Spiel mit dem Klavier

Spiel mit dem Klavier

TRIER. Ein vielstimmiges Bravo und nicht enden wollender Applaus kennzeichneten das Ende des zweiten Konzerts im Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseum in Trier. Auslöser dafür war die 17-jährige Nachwuchskünstlerin Anna Buchberger aus München.

"Es gibt ihn noch, den talentierten musikalischen Nachwuchs aus Deutschland. Heute werden sie es erleben." Mit diesen Worten begrüßte Professor Wolfgang Manz, künstlerischer Leiter der Kammerkonzerte im Bischöflichen Diözesanmuseum die Konzertbesucher. Ob es, wie die Aussage impliziert, wirklich so schlecht um den deutschen Nachwuchs in der klassischen Musik bestellt ist, sei dahin gestellt. Dass aber mit der Münchener Anna Buchberger ein außergewöhnliches Talent in der Trierer Windstrasse auftrat, kann man nicht bestreiten. 17 Jahre jung, Schülerin des Luisengymnasiums in der bayerischen Metropole und gleichzeitig Studentin an der Münchener Hochschule. Ihre - bei diesem Alter ja eigentlich noch recht kurze - Vita liest sich geradezu atemberaubend. Nicht weniger als vier Mal wurde sie in Folge beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Und gleich sechsmal ging es ihr so beim Steinway Klavierwettbewerb des Hauses "Karl Lang" in München.Auf ganzer Linie überzeugend

Als diese junge Dame ihr Recital mit der "Rhapsodie Espagnole" von Franz Liszt beendet hatte, brach im Publikum ein vielstimmiges Bravo aus, und der Applaus wollte einfach nicht enden. Den Dank von Manz wies Buchberger in überzeugender Bescheidenheit mit der Bemerkung "Ich habe zu danken, dass ich hier spielen durfte" zurück. Nun mag man versucht sein, den Publikumsjubel durch die beeindruckende Virtuosität der jungen Künstlerin bei Liszt zu relativieren. Tatsache aber ist, dass sie auch bei den vorhergehenden Werken auf ganzer Linie überzeugen konnte. Schon der Anfang des Abends machte staunen. Wolfgang Amadeus Mozarts D-Dur Sonate, KV 311, stand auf dem Programm und kam mit einer Leichtigkeit daher, wie man sie selten erlebt. Buchberger spielte nicht auf dem Klavier, sie spielte mit dem Klavier. Wenn man ihr Gesicht beobachten konnte, sah man, dass sie sich an ihrem eigenen Spiel erfreute. Minimalster Pedaleinsatz zeichnete neben einem erstaunlichen Anschlag ihr Spiel aus. Häufiger musste man sich an diesem Abend in Erinnerung rufen, wie jung diese Musikerin noch ist. So, als sie Franz Schuberts a-Moll Sonate, D 784, interpretierte. Natürlich noch nicht perfekt, aber mit einer erstaunlichen Reife ging sie dieses Werk an, gestaltete, musizierte. Von ihrer Körperhaltung her schien sie manchmal die Töne zwischen den Tasten hervor locken zu wollen. Ganz in sich versunken saß sie vor dem Flügel. Verspielt interpretierte sie Michail Glinkas Bearbeitung von Mily Balakirevs "l'Alouette" und Liszts Bearbeitung von Alexander Alabieffs Lied "le Rossignoll". Anrührend gestaltete sie die Lisztsche Bearbeitung von Schuberts Ständchen "Leise flehen meine Lieder".Alle Chancen, ein Star zu werden

Für eine Einschätzung, ob aus Buchberger tatsächlich einmal ein Star werden wird, ist es noch zu früh. Sicher aber ist: wenn sie das Potenzial, das sie in Trier präsentieren konnte, weiter entwickelt, hat sie alle Chancen, sich aus der Masse der vielen Pianisten abzuheben. Für die Konzerte im Diözesanmuseum war sie auf jeden Fall ein Höhepunkt, den man so schnell sicher nicht vergessen wird.