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Dann beißt der Tiger zu

Dann beißt der Tiger zu

Über 4000 Zuschauer sahen am Samstagabend eines der dramatischsten TBB-Heimspiele der vergangenen Jahre - mit einem Happy-End für die Gäste Walter Tigers Tübingen: Nach zweimaliger Verlängerung unterlag der Trierer Basketball-Bundesligist mit 100:102 (79:79 nach regulärer Spielzeit, Halbzeit 39:39).

Trier. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel, heißt es. Das sollte im Basketball nicht viel anders sein als im Fußball. Aber dazwischen gibt es Momente der Leere, gleich nach dem Spiel, nach über zwei Stunden Anspannung. So will sich TBB-Trainer Yves Defraigne unmittelbar nach dem Herzschlag-Duell gegen Tübingen gedanklich noch nicht mit dem nächsten Gast in der Arena abgeben. Am Freitag kommt Bamberg. Aber an der Niederlage gegen Tübingen dürften Team und Trainer noch etwas zu knabbern haben. "Ich habe lange gebraucht, bis ich einschlafen konnte", sagte TBB-Manager Lothar Hermeling gestern. Schließlich gab es einige Szenen im Spiel, die man gedanklich noch mal durchgehen kann: Zum Beispiel sieben Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit. Da liegt die TBB mit 79:77 bei eigenem Ballbesitz vorn. Aber ausgerechnet der am Samstag indisponierte Chris Copeland (sieben Punkte, sechs Ballverluste) erhält den Ball, wird gefoult, verwirft beide Freiwürfe - und Tübingen erzwingt 1,4 Sekunden vor Schluss die erste Verlängerung. Fast das gleiche Bild am Ende der ersten Verlängerung: Tyrone Riley verwirft einen Freiwurf, Tübingen gleicht 1,7 Sekunden vor der Schluss-Sirene aus. Knapp zwei Minuten vor Ende der zweiten Verlängerung führt die TBB dann immerhin mit fünf Punkten (99:94).

50 glückliche Tübinger feiern ausgelassen



In der letzten Zehntel-Sekunde des Spiels macht dann der Tübinger Ajene Moye mit einem Korbleger nach einem Offensiv-Rebound der Hochspannung ein Ende. So war es zumindest für die rund 50 ausgelassen feiernden Tübinger Fans ein Abend wie aus dem Basketball-Bilderbuch. Zuvor hatten die 4000 Trierer noch für beste Stimmung auf den Rängen gesorgt. Defraigne nennt drei Faktoren für die bittere Niederlage: Zum einen der geringere Ballbesitz (bei den Rebounds lag Tübingen mit 43:29 deutlich vorn), dann die schwache Freiwurfquote (zehn von 30 Versuchen gingen daneben) und - für Defraigne am gravierendsten: "Wir haben in den entscheidenden Momenten den falschen Spielern den Ball gegeben." Etwa Chris Copeland, zum Saisonbeginn der herausragende Mann bei der TBB, auf den sich Tübingen aber bestens eingestellt hatte. Hinzu kommt noch, dass die TBB schon früh auf Norman Richardson verzichten musste, der sich an der Leiste verletzt hatte (Richardson wird heute untersucht). Lichtblicke gab es auch: So hatte Jamal Shuler viele Freiheiten - und die nutzte er, um auf sich aufmerksam zu machen. Mit 29 Punkten war er der erfolgreichste Schütze der Partie. Unersetzlich ist für die TBB derzeit Aufbauspieler Derek Raivio. So bekommt der 24-Jährige kaum Verschnaufspausen. Gegen Tübingen stand er über 47 Minuten auf dem Parkett, während sein "Backup", Christian Hoffmann, überhaupt nicht zum Einsatz kam. In der SWR-Sendung "Sport am Montag" (ab 18.15 Uhr) gibt es heute ein Porträt über den deutsch-ukrainischen Center Maksym Shtein zu sehen, der vor allem in der Offensive eine gute Partie machte.

TBB: Shuler (29), Raivio (26, fünf Assists), Shtein (16), Gillingham (14), Copeland (7), Richardson (5), Karamatskos (2), Riley (1), nicht eingesetzt: Hoffmann, Goolsby, Zirbes Tübingen: Katic, Haynes (je 21), Anderson (20), Chaney (16), Ratkovica (11), Moye (8), Fountain (3), Williams (2)

Zuschauer: 4075

Viertelstände: 16:23, 39:39 (Halbzeit), 59:58, 79:79.

Verlängerung: 90:90, 100:102 (Endstand)