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Sherlock Holmes Crimes & Punishments

Sherlock Holmes Crimes & Punishments

Ein Meister seines Fachs: In einem weiteren düsteren Abenteuer geht Sherlock Holmes auf Ermittlungstour. Ob der Titel jedoch für Hobby-Detektive geeignet ist, verrät der Test.

Es ist noch nicht sonderlich lange her, dass ich meine Liebe zum wohl berühmtesten Detektiven der Welt wiederentdeckt habe: Als Jugendlicher fand ich die Romane von Arthur Conan Doyle äußerst spannend - überließ sie aber irgendwann der Vergangenheit. Erst mit Robert Downey Jr.s Verkörperung von Sherlock Holmes in Guy Ritchies Actionspektakel wurde mein Interesse erneut geweckt. Der wunderbare britische Serienableger mit einem genial agierenden Benedict Cumberbatch, sowie die amerikanische Sichtweise in "Elementry", führten dann letztendlich dazu, dass ich kaum genug bekommen konnte von diesem genialen Ermittler aus dem frühen 19. Jahrhundert. Und mit diesen Erkenntnissen konnte ich es kaum erwarten, mich selbst in die Ermittlungen zu stürzen.

Details über Details.

Innerhalb der ersten paar Spielminuten überschlugen sich meine Gedanken und sogen jedes noch so kleine Detail der Spielwelt ein: Die grafische Umsetzung ist den Jungs von Focus Home Interactive äußerst gut gelungen. Besonders bei den Verhören, wenn die Kamera nahe heranzoomt, erkennt man die Detailverliebtheit der Entwickler: Haare, Hautfalten und kleine Narben im Gesicht, lassen die Charaktere glaubwürdig erscheinen.

Schon bevor es zur ersten eigentlichen Ermittlung geht, machen wir Bekanntschaft mit Gehilfe Watson, Officer Lestrade, Haushälterin Miss Hudson und natürlich Sherlock Holmes persönlich. Im Gegensatz zu den zuvor erwähnten Filmen und Serie, orientierten sich die Macher an der Originalvorlage der Romane, was ich dankbar als nette Alternative entgegennehme. Bis auf Holmes halten sich die Nebencharaktere jedoch während des kompletten Spiels bedeckt, was etwas schade ist. Der Meisterdetektiv selbst kommt eher unnahbar rüber, teilweise sogar schon arrogant, aber immer noch genial.

Auf zu den Ermittlungen.

Sechs Fälle erwarten den Spieler innerhalb der nächsten 15 bis 20 Stunden. Auch wenn allesamt nach dem gleichen Schema ablaufen, sind sie spannend inszeniert. In der Haut von Sherlock gilt es also, Beweise zu sammeln. Am besten stopft man sich zunächst alles blindlings in die Taschen, um später wichtige Erkenntnisse daraus zu gewinnen. Ein weiteres Standbein der Ermittlungen sind die Verhöre: Sherlock darf sich die Personen während der Gespräche genau anschauen, um zu neuen Ergebnissen über deren Glaubwürdigkeit zu gelangen. Zwischen den Reisen von Scottland Yard in Sherlocks Zuhause und zu den Tatorten, kommt es immer wieder zu kleinen Mini-Spielchen, die das Geschehen auflockern: Mal muss man sich im Harpunieren beweisen, dann im Armdrücken und später im Entziffern mysteriöser Botschaften - eine nette Idee.

Gehirntraining.

Auch wenn das Sammeln der Beweise und das spätere Kombinieren im Grunde nach einem "Trial and Error"-Verfahren gelöst werden kann, machen die einzelnen Fälle Lust auf mehr. Nach erfolgreich herausgefilterten Resultaten, tun sich in Sherlocks Gehirn Gedanken über einzelne Personen und Umstände auf. Weitere Erkenntnisse im Fall lassen den Spieler Verbindungen zwischen den einzelnen Ideen knüpfen. So ergibt sich im späteren Verlauf ein Profil über den Tathergang und den oder die Täter. Natürlich führen falsch gesetzte Verknüpfungen auch zu falschen Rückschlüssen - ein interessantes System. Sobald der Fall gelöst ist - oder man meint, dass er gelöst ist - geben die Entwickler dem Spieler die Chance, nachzusehen, ob es auch so stimmt. Dabei wird allerdings nicht der richtige Täter genannt, sondern nur markiert, ob die eigenen Vermutungen stimmen: Grün für korrekt, rot für falsch. Wer möchte, darf dann auch gerne wieder seine Schlussfolgerungen überdenken.

Fazit.

Trotz des eher simplen Systems, in dem man wenig falsch machen kann und der längeren Laufwege zwischen den Tatorten, konnte mich Sherlocks Abenteuer die komplette Zeit über gut unterhalten. Erst wenn ein Fall gelöst war, konnte ich gedanklich abschalten, nur um mich später dabei zu ertappen, wie ich bereits an den nächsten Fall dachte - wenn das mal kein dickes Kompliment ist. Grafisch macht der Titel von Focus einen sehr guten Eindruck und bezaubert mit vielen Details - gerade bei den Personen. Spielerisch richtet sich "Crimes & Punishments" wohl an eine Zielgruppe, die eher gelegentlich zum Gamepad greift. Denn das Sammeln von Hinweisen und spätere Auswerten kann durch wildes Herumprobieren gelöst werden - was ein echter Hobby-Detektiv natürlich nie machen würde. Für mich gilt: Wer Sherlock Holmes und das Lösen mysteriöser Mordfälle generell mag, sollte sich diesen Titel nicht entgehen lassen.

Matthias Probst

Genre: Adventure, Rätsel

Für: PS 4, Xbox One, PS 3, Xbox 360, PC // Entwickler: Focus Home Interactive / Frogwares // Publisher: Focus Home Interactive / Koch Media // Spieler: 1 // Online: nein // USK: Ab 16 Jahren // Internet: sherlockholmes-thegame.com