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20 Jahre Bundesligazugehörigkeit: Ein Unikat feiert seinen runden Geburtstag

20 Jahre Bundesligazugehörigkeit: Ein Unikat feiert seinen runden Geburtstag

Mehr als 3000 Basketballfans sind im April 1990 in der Halle am Mäusheckerweg gewesen, um mit den Trierer Basketballern den Aufstieg in die 1. Bundesliga zu feiern. Der Verein, der damals noch TV Germania Trier hieß, sollte auch 20 Jahre später noch in der Bundesliga spielen.

Trier. 20 Jahre sind seit dem Aufstieg der Trierer Basketballer vergangen. Dass Trier auch im Jahr 2010 noch Bundesligastandort ist, hätte damals wohl kaum einer erwartet.

Als die "Germanen", wie sie damals genannt wurden, in die erste Liga aufstiegen, bestand der Großteil des Personals aus regionalen Größen. "Wiederholung ausgeschlossen", sagt der damalige Trainer Wolfgang Esser, "eine Generation von Spielern dieser Qualität wird es kaum mehr geben. Zumal sich ja die Ausländerregelungen völlig geändert haben." In der zweiten Liga durfte damals nur ein Ausländer eingesetzt werden - ob Europäer oder nicht, war egal. Bei den Trierern hieß er Dennis Williams. In der ersten Bundesliga waren es auch nur zwei. Das erste Duo nach dem Aufstieg bestand aus dem inzwischen gestorbenen ukrainischen Center Sascha Belostennyi und dem US-Amerikaner Stephen Johnson.

Wegen der strikten Ausländerbeschränkung und der schmalen Breite in der deutschen Spitze wurde händeringend nach eingedeutschten Spielern gesucht. Und meist wurden sie auch gefunden. Was für sie gilt, trifft aber auch auf die Trierer Aufstiegshelden zu. "Wir würden heute kein Bein mehr auf den Boden kriegen", sagt Patrick Börder, damals der Spielmacher der Moselaner, "die Parameter sind völlig anders. Vor allem die Athletik und Dynamik haben sich potenziert." Rainer Loch, ehemaliger Weggefährte Börders, sieht das genauso: "Das Spiel ist so athletisch und schnell geworden, es wird mindestens doppelt so viel trainiert, da erübrigt sich ein Vergleich." Loch war im Aufstiegsjahr der beste Dreierschütze der Liga - glaubt man Wolfgang Esser, wäre er heute kein Faktor, "weil fast jeder seiner Würfe geblockt würde".

Trier hat sich nicht nur mit Glück so lange in der Beletage gehalten. Der Verein hat auch Duftmarken gesetzt, die über die Zugehörigkeit zur Liga hinaus Bestand haben werden. Mit Belostennyi und dem Russen Sergej Babkov spielten zwei Weltstars an der Mosel. Die Amerikaner Carl Brown und Bernard Thompson zählten zu den Besten, die je in der BBL spielten. Das Duett führte Trier auch zu den größten Erfolgen der Vereinsgeschichte, den beiden Pokalsiegen 1998 und 2001. Da war der Markt längst für Spieler aller Nationen offen - das Bosmann-Urteil hatte alle Beschränkungen gekippt.

Trier ist inzwischen hinter Gießen (1966 Gründungsmitglied), Düsseldorf/Leverkusen, Berlin und Bamberg am längsten ununterbrochen in der höchsten deutschen Basketball-Spielklasse vertreten. Der Verein heißt jetzt anders, gespielt wird in der Arena und nicht mehr am Mäusheckerweg. Was geblieben ist, ist die Begeisterung der Trierer für diesen Sport, der sich in den zwei Dekaden so rasant entwickelt hat. Wolfgang Esser ist inzwischen Geschäftsführer der Arena und Henrik Rödl, der 1987 für den EOSC Offenbach gegen Trier um den Titel in der zweiten Liga kämpfte, ist Trainer der TBB. So schließt sich der Kreis.

Hintergrund

Die Regeländerungen: In den vergangenen 20 Jahren hat sich das Regelwerk des Basketballs stark verändert. Sowohl was die Bestimmungen für den Einsatz von Spielern (Ausländerregelung, Sonderregelung für U-23-Spieler), als auch was die Spielregeln angeht. Eine der einschneidendsten Reformen - wie die meisten angenähert oder angeglichen an die Bestimmungen der NBA - waren die veränderten Sekundenregeln, weil sie das Spiel total veränderten. Bis 2001 hatten die Teams 30 Sekunden Zeit, um einen Angriff abzuschließen, und zwölf Sekunden, um den Ball in die gegnerische Hälfte zu befördern. Ab der Saison 2002/03 waren es nur noch 24 respektive acht. Eine interessante Variante der Bestrafung von Fouls ist leider längst Geschichte. In den letzten drei Minuten eines Spiels wurde jedes Foul mit Freiwürfen geahndet. Der Gegner konnte aber, sofern das Foul nicht bei einem Wurf erfolgte, wählen zwischen Einwurf an der Seite, was Zeitgewinn bedeutete, oder Eins-und-Eins-Freiwürfe. Ging der Erste in den Korb, gab es einen Zweiten. Verfehlte der erste Wurf das Ziel, war die Bestrafung abgegolten und die andere Mannschaft hatte Einwurf an der Grundlinie. Heute gibt es grundsätzlich bei Fouls zwei Freiwürfe, wenn die Mannschaftsgrenze von fünf Fouls überschritten ist.