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Das Motto der Treverer: Weniger Geld, mehr Erfolg

Das Motto der Treverer: Weniger Geld, mehr Erfolg

Die BBL-Bilanz der Trierer Basketballer fällt nicht besonders positiv aus: Sportlich blieb die TBB unter den eigenen Erwartungen, und auch die Zuschauerzahl ging leicht zurück. Im nächsten Jahr soll es besser laufen.

(AF) Die guten Nachrichten zuerst: Nach dem sportlichen Klassenerhalt ist laut Treveri Basketball AG auch die Lizenz-Erteilung für die Saison 2010/2011 praktisch beschlossene Sache. Die BBL hat laut AG-Aufsichtsratsvorsitzendem Ralph P. Moog grünes Licht signalisiert: "Wir müssen nur noch Kopien der Zeichnungsaktien einsenden. Das ist eine reine Formalie." Der Lizenz stünde nichts mehr im Wege.

Wie der Spielerkader 2010/11 aussehen wird, ist völlig ungewiss. Der interne Zeitrahmen steht aber, sagt Moog: "Wir wollen innerhalb von zwei Wochen Klarheit auf der Trainerposition haben." An den Wünschen des Cheftrainers und am Budget orieniert sich die Kaderplanung.

Verträge über die Saison hinaus haben nur die Talente Maik Zirbes, Alex Andreev und Samy Picard. Es gibt laut Moog einige Trainer-Kandidaten. Detaillierte Angaben macht er aber nicht ("Es sind mehr als zwei"). Einer der Kandidaten ist Aaron McCarthy, dessen Vertrag als TBB-Cheftrainer und Nachfolger von Yves Defraigne bis Saisonende befristet war.

Die TBB-Saison in Zahlen:
4Trainer standen für die TBB in dieser Saison an der Seitenlinie. Auf das belgische Gespann Yves Defraigne und Frank de Meulemeester folgten Ende März der Amerikaner Aaron McCarthy mit Assistent James Marsh. Die Siegquote ist praktisch identisch. Defraigne holte acht Siege aus 27 Spielen (=29,6 Prozent), McCarthy zwei Siege in sieben Begegnungen (=28,6 Prozent).

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Liga-Spiele in Folge verloren die Trierer zwischen Mitte Januar und Anfang April. So eine lange Negativserie musste selbst Liga-Schlusslicht Paderborn nicht hinnehmen.

15 Aktionäre (ohne Fan-Aktionäre) hat die Treveri Basketball AG laut Moog zum jetzigen Stand gewinnen können ("Aktionäre verschiedener Kategorien"). Im Dezember 2009 hatten die Trierer das Modell mit einer AG statt der GmbH als Träger der BBL-Lizenz vorgestellt.

39 Zähler in einem Spiel gelangen Jamal Shuler, dem offiziellen Dunking-König der Liga. Der 28. Februar 2010 war dennoch wohl der schwärzeste Tag der Saison. Trier verlor zu Hause mit 98:101 gegen Absteiger Paderborn.

556 Punkte steuerte Triers Power Forward Chris Copeland in dieser Saison in 33 Spielen bei. Mit diesen 16,9 Punkten im Schnitt war der Amerikaner bester Punktesammler der ganzen Liga und erhielt dafür den BBL-Award.

973 Rebounds sicherten sich die Trierer in der Saison. Das ist der mit Abstand schlechteste Wert der Liga. Auch bei der Zahl der verwandelten Freiwürfe ist die TBB Liga-Schlusslicht.

3541 Zuschauer kamen im Schnitt zu den Heimspielen der TBB. In der Saison zuvor waren es 3647. Das entspricht einem Rückgang von knapp drei Prozent. Das Saison-Maximum waren 5352 Fans beim Spiel gegen Berlin. Minimum: 2764 gegen Paderborn.

2 000 000 Euro - so hoch war laut Präsentation der Treveri Basketball AG der Trierer Etat in der Saison 2009/10. In der nächsten Saison soll der Etat um 300 000 Euro sinken. Moog fasst die Aufgabe so zusammen: "Wir wollen mit kleinerem Budget größeren Erfolg haben. Im nächsten Jahr wollen wir nicht so lange um den Klassenerhalt zittern." Klingt widersprüchlich, muss es aber nicht unbedingt sein. So ist Kontinuität wie in der Saison 2009/10 tendenziell eher teurer als das Zusammenstellen einer vergleichbar starken neuen Mannschaft.

Meinung: Bestand hat nur der Wandel

Kontinuität ist auch keine Lösung. Dieser eher provokanten These wurde von den Trierer Basketballern Leben eingehaucht. Vor der Saison hielt Trainer Defraigne sein Team zusammen, setzte auf Eingespieltheit. Und wie sieht's ein paar Monate später aus? Defraigne erlebte das Saisonende schon nicht mehr auf der TBB-Bank. Und wer von den vertragslosen Spielern im nächsten Jahr wiederkommen wird, lässt sich ohne große Leidenschaft verfolgen. Kapitän Gillingham würden viele Fans gerne erneut begrüßen. Den Kämpfer, die Identifikationsfigur. Aber für die meisten anderen gilt, was im Profi-Basketball zum Tagesgeschäft gehört: Spieler sind austauschbar, Clubs auch. Das klingt ernüchternd, aber so war auch das Jahr der TBB. Eine Saison mit vielen Störgeräuschen. Sportlich unbefriedigend, trotz Klassenerhalt. Viel Zeit und Arbeit wurde investiert, um den Club unter neuer AG-Führung zukunftsfähig zu machen. Das ging nicht ohne interne Querelen ab. Aber vielleicht war es genau das Übergangsjahr, das der Trierer Basketball gebraucht hat, um aus der ungesunden Schulden-Spirale der Vorjahre zu kommen und um clubintern Inventur zu machen. Das muss sich erst zeigen. Mit Mini-Etat wird es in Zukunft heißen: Jede Saison ist ein Drahtseilakt, jeder Klassenerhalt ein Erfolg. Besser als die zweite Liga ist das allemal. a.feichtner@volksfreund.de