Basketball: Gladiators kämpfen vor leeren Rängen

Trier · Dritter Sieg im vierten Heimspiel, Tabellenplatz fünf – es läuft bei den Gladiators Trier. Trotzdem wollten am vergangenen Samstag nur gut 1300 Zuschauer das Spiel gegen Nürnberg in der Arena Trier sehen. Warum ist das so?

Der Anblick war gespenstisch: Nur 1305 Zuschauer sind am Samstagabend beim 70:62 (28:27)-Heimsieg der Gladiators Trier über rent4office Nürnberg in der Arena Trier dabei gewesen. Tausende Sitzschalen in der 6000 Zuschauer fassenden Halle blieben leer - und das, obwohl die junge Trierer Mannschaft vor dem Spiel bereits zwei von drei Heimauftritten für sich entscheiden konnte und mit Nürnberg zudem ein ambitioniertes Team zu Gast war.

Gladiators-Manager Michael Lang zeigt sich enttäuscht über die magere Kulisse. Zeitgleich stattfindende Halloween-Partys möchte er nicht als Ausrede gelten lassen: "Das macht als Entschuldigung keinen Sinn. Sonst kann man immer eine Ausrede suchen - wer Basketball sehen will, der kommt auch an Halloween in die Arena." Die 1300 Zuschauer vom Samstag, schätzt der 48-Jährige, seien der "harte Kern, der uns immer unterstützt". 500 bis 700 weitere basketball-interessierte in und um Trier würden das Ganze erst einmal aus der Distanz betrachten. "Die warten erst einmal ab und schauen, wie sich der neue Verein entwickelt. Wir werden wirtschaftlich und sportlich solide weiterarbeiten und so versuchen, die Leute von uns zu überzeugen", sagt Lang. Vor Saisonbeginn hatte der Verein 1800 Zuschauer pro Heimspiel als Ziel ausgegeben.

Die junge Trierer Mannschaft belegt nach dem vierten Sieg im siebten Saisonspiel den fünften Platz in der zweiten Liga. Gegen die ambitionierten Nürnberger sind es am Samstagabend besonders die Spieler aus der Region wie Marian Dahlem (Trier), Benedikt Breiling (Trier) oder Kilian Dietz (Bernkastel-Kues), die den Heimsieg perfekt machen. "Wir wachsen als Team immer mehr zusammen", sagt Center Kilian Dietz, der gegen die Franken neun Punkte erzielte. "Wir haben keinen Superstar im Team, bei uns übernehmen alle Spieler Verantwortung. Es ist toll, dass wir auch gegen größere Gegner wie Nürnberg gewinnen können." Auf die leeren Zuschauerränge angesprochen sagt der 24-Jährige: "Das ist schade, aber man muss sehen, dass im Trierer Basketball in der letzten Saison viel falsch gelaufen ist - die Fans haben das Vertrauen verloren." Jetzt gelte es, die Zuschauer durch starke Leistungen wieder zurückzuholen. "Wir werden weiter kämpfen und daran arbeiten, dass die Leute wieder Spaß am Basketball in Trier haben. Dann wäre es toll, wenn bald wieder mehr Zuschauer kommen."

Das nächste Heimspiel der Gladiators findet am Sonntag, 8. November, um 17.30 Uhr gegen den Tabellenzweiten Science City Jena in der Arena Trier statt. Bereits am Freitag (6. November/19.30 Uhr) spielt Trier in Heidelberg.

Meinung

Dieses Team
hat mehr verdient

Von Marek Fritzen
In der vergangenen Saison ist viel kaputt gegangen rund um den Trierer Basketball, die Insolvenz der TBB Trier war ein sportlicher Super-Gau - schlimmer ging's nicht, alles lag am Boden. Mit den Folgen beschäftigen sich jetzt noch die Juristen. Ansonsten gilt: Strich drunter, das Thema ist durch - die TBB Trier ist Geschichte. Was jetzt zählt, sind die Gladiators Trier. Das junge Team von Trainer Marco van den Berg besteht überwiegend aus Spielern aus der Region: Dietz, Dahlem, Breiling, Breu. Anders als in den Vorjahren sind die regionalen Akteure echte Stützen des Teams, tragen die Mannschaft, punkten offensiv, verteidigen bis zum Umfallen. Dazu kommen junge deutsche Talente wie Engel, Smit oder Raffington, die sich mit Stadt und Verein identifizieren. Gemeinsam mit den vier jungen US-Amerikanern Weber, Evans, Anderson und Spearman wollen sie in Trier etwas aufbauen.
Es läuft noch nicht alles glatt. Die jungen Gladiatoren machen Fehler, verlieren auch mal unglücklich. Doch sie kämpfen, treten als Gemeinschaft auf und haben so bereits vier von sieben Saisonspielen gewonnen. Dieses Team hat mehr verdient als 1305 Zuschauer - und das schon beim nächsten Heimspiel gegen Jena am 8. November.

m.fritzen@volksfreund.de

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