Singende Landratten

Singende Landratten

TRIER. Sie setzen keine Segel und lichten keine Anker – und dennoch singen sie davon. So weit weg von der viel besungenen Küste ist der "Shanty-Chor" Trier für heimische Binnenland-Gefilde eine absolute Ausnahme.

"Seemann, lass' das Träumen, denk' nicht an Zuhaus. Seemann, Wind und Wellen rufen dich hinaus. Deine Heimat ist das Meer, deine Freunde sind die Sterne, über Rio und Shanghai, über Bali und Hawaii." Um so ein Lied voller Sehnsucht und Ferne stimmungsvoll zu interpretieren, müssen die Sänger keine waschechten Matrosen sein. Auch befindet sich ihre Heimat nicht in einer der besungenen Hafenstädte, sondern vielleicht nur ein paar Straßenzüge weiter, im Haus um die Ecke. Dennoch gelingt es dem Shanty-Chor Trier, dem nur "Landratten" als Sänger angehören, seine Zuhörer mit auf die weite Reise über die Weltmeere zu nehmen. Wenn ein Sangesbruder die Welt gesehen hat, dann auf einer privaten Urlaubsreise und nicht als angeheuerter Matrose, der spät abends hundemüde vom Schuften in seine Koje fällt.Lieder aus dem Seemannsleben

Aber genau davon handeln größtenteils ihre Lieder, denn "Shantys" beschreiben meist ein hartes Seemannsleben: Zupacken statt seine Gedanken schweifen zu lassen. Zum umfangreichen Repertoire der Truppe gehören aber nicht nur schwermütige Seemannslieder, sondern auch fröhliche und maritime Liebeslieder. In der heutigen Formation sind die Sänger seit knapp zwei Jahren zusammen. Man verstehe sich prächtig, "weil alle mit den Shantys eine gemeinsame Liebe haben", unterstreicht Vorsitzender Bruno Müller, der seit über zehn Jahren im Amt ist. Die Wurzeln des Chors reichen zurück bis zum 1986 gegründeten Männerchor des Wasser- und Schifffahrtsamtes Trier. Zu dem Amt pflege man nach wie vor guten Kontakt. Erst vorige Woche wurde eine Schiffstaufe vom Chor musikalisch gestaltet. Außerdem stellte bis vor Kurzem die Behörde den Proberaum zur Verfügung. Nun wechselte der Chor von der Trierer Diedenhofer Straße nach Schweich, wo man bessere räumliche Bedingungen vorgefunden habe, erzählt Müller. Momentan werde mehr geprobt als sonst, denn im Frühjahr will sich der Chor mit einem Themenabend seinem Publikum präsentieren. Auch für Gastauftritte ist der Shanty-Chor offen. Sein dreistimmiger Chorgesang kann eine willkommene Abwechslung bei einem Konzertabend sein. Aber auch nicht-maritime Liebeslieder hat Chorleiter Heiko Hansjosten eingeübt. Wer im Chor mitmachen möchte, müsse nicht über eine "große Vorbildung" verfügen. Die Liebe zum Gesang reiche völlig aus, betont Hansjosten. Unlängst verstärkten sich die Shanty-Sänger mit dem Akkordeon-Spieler Günther Mannebach aus Salmtal.Gitarrist und Schlagzeuger gesucht

Um das Shanty-Chor-Glück vollkommen zu machen, fehlen nur noch ein Gitarrist und ein Schlagzeuger. Wenn dann auch noch ein paar Sänger hinzustießen, wäre wirklich alles klar beim Trierer Shanty-Chor. "Unsere Proben einmal die Woche bringen keinen um", sagt Bruno Müller schmunzelnd.