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South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe

South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe

Fäkalhumor, politische Inkorrektheiten und derbe Sprüche, die unter die Gürtellinie gehen: Das zweite South Park Spiel bleibt seiner Linie treu – und überzeugt zudem mit einem tollen Rollenspielanteil.

Eine Frage des Geschmacks … oder Geruchs!

Als ich vor drei Jahren zum ersten Mal den "Stab der Wahrheit" - das erste South Park Spiel für die Xbox 360 - gezockt habe, bin ich aus dem Lachen kaum noch herausgekommen: So viele blöde Sprüche und Furzattacken haben ich selten in solch kompensierter Form erlebt. Doch nicht nur der Humor hat mich gleich überzeugt, sondern auch das coole Rollenspielsystem. Bei einem Lizenzspiel wie diesem hätte ich nämlich ehrlich gesagt keinen sonderlichen Tiefgang erwartet - doch South Park hat mich eines Besseren belehrt. Die innovative Variante von rundenbasierten Kämpfen motivierte mich von Anfang bis Ende. Hinzu kamen noch nette Ideen aus den sozialen Medien. Insgesamt kann ich den "Stab der Wahrheit" aber jedem empfehlen, der vor dem Humor von South Park nicht zurückschreckt. Womit wir auch schon beim entscheidenden Punkt wären …

Denn wenn ihr absolut gar nichts mit dem "South Park"-Universum anfangen könnt, dann werdet ihr hier nicht glücklich werden - so gut das Kampfsystem auch sein mag. Alle anderen, die der Idee nur etwas offen gegenüberstehen, sollten unbedingt einen Blick riskieren, da sich meiner Ansicht nach hier eine echte Spieleperle verbirgt - unter einem riesigen Haufen Kot und Pupswolken.

Goldige Aussichten

"Die rektakuläre Zerreißprobe" setzt direkt nach den Ereignissen aus der "Stab der Wahrheit" an. Vorwissen ist zwar nicht nötig, dennoch rate ich euch dazu den ersten Teil gespielt zu haben - zumal es echt spaßig ist. Alle, die sich die "Gold Edition" zulegen, bekommen nicht nur "Die rektakuläre Zerreißprobe", sondern auch speziell für die neuen Konsolen angepasste Version vom "Stab der Wahrheit" - das Paket lohnt sich. Außerdem beinhaltet die "Gold Edition" sämtliche DLCs, die Ubisoft im Laufe der nächsten Monate auf den Markt schmeißt. Überlegt es euch! Viel falsch machen könnt ihr jedenfalls nicht.

Wer den Vorgänger kennt, wird sich auch hier direkt wieder wohlfühlen - spätestens, wenn ihr nach dem kurzen Intro ins Badezimmer rennt, euch auf die Toilette setzt und einen Haufen ins Klo plumpsen lasst, den ihr selbstverständlich aufhebt und ins Inventar wandern lasst. Anstatt wie irre auf einen Knopf zu hämmern, wurde dieses Mini-Spielchen aufgepeppt und verlangt je nach Schwierigkeitsgrad mehr Geschick von euch.

Politisch völlig daneben

Apropos Schwierigkeitsgrad: Gleich zu Beginn erstellt ihr euren eigenen Charakter, bei dem ihr tunlichst auf die Hautfarbe achten solltet. Denn diese gibt vor, wie schwierig das Spiel letztlich wird. Hellhäutige Kinder haben es deutlich einfacher als dunkelhäutige - wie gesagt: Die Art von Humor muss man mögen. Aus politischer Sicht ist diese nämlich immer ordentlich daneben. Diesmal dreht sich alles um Superhelden - Fantasy-Charaktere sind von gestern. Als angehender Superheld müsst ihr bei Cartman alis "The Coon" aber erst eure Qualitäten unter Beweis stellen. Anschließend dürft ihr aus drei Fähigkeitsbäumen auswählen, welche Richtung ihr einschlagen wollt. Aber keine Sorge: Im Verlauf des Spiels könnt ihr dies immer wieder ändern und zudem kombinieren, was für eine ordentliche Langzeitmotivation sorgt.

Bei der Story selbst folgt ihr einem linearen Faden und kommt einer Verschwörung - oder so ähnlich - auf die Spur. Mehr wird nicht verraten: Es wird jedenfalls sehr unterhaltsam. Das Kampfsystem irritierte mich anfangs etwas, da es komplett umgestülpt wurde: Zwar geht es immer noch rundenbasiert gegen mehrere Widersacher, aber diesmal ist auch die Position auf dem Schlachtfeld wichtig, um Attacken auszulösen. Nach drei, vier Kämpfen habe ich mich aber dran gewöhnt und halte es für abermals gelungen - wenngleich mir das alte System ein Stückchen besser gefiel.

Pupsen macht in der Gruppe mehr Spaß

Je weiter ihr voranschreitet, desto mehr Mitstreiter bekommt ihr an eure Seite, von denen ihr bis zu drei ins Gefecht mitnehmen dürft: Dadurch könnt ihr die Kämpfe eurem eigenen Spielstil perfekt anpassen - prima. Für den nötigen Rollenspielanteil sorgen Gegenstände, die euren Powerlevel nach oben treiben: Findet ihr beispielweise einen seltenen Vibrator, einen Spinner oder einen Elektrogürtel, so lassen diese euch kräftigere Schläge austeilen. Selbst könnt ihr mit dem ganzen Kram, den ihr während eurer Touren durch South Park sammelt, auch eigene Gegenstände herstellen. Allerdings war das selten notwendig, wenn ich ehrlich bin - zumindest nicht auf dem normalen Schwierigkeitsgrad (also mit leicht gebräunter Haut).

Einen echten Fortschritt konnte ich im übersichtlichen Missionsmenü feststellen: Auf der Karte habt ihr alle Haupt- und Nebenmissionen im Blick und verpasst dadurch nichts, was mir beim Vorgänger ab und an passiert ist. Auch das Schnellreisesystem erspart euch nach einer Weile den ein oder anderen Fußmarsch - sofern ihr Timmys Reisepunkte entdeckt habt.

Fazit

"Die rektakuläre Zerreißprobe" setzt den Irrsinn weiter, den damals der "Stab der Wahrheit" ins Rollen gebracht hat - das hier ist ganz großes South Park Kino. Ihr seid Teil einer überlangen South Park Folge, die vor wahnsinnigen Ideen nur so strotzt. Eine richtige Evolution in Sachen Gameplay gab es jedoch nicht, was mich persönlich nicht sonderlich stört, da ich den Vorgänger geliebt habe. Das Kampfsystem wurde etwas "verschlimmbessert", ist aber immer noch passabel genug, um euch bei der Stange zu halten. Wenn ihr mal wieder richtig Lust auf schwarzen Humor und Fäkalsprüche habt und dabei ein schönes Rollenspiel erleben wollt, dann führt in diesem Jahr kein Weg an diesem Titel vorbei. Danke Ubisoft!

Erhältlich für: Xbox One, PS 4, PC
Website: ubisoft.com/de-de/game/south-park-fractured-but-whole