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Der Sommelier unter den Gladiatoren

Kilian Dietz. TV-Foto: Marek Fritzen
Kilian Dietz. TV-Foto: Marek Fritzen FOTO: (g_sport
Trier. Aus dem Weinkeller unter den Basketballkorb: Kilian Dietz hat eine ungewöhnliche Karriere hingelegt. Jahrelang hat der 24-Jährige in einem Weingut an der Mosel gearbeitet. Heute spielt er in der zweiten Basketball-Bundesliga. Marek Fritzen

Trier. Über den 2015er Jahrgang kann er noch nichts sagen. "Da muss man abwarten", sagt Kilian Dietz. "Die Lese wird in den nächsten Wochen beginnen, dann wird man sehen, was dabei herauskommt." Er selbst wird nicht mit in die Weinberge fahren, um bei der Traubenlese zu helfen. Dafür hat er keine Zeit. Schließlich ist Dietz mittlerweile Basketballprofi, spielt für die Gladiators Trier in der zweiten Basketball-Bundesliga. Doch der 2,03-Meter-Mann weiß genau, wie es sich anfühlt, an einem nebligen Herbstmorgen zur Traubenlese in den "Wingert" zu stapfen. Dietz kommt aus Wehlen, einem Stadtteil von Bernkastel-Kues - er wohnt noch heute dort. "Mein Opa hatte ein Weingut, da war ich früher oft bei der Lese dabei - Wein und Mosel sind für mich Heimat, ich könnte mir nur schwer vorstellen, dort wegzuziehen."Die neuen Gladiatoren Teil III Kilian Dietz


In den letzten drei Jahren hat Dietz auf dem Weingut Johann-Josef Prüm in Wehlen gearbeitet - unter anderem im Versand. Die Arbeit hat ihn zum Weinexperten werden lassen. Er kennt sich aus, sagt Sachen wie: "Ist schon krass, dass eine Trockenbeerenauslese vom Weingut Egon Müller bei der Weinversteigerung des Großen Rings für 12 000 Euro verkauft wird." Oder: "Trockene Weine sind nichts für mich, ich würde immer einen Lieblichen vorziehen."
Momentan muss das Wehlener Weingut ohne Dietz auskommen - der Grund: Mit den Gladiators Trier hat der Mann von der Mosel eine wichtige Mission zu erfüllen. Sie lautet: "Wir wollen den Leuten in Trier das Vertrauen in den Basketball zurückgeben - das haben wir uns für diese Saison vorgenommen."
Kilian Dietz ist einer der "regionalen Spieler" im Kader der Römerstädter. Seit sieben Jahren spielt er für Trier. Mit 17 wechselt er damals von seinem Heimatverein SFG Bernkastel-Kues in die Römerstadt, spielt danach für diverse Juniorenteams der Trierer, später für die Regionalligamannschaft. Immer dabei: Sein Trainer und Mentor Josip Bosnjak. "Josip ist wie ein Vater für mich, sein Ehrgeiz ist unglaublich", sagt Dietz. "Wenn er wollte, könnte er noch heute in der Regionalliga spielen, davon bin ich überzeugt.""Wie ein Vater für mich"


Es ist auch Bosnjak, der Dietz im Sommer zum Schritt ins Profiteam der Gladiators rät. "Ich hätte niemals gedacht, dass ich für die Profis infrage komme", gesteht der Center. "Einfach mal so" sei er an einem Wochenende im vergangenen Juli zum Gladiators-Probetraining in die Arena gegangen. "Als Marco van den Berg danach plötzlich auf mich zugekommen ist, und mich gefragt hat, ob ich mir vorstellen könnte, in der ProA zu spielen, hab' ich zuerst nicht geglaubt, dass er das ernst meint."
Doch der Gladiators-Trainer meint es ernst, will Dietz als Center neben Justin Raffington für seinen Kader haben. "Ich habe natürlich zugesagt, das ist eine Ehre für mich", sagt Dietz. Van den Berg nennt den 24-Jährigen einen "Diesel", der immer etwas braucht, bis er ins Rollen kommt. "Kilian ist oft unsichtbar auf dem Feld, macht aber dennoch unglaublich wichtige Arbeit für das Team", sagt der Basketballlehrer. Dietz bezeichnet sich selbst "als nicht den Talentiertesten". Daher gelte es für ihn umso mehr, über Kampf und mit "viel Herz" ins Spiel zu finden.
Im ersten Saisonspiel gegen Baunach ist ihm das gut gelungen. Nach durchwachsenem Beginn fand Dietz immer besser ins Spiel, erzielte acht Punkte und spielte sieben Minuten mehr als der etatmäßige Center Justin Raffington. "Statistiken sind mir egal, das Wichtigste war, dass wir das Spiel gewonnen haben."
Es gebe, so betont der 24-Jährige, in der Liga personell besser besetzte Teams als Trier. "Aber durch unseren Zusammenhalt können wir viel erreichen." Die Mannschaft "sei ein Kopf und ein Arsch", mache viel zusammen. "Das Team besteht ausschließlich aus Charakteren, die sich selbst nicht so wichtig nehmen."
Irgendwann in den kommenden Wochen, da ist sich Dietz sicher, werde er mit den Jungs auch mal nach Wehlen zum Weingut Johann-Josef Prüm fahren - vielleicht kann er als Weinexperte seinen Teamkollegen dann auch schon mehr über den 2015er Jahrgang erzählen.Extra

Am Freitagabend (2. Oktober) steht für die Gladiators Trier das nächste Saisonspiel an. Um 20 Uhr tritt das Team bei Aufsteiger Rheinstars Köln an. "Köln hat ein junges Team mit drei starken US-Amerikanern", sagt Triers Trainer Marco van den Berg. Besonders Alex Forster, der beim Auswärtssieg in Leverkusen 13 Punkte erzielte, gelte es zu stoppen. Am Sonntag (4. Oktober, 17.30 Uhr) steht bereits das nächste Heimspiel an. Zu Gast in der Arena ist dann Tabellenführer Rasta Vechta. "Das wird ein ganz schweres Spiel", sagt van den Berg. "Vechta wird von Beginn an viel Druck machen - in Hanau haben sie das erste Viertel mit 24:3 für sich entschieden - wenn wir diesem Anfangsdruck standhalten, ist etwas möglich für uns - besonders mit den Fans im Rücken." mfr