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Basketball: Gladiator Rupert Hennen im Porträt - Samstagabend Heimspiel gegen Dresden Titans

Ein Trierer mitten in seiner Heimatstadt: Rupert Hennen am Hauptmarkt. Das 19-jährige Nachwuchstalent wird immer wichtiger im Gladiators-Kader. TV-Fotos (2): Marek Fritzen (1)/Willy Speicher (1)
Ein Trierer mitten in seiner Heimatstadt: Rupert Hennen am Hauptmarkt. Das 19-jährige Nachwuchstalent wird immer wichtiger im Gladiators-Kader. TV-Fotos (2): Marek Fritzen (1)/Willy Speicher (1) FOTO: (g_sport
Trier. Talentiert, frech, trierisch! Vor dem Spiel der Römerstrom Gladiators Trier gegen Dresden (Samstag, 19 Uhr/Arena Trier) hat sich der TV mit Gladiator Rupert Hennen getroffen und über kalte Duschen, Leistungskurse und Sprints am Neujahrsmorgen gesprochen. Marek Fritzen

Trier. Wirkliche Sorgen um seine Note im Englisch-Leistungskurs muss sich Rupert Hennen nicht machen. Das weiß der 19-Jährige. Denn sollte es wirklich mal eng werden, sollten wirklich mal alle Stricke reißen, dann sind da ja noch Jack Eggleston, Brandon Spearman oder Ryan Nicholas. Einer wird schon helfen, ganz sicher, so wie letztes Jahr, als Tim Weber vorbeikam und Hennen diese Sätze diktierte. Hennen fängt an zu lachen, als er davon erzählt: "Tim hat sich mit mir hingesetzt, mit mir gelernt und die eine oder andere Formulierung verraten, die man gut in Klausuren verwenden kann - das hat mir echt geholfen.” Der US-Amerikaner Weber hat die Gladiatoren inzwischen verlassen, spielt aktuell für Limburg in der Regionalliga. Doch Hennen hat nach wie vor genügend weitere potenzielle Nachhilfelehrer um sich herum: "Ich weiß, dass Jack Eggleston mir auch direkt helfen würde, wenn ich eine Frage hätte.”Abitur im Jahr 2018


Es ist die erste Woche des Jahres. Der gebürtige Trierer sitzt in einem Café seiner Heimatstadt, er hat Schulferien. Vor ihm auf dem Tisch steht ein Glas Orangensaft. Café und Cappuccino, so erzählt er, das liege ihm irgendwie noch nicht. "Kommt vielleicht noch.”
Rupert Hennen ist 19 Jahre alt. Genau wie sein Teamkollege bei den Römerstrom Gladiators Trier, Sebastian Herrera, besucht er das Trierer Max-Planck-Gymnasium. Im Frühjahr 2018 steht das Abitur an. Biologie, Sport und Englisch, das sind seine Leistungskurse. "Die Schule”, sagt der Aufbauspieler mit einem breiten Grinsen im Gesicht, "die geht natürlich vor, die ist das Wichtigste.” Kurze Pause, dann: "Das hier werden sicher einige meiner Lehrer lesen, deswegen will ich das wirklich nochmal betonen.”

Seit eineinhalb Jahren steht der pfeilschnelle Mann mit der Trikotnummer 5 im Zweitliga-Kader der Gladiators, ist dort der Zweitjüngste und spielt gleichzeitig für die zweite Mannschaft in der Regionalliga. Nachdem er in der vergangenen Saison bei den Profis meist nur wenig Spielzeit erhielt, setzt Trainer Marco van den Berg in dieser Spielzeit immer mehr auf ihn. Durchschnittlich kommt Hennen bisher auf knapp acht Minuten. Seinen bisherigen Saisonhöhepunkt erlebte der junge Mann aus dem Stadtteil Heiligkreuz im letzten Spiel vor der Weihnachtspause in Erfurt. Weil Kapitän Simon Schmitz aufgrund einer Grippe in Trier geblieben war, setzte van den Berg auf den jungen Trierer. Hennen nutzte seine Chance, spielte 14 Minuten, verteilte fünf Assists, erzielte fünf Punkte und angelte sich einen Rebound. "Erfurt scheint mir zu liegen", resümiert der Sohn des früheren Managers der Trierer Bundesliga-Basketballer, Martin Hennen, "denn auch im Hinspiel in Trier lief es ganz gut für mich".

Wenn Hennen davon erzählt, wie er dienstags- und donnerstagsmorgens um 6.30 Uhr vor Unterrichtsbeginn mit Seba Herrera und Co-Trainer Christian Held in der MPG-Sporthalle steht, Bälle wirft und danach wegen der eiskalten Duschen in der Sporthalle viel wacher in den Unterricht startet als die anderen Stufenkollegen - wenn er voller Stolz davon berichtet, dass er am Neujahrsmorgen bei Minustemperaturen den Gladiators-Ausdauertest im Wald als Erster abgeschlossen hat - dann wird schnell verständlich, was sein Coach Marco van den Berg mit Adjektiven wie frech, unbekümmert, jugendlich und ehrgeizig meint, wenn er das Spiel seines jungen Aufbauspielers beschreiben soll.
"Rupert hat einen großen Schritt gemacht in den letzten Monaten”, lobt der Gladiators-Trainer. Zwar müsse er in der Defensive noch an sich arbeiten, "offensiv hilft er uns mit seiner frechen Spielweise aber schon enorm weiter".

Hennen weiß, dass er noch an sich arbeiten muss. Er liebt den Basketball, seine Augen glänzen, wenn er von seinen Einsätzen in der ProA erzählt. Momente wie die gegen Erfurt oder gegen Tabellenführer Mitteldeutscher BC im November, als van den Berg in der entscheidenden Phase auf ihn setzte, saugt er auf. "Das gibt mir so viel Antrieb, im Training weiter Gas zu geben.” Dass er es überhaupt so weit geschafft habe, sagt Hennen, habe er seinem TBB-Jugendtrainer Josip Bosnjak zu verdanken. "Die fünf Jahre unter ihm haben mich geprägt”, sagt der frühere NBBL-Spieler.

Die erste Option für die Zeit nach dem Abitur sei eine Karriere im Profi-Basketball. "Ich habe Spaß an dem Sport, warum sollte das dann nicht mein Ziel sein?”, fragt Hennen. Option Nummer zwei sei ein Studium an der Sporthochschule in Köln. "Aber jetzt gilt es erst mal, die Playoffs zu erreichen.” - Und natürlich die eine oder andere Englisch-Klausur zu bestehen.Extra

Heute ist der Tabellenletzte Dresden Titans zu Gast in der Arena Trier (19 Uhr). Die Sachsen haben mit Liam Flynn nicht nur einen neuen Trainer, sondern mit Jeremy Dunbar (früher Phoenix Hagen) und Marqueze Coleman zwei starke Neuverpflichtungen im Kader. Bei den Gladiators fehlt neben Jack Eggleston (Fußbruch) höchstwahrscheinlich auch Ryan Nicholas. Den US-Amerikaner plagen Wadenprobleme. Sein Einsatz entscheidet sich am Samstagmorgen. Zudem hatte Kilian Dietz unter der Woche mit einer Grippe, Thomas Grün mit einer Rippenprellung zu kämpfen. "Doch ich gehe davon aus, dass die beiden spielen werden", sagt Triers Trainer Marco van den Berg. mfr

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