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Ben Hur des Trierer Basketballs

Trier. Die Kino-Premiere des Films "Liebe kennt keine Liga - 60 Jahre Basketball in Trier" am Freitag wurde zu einer Zeitreise unter dem Korb. Für die Römerstrom Gladiators ging das Wochenende dann weiter mit der Teampräsentation in Trier und einer klaren Testspiel-Niederlage beim Bundesligisten Ludwigsburg. Jürgen C. Braun

So etwas kommt also dabei raus, wenn ein Moderator und ein Programmierer besessen sind. Von einer Idee. Von einem Spiel. Von einer Stadt. "Ich will gar nicht wissen, wie viele Stunden dabei draufgegangen sind. Das ist letztlich auch nicht ausschlaggebend."

Der persönliche Aufwand war sowohl David Vilter, dem "technischen Hirn" des 150-Minuten-Epos, wie auch Chris Schmidt, der "Stimme der Arena", ziemlich egal. "Der Basketball hat uns beiden viel gegeben. Wir wollten auch etwas zurückgeben. Und wir hatten uns etwas in den Kopf gesetzt."

Es wurde letztendlich ein Mammutwerk daraus. Eines, das 60 Jahre nicht nur als chronologische Abhandlung von Fakten, Daten, Ergebnissen, von wirtschaftlichen Hochs und Tiefs runterrasselt. Sondern eine in Ton und Bild festgehaltene Achterbahnfahrt der Emotionen. Von Trierern, von solchen, die zu Trierern wurden und solchen, die im Schatten der Porta ihre ganz persönlichen Duftnoten hinterlassen haben. Auf Jahre und Jahrzehnte.

Der Film spannt den Stimmungs- und Bilderbogen vom Jahr 1956, als körperliche Ertüchtigung in den (Trierer) Sportvereinen noch im Geiste Turnvater Jahns vollzogen wurde bis hin zu den Gladiators des Jahres 2016. Seinerzeit wurde im TV Germania Trier die erste Basketballabteilung ins Leben gerufen. Mit Horst Barinka war aus den 1970er Jahren, als sich der TVG mit dem Post-SV Trier noch in der Landesliga um die Vorherrschaft unter den Körben der Region stritt, Triers "Mr. Basketball" jener Zeit im Broadway anwesend. Genauso wie Patrick "Paddy" Börder, den unsere Zeitung nach einem Gala-Auftritt mit dem Titel "Magic Börder" adelte. Sie alle und viele, viele weitere Zeitzeugen bilden den leibhaftigen, den greifbaren Rahmen dieses Stücks Trierer Sportgeschichte.

Die ganze, vertrackte, Kärrnerarbeit, die hinter dem so leicht und unterhaltsam wirkenden Projekt steckt, wird an einem Detail deutlich. Der Kontakt zu Sergej Babkow, dem russischen Ausnahmespieler, der einst das Trierer Trikot trug, war die Königsetappe des Gesamtwerkes. "Der spricht trotz seiner Auslandsaufenthalte kein Wort Englisch", erzählte Christ Schmidt. Wie es dennoch gelang, ihn zu befragen? Schmidt klingt selbst heute noch ein wenig ungläubig: "Letztendlich über Skype in Nowosibirsk. Mit einer Dolmetscherin. Wir haben gezittert, dass die Leitung hält."

Vieles aus sechs Jahrzehnten Trierer Basketball ist in diesem auf DVD erhältlichen Ben Hur der Trierer Sportgeschichte zu sehen, zu hören, zu greifen. Etwa das genialste Spiel am Mäusheckerweg, als der unvergessene Charly Brown die scheinbar unschlagbaren Berliner Albatrosse trotz eines 25-Punkte-Rückstandes quasi im Alleingang aus der alten grauen Betonburg schoss.

Ereignisse, Szenen, Reflexionen, die die Runde machten: Unter anderem bei zwei Trierer Oberbürgermeistern. Beim amtierenden, bei Wolfram Leibe. Und beim sportverrückten Helmut Schröer. Mit Gattin Gisela als Dauerkarten-Besitzer immer noch Arena-Gast. "Ein Abend voller Emotionen. Das zeigt, wie wichtig der Sport, der Spitzensport, für unsere Stadt ist." Vieles, was sie kannten, bestaunten, bejubelten, wurde den 100 Gästen im ausverkauften Saal 4 des Broadway geboten. Nur auf eines mussten sie verzichten: "Nein, keinen Flick-Flack mehr. Nie mehr." Kult-Masseur Aggy Mock war nach 30 Jahren nicht mehr zu seiner zur Legende gewordenen akrobatischen Einlage zu bewegen.

Die DVD ist ab sofort online auf www.basketballdvd.de oder direkt bei Sport Simons in Trier erhältlichExtra

Nietzsche-Zitate im Sportteil? Liest man auch nicht jeden Tag. Für Marco van den Berg, Cheftrainer der Römerstrom Gladiators, ist die Vorbereitung auf die neue Zweitliga-Saison frei nach dem Philosophen "die ständige Wiederkehr des immer Gleichen". Das sagt er am Samstagmorgen bei der Teampräsentation im Untergeschoss der Trier Galerie. Van den Berg spricht über den "neuen Weg, neue Perspektiven und neue Ansprüche". Zuvor hatten sich das Team sowie Co-Trainer Christian Held bereits den Gladiators-Fans vorgestellt, im Gespräch mit Pressesprecher Stefan Kölbel. Für das Team ging es am Samstagabend sportlich weiter. Bei der Saisoneröffnungsfeier von Bundesligist MHP Riesen Ludwigsburg standen die Trierer vor 1500 Zuschauern aber auf verlorenem Posten. Die zweite Testspiel-Niederlage fiel beim 64:105 sehr deutlich aus. Für Johannes Joos, Ex-Ludwigsburger, war's ein besonderes Spiel: "In der Rundsporthalle habe ich immer schon in meinen Schulpausen gespielt." AF