Sniper Elite III

Im Verborgenen, tödlich und immer auf dem Sprung – ein Leben als Scharfschütze kann ganz schön aufregend sein, wenn man manchen Spielen glauben darf. Mag das auch alles nur Fiktion sein, kann ich mich gerne darauf einlassen – besonders, wenn es so unterhaltsam präsentiert wird, wie in diesem Fall.

Ein erster Blick auf die Beschreibung zu "Sniper Elite III" lässt viele Spieler mit den Augen rollen: Wir schreiben das Jahr 1942 - na toll! Schon wieder der Zweite Weltkrieg … Aber ein zweiter Blick lässt alles in einem neuen Licht erstrahlen: Nordsarika. Wenn das mal kein interessantes Setting für einen Ausflug mit dem Scharfschützengewehr ist, dann weiß ich auch nicht.

Gute Erinnerungen

Unweigerlich muss ich nach den ersten paar Minuten im Spiel an meine Erfahrungen mit "Far Cry 3" zurückdenken - fragt mich bitte nicht, warum. Aber wie habe ich es geliebt, dort zu campen, die Basis auszuspionieren und die Gegner nach und nach auf unterschiedliche Weise wegzupusten. Diese euphorischen Momente erweckt "Sniper Elite III" nun wieder in mir - ein großes Kompliment. Damit hatte ich nun ehrlich so nicht gerechnet, da ich den Vorgänger und andere Sniper-Spiele eher als träges Vergnügen in Erinnerung hatte. Kurzum: Ich mag diesen Titel sehr. Warum das so ist, versuche ich euch im folgenden Text zu verdeutlichen.

Die Xbox One Version kommt mit einer äußerst schicken Optik daher. Hier kann man deutlich erkennen, dass wir uns auf einer der Next-Gen- beziehungsweise Current-Gen-Konsolen befinden. Da habe ich schon ganz andere Erfahrungen machen müssen - Stichwort: "The Dark Spark". Doch wenn das gleißende Sonnenlicht die Wüstenregion in satte Farben taucht, steigt die Motivation, sich ins Getümmel zu stürzen. Es gibt da aber noch ein Feature hinsichtlich der Grafik und technischen Leistung des Spiels zu erwähnen, das aus meiner Sicht Fluch und Segen gleichermaßen ist: die Kill-Cam.

Polarisierend

Habt ihr gut gezielt, wird euer Schuss von einer speziellen Kamerafahrt begleitet, wie ihr sie vielleicht schon aus anderen Spielen kennen könnt. Was ich allerdings so noch nicht gesehen habe, ist das Auftreffen des Projektils auf dem Ziel. Denn kurz bevor die Kugel in den Feind einschlägt, wird dieser optisch von seiner äußeren Fassade befreit und gibt sein Inneres per Röntgenblick frei - Mortal Kombat lässt grüßen. Den Weg des Projektils könnt ihr nun en Detail verfolgen: Knochen splittern, Innereien zerbersten und etwas Blut spritzt. Anschließend bekommt ihr eine genaue Auflistung, welches Organ ihr getroffen habt und wie viele Erfahrungspunkte euch dafür winken. Ja, hier wird die Gewalt zelebriert, was wieder einmal die Moral- und Sittenwächter aufs Programm ruft. Aber als Spieler ruft es ein eigentümlich befriedigendes Gefühl des Erfolgs hervor - zumindest bei einigen spektakulären Schüssen. Wir reden hier immerhin von einem Spiel und blenden die Realität mal für einen kleinen Moment aus.

Auf der anderen Seite ist das Gezeigte in diesem Fall fast schon zu brutal - und kommt für meinen Geschmack zu oft vor. Bei einigen Missionen, in denen ihr beispielsweise Begleitschutz gebt und dutzende von Feinden über den Jordan schickt, kann die Kamerafahrt sogar dermaßen nerven, dass man nach einem Schalter suchte, um sie zu deaktivieren. Und siehe da: Es gibt tatsächlich einen Regler, mit dem man die Häufigkeit der Kill-Cam einstellen kann. Sehr schön.

Was drauf steht, ist auch drin

Spielerisch ist der Titel natürlich Programm: Ihr agiert fast immer im Hintergrund und seid auf euch alleine gestellt, wenn es darum geht, einen Standort zu erkunden und auszudünnen. Die Vorgehensweise ist euch in den sieben, sehr detailliert gestalteten Missionen immer selbst überlassen. Je heimlicher ihr jedoch vorgeht, desto mehr Erfahrungspunkte werden euch zugeschrieben. Gute Sniper nutzen sogar Umgebungsgeräusche wie einen defekten Generator, um die lauten Schüsse aus dem Gewehr zu überdecken - eine gelungene Mechanik, die Rebellion da eingebaut hat. Sollte euer Schuss dennoch mal gehört worden sein, habt ihr die Chance, euren Standort schnellstmöglich zu wechseln. Gelingt euch das in einer bestimmten Zeit, seid ihr im Status "Geist", was bei weiteren Kills zusätzliche XP bringt.

Neben dem serientypischen Scharfschützengewehr, haben euch die Macher noch viele weitere Möglichkeiten mitgeliefert, um die gegnerischen Soldaten über den Jordan zu schicken. Angefangen von einer schallgedämpften Pistole über Stolperfallen bis hin zu Landminen habt ihr eine ansehnliche Auswahl, um kreativ zu werden. Wie wär's beispielsweise damit: Nachdem ihr mit einem Feuerstein eine kleine Glut gelegt habt, die in rund 20 Sekunden zum Feuerchen wird, lockt ihr per Steinwurf einen neugierigen Soldaten heran. Was dieser nicht weiß: Das anstehende Feuer wird ziemlich explosiv mit dem daneben befindlichen Pulverfass reagieren. Ihr seht schon: Schadenfreude wird hier groß geschrieben.

Gedankenspiele

Eine Sache, die man aus zwei Blickwinkeln betrachten kann, ist die künstliche Intelligenz der Feinde: Natürlich ist es völlig absurd, dass ein Soldat nach 30 Sekunden wieder zum Tagesgeschäft übergeht, weil er nichts finden konnte, nachdem sein Kamerad zuvor eindrucksvoll von einer Kugel weggepustet wurde. Aber auf diese Weise dürft ihr euch voll und ganz auf das spielerische Ausdünnen der Basis konzentrieren, ohne zu oft unterbrochen zu werden. Mir hat das wenig ausgemacht …

Wer es eine Nummer härter haben möchte, kann immerhin die Ballistik ändern: Im authentischen Modus wird sowohl die Erdanziehungskraft als auch die Windrichtung mitberechnet - Zielhilfen gibt es dann auch keine. Allerdings würde ich nur Experten diesen Modus empfehlen. Einsteiger und Profis haben also genügend Herausforderungen.

Fazit

Wer auf der Suche nach einem kurzweiligen Actionabenteuer ist, das eher mit gemächlichem Tempo voranschreitet, wird hier fündig. Basen ausspionieren, Feinde markieren und einen kreativen Weg finden, um sie zu eliminieren - Rebellion liefert euch hier genügend Möglichkeiten, um kreativ zu werden. Spaß und Unterhaltung ist damit jedem Hobby-Sniper geboten, der auch sonst bei Shootern gerne mal campen geht.

Genre: Action, Shooter, Strategie
Für: PS4, Xbox One, PS3, Xbox 360, PC // Entwickler: Rebellion // Publisher: 505Games
Spieler: 1 // Online: ja // USK: ab 18 Jahren
Internet: www.rebellion.co.uk/games/sniper-elite-3