Das Kreuz und die Kronjuwelen

Das Kreuz und die Kronjuwelen

Familie, Glaube, Körperschmuck: Basketball-Profis vom Bundesligisten TBB Trier erklären im TV die Bedeutung ihrer Tätowierungen.

Trier. Was die anderen sagen? Was sie denken? Was sie vielleicht lästern mögen? Völlig egal. "Only God can judge me", prangt auf Derek Raivios linkem Oberarm. Darunter ein Kreuz aus schwarzer Tinte. Nur Gott allein könne über ihn richten. Das ist ein Glaube - aber auch eine Botschaft. "Ich habe mir die Tätowierung als 18-Jähriger machen lassen, zu Hause in Portland", sagt Raivio. "Sie soll auch zeigen: Es spielt keine Rolle, was diejenigen sagen, die dich nur runterziehen wollen."

Tätowierungen sind immer eine Frage des persönlichen Geschmacks. So haben sich viele, aber längst nicht alle TBB-Spieler, tätowieren lassen. Welche Themen bevorzugt unter die Haut dürfen? Die Familie ist da ganz weit vorn. So wird etwa Tyrone Riley, genannt "Big 50", auch noch in einigen Jahren bestens vor Augen haben, wie seine Tochter aussah, als sie noch ganz klein war: Ihr Konterfei ist auf seinem Oberarm zu sehen.

Kapitän James Gillingham hat als 15-Jähriger zum ersten Mal die Tätowier-Nadel gespürt. Chinesische Schriftzeichen auf dem Oberarm (wie man sie in ähnlicher Form im übrigen auch bei Center Maik Zirbes sehen kann). "Die Zeichen stehen im Chinesischen für ,Wissen', ,Geduld' und ,Kämpfer'", sagt Gillingham. Deutlich auffälliger ist beim gläubigen Katholiken aber die große Mutter Gottes unterhalb der Schriftzeichen. In der Weihnachtspause soll ein weiteres Motiv hinzukommen - voraussichtlich "Leah", der Name von Gillinghams Schwester.

Was die Anzahl der Motive betrifft, ist Flügelspieler Jamal Shuler weit vorne. Neun Tätowierungen hat er bereits. Die zehnte ist geplant - auf der Brust ist noch Platz. Seine Familie hat sich dabei schon in Tinte verewigt. "God's Gift to me" (Gottes Geschenk für mich) ist auf Shulers Arm zu lesen, darunter die Namen seiner Eltern, David und Diane. Und unter dem Schriftzug "Kronjuwelen" (Crown Jewels) taucht er auch selbst auf - da steht Jamal neben den Namen seiner beiden Geschwister.

Eine ganz persönliche Tätowierung hat sich Aufbauspieler Christian Hoffmann stechen lassen. "Hiltrud, + 5.2.94" steht auf seinem rechten Schulterblatt. "Das ist der Todestag meiner Mutter", sagt er. Chris Hoffmann war damals gerade sechs Jahre alt. Entstanden ist das Tattoo in New York, beim gemeinsamen Sommer-Urlaub mit Teamkollege Kosta Karamatskos. "Wir waren an der Ostküste unterwegs und haben uns in Miami entschlossen, dass wir uns tätowieren lassen wollen. Das war also relativ spontan", sagt Hoffmann. Karamatskos hat sich am Handgelenk stechen lassen.

"Vor ein paar Jahren hatte sich mal ein Spieler einen Tag vor dem Trainingsauftakt großflächig am Unterschenkel tätowieren lassen", erinnert sich Geschäftsstellenleiter Bernd Haasenritter. Das kam dann bei Trainer und Club eher mäßig an. Denn nach dem Stechen ist die Haut oft noch stark gereizt. "Er sagte uns, er dürfte nicht stark schwitzen."

TBB-ECKE

Heimspiel: Besonderer Jahresabschluss: Am Sonntag gastiert Bonn an der Mosel (17 Uhr, Arena). Seit Jahren ist das Duell ein Garant für viele Zuschauer. Die TBB hofft auf den vierten Heimsieg in Folge. Mit dabei sein soll Aufbauspieler Derek Raivio nach einer Laser-Behandlung (Hühnerauge). Am Donnerstagmorgen schaute Raivio beim Training nur zu. "Ich gehe davon aus, dass ich spielen werde", sagt er. Gegner: Die Telekom Baskets Bonn mit Trainer Michael Koch gehören seit Jahren zu den Top-Teams. Zu einem Titel hat es für den aktuellen Vize-Meister aber nicht gereicht. Bonn ist derzeit Tabellendritter. Beim letzten Heimspiel der TBB gegen Bonn im Januar gab es eine hauchdünne 64:66-Niederlage. (AF)