die Reisen in der ersten Bundesliga." Sponsoren zu gewinnen, sei schwierig. Der 1998 neu gewählte Vorstand verfolgt eine konsequente Sparpolitik, die den freiwilligen Rückzug aus der Bundesliga in die Verbandsliga zur Folge hatte. Hier wurden die Cards, die damals keine bezahlten Spieler mehr verpflichteten, souverän Meister und stiegen in die Regionalliga auf. Inzwischen waren eine Jugendmannschaft und eine Mixed-Softballmannschaft gegründet worden, die in den Folgejahren immer wieder an die Tür des Baseballoberhauses anklopften. Begonnen hatte das Spiel mit der Keule und dem Ball 1989 auf den Wiesen vor den Kaiserthermen. 1990 entschlossen sich dann zwölf Spieler, die Herausforderung mit anderen rheinland-pfälzischen Mannschaften in der neu gegründeten Landesliga aufzunehmen. Für die Spieler galt damals wie heute: "Baseball ist eine Symphonie aus Intelligenz, geballter Kraft, Präzision und Geschwindigkeit." Vorsitzender Barthel: "Du musst den Ball, der einen Umfang von nur 23 Zentimetern hat, mit dem sieben Zentimeter dicken Schläger treffen. Der Ball ist in unseren Klassen etwa 80 Stundenkilometer schnell und hat auch noch Effet." Der Spieler selbst müsse aber auch in der Lage sein, seinem Mannschaftskameraden an der "Homeplate" einen Ball über fünfzig Meter in den Handschuh zu werfen. Zusätzlich müsse der Spieler blitzschnell die richtige Entscheidung treffen.Nachwuchsspieler gesucht

Als der heutige Kassenwart Peter Kordel mehr durch Zufall zur Einweihung des neuen Baseballfeldes "Römerfeld" nach Euren kam, war er von diesem Spiel fasziniert. "In einer beispielhaften Gesamtleitung und bedingt durch den trockenen Winterausklang hatten die Vereinsmitglieder damals die Baseballanlage mit ihren internationalen Maßen in drei Monaten fertig gestellt", erzählt er. Vom Spiel war er begeistert und kaufte sich umgehend ein umfassendes Regelwerk. Heute trainiert und spielt er in der Freizeitmannschaft des Vereins. Kordel: "Überall sind solche Mannschaften gewachsen und haben sich zu einer ernst zu nehmenden Liga formiert." Für dieses Spiel muss ein Interessierter sich finanziell nicht verausgaben. Neuanschaffungen sind nicht notwendig, denn jeder hat ein paar Turnschuhe, eine Jogginghose, und eine Baseballmütze ist auch in jedem Haushalt vorhanden. Barthel: "Den wichtigen Rest, nämlich den Schläger, einen Ball und die Handschuhe, können Neumitglieder vorerst vom Verein haben, um zu trainieren und zu spielen." Jugendarbeit hat inzwischen Priorität, erzählen die Verantwortlichen. In den letzten Jahren sei dies etwas vernachlässigt worden, deshalb gelte es, in diesem Bereich unbedingt mehr zu tun. Dabei will sich der Verein nicht nur auf die Mund-zu-Mund-Propaganda verlassen. Um junge Mitglieder zu gewinnen, veranstaltet er Sommerferienlager und bietet Schnuppernachmittage an. Außerdem bestehen inzwischen auch erfolgreiche Kontakte zur Universität. "Die Baseballregeln", so Frank Barthel, "sind nicht sagenumwoben." Einen grundsätzlichen Einblick gewähren die Cardinals auf ihrer Homepage ( www.trier-cardinals.de) mit dem viel sagenden Titel "Das erste Mal".

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