Sein erster Auftritt bei den Lackspitzen kostete viel Bier

Sein erster Auftritt bei den Lackspitzen kostete viel Bier

Dilldapp Franz-Josef Decker wird heute das letzte Mal auf der Bühne zu sehen sein. Dann spricht er noch einmal den Prolog.

Morbach Ein Urgestein der Morbacher Fastnacht verabschiedet sich von seiner aktiven Laufbahn. Der 77-Jährige Franz-Josef Decker, genannt Kupper, wird an diesem Samstag bei der zweiten Kappensitzung bei seinem letzten Auftritt auf der Bühne der Baldenauhalle den Prolog sprechen. Fünf mal elf Jahre ist er dann aktiv gewesen bei den Morbacher Fastnachtern.
Fällt ihm der Abschied aus der Bütt schwer? "Eigentlich nicht", sagt er. Mit 77 Jahren tue ihm das nicht mehr weh. "Ich habe oft genug in der Bütt gestanden und viele Sachen gemacht", sagt er. Zu seinen Paraderollen gehörten die Auftritte mit "Bello" Schieber als Waltraud und Mariechen, mit Schwiegersohn "Jockel" Lieser als Hannes und der Bürgermeister sowie die Jahre bei den Allemollis, der Gesangstruppe der Morbacher Dilldappen. Kuppers Ehefrau Gisela ist als Näherin bei den Dilldappen in den vergangenen Jahrzehnten unverzichtbar gewesen. Auch Tochter Gaby war lange bei den Funken aktiv. Neun Jahre leitete Kupper die Geschicke der Morbacher Funken. Anfang der 1990er Jahre bestand die Tanzgruppe wenige Wochen vor den Kappensitzungen aus nur drei Mitgliedern. Der engagierte Dilldapp schaffte es, tanzbegeisterte Mädchen zu finden und in kürzester Zeit bei den Funken zu integrieren, so dass diese mit zwölf Tänzerinnen auftreten konnten.
Mit 22 Jahren war Kupper erstmals bei den Morbacher Dilldappen, den damaligen "Lackspitzen", so genannt wegen der fein geputzten Schuhe, aufgetreten. Damals war die Kappensitzung eine Veranstaltung der "Oberen Zehntausend" von Morbach.
Die Elferräte trugen schwarze Jacketts mit Goldrevers, Abendkleidung war für den Einlass im Saal Später Voraussetzung, erinnert sich Kupper. Angekündigt wurde er vom Sitzungspräsident mit den Worten "Draußen steht ein kleiner Junge, wollen wir den reinlassen?" Dem Auftritt vorausgegangen war ein Abend, der die Fastnachter viel Geld kostete. Denn Kupper gehörte zur Feuerwehr, die damals zu den Dilldappen ein gespanntes Verhältnis hatte. Johann Eibes, damals Kassierer der Dilldappen, begab sich zu den Feuerwehrleuten in eine Gaststätte. "Der musste damals viel Bier bezahlen, damit ich bei der Kappensitzung auftreten durfte", sagt Kupper. Eins ist für Kupper klar: "Als Zuschauer bleibe ich den Dilldappen treu, vielleicht ziehe ich zu den Sitzungen dann nochmal die rote Jacke an."

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