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Die Jamaikaner aus Niedersachsen

Die Jamaikaner aus Niedersachsen

Liebenswert exotisch - aber auf dem Parkett absolut ernst zu nehmen: Bundesliga-Debütant SC Rasta Vechta gastiert zum BBL-Auftakt am Donnerstag in Trier. Der erste TBB-Gegner im Porträt.

Trier/Vechta. Rasta, Reggae, Bob Marley: Bei solchen Schlagwörtern zappt das Kopfkino schnell zu Puderzuckerstrand und braunem Rum. Und was auch immer süßlich durch die laue Sommerluft wabern mag: Es riecht jedenfalls nicht nach oldenburgischem Münsterland. Oder doch?
"Rasta ist der geilste Club der Welt." Mit diesem Slogan startet Überraschungs-Aufsteiger Rasta Vechta in die Liga. Da mögen Fans anderer Clubs naturgemäß widersprechen. Aber die Entstehungsgeschichte des Vereins ist einmalig. "\'Rasta? Was soll das denn? Ist das eine Sekte? Spinnen die?\' - solche Fragen hören wir öfter", sagt Stefan Niemeyer und grinst. Er ist als Tierfutter-Fabrikant Hauptsponsor von Rasta Vechta, die ganze Gegend ist reich an (und durch) Landwirtschaft, Niemeyer ist zugleich Vereinspräsident. Und - nein! - er züchtet keine Rastalocken, trägt keine Batikshirts. Das war in den späten Siebzigern anders, als eine Handvoll basketball-begeisterter Gymnasiasten in Vechta einen Club suchte - und in keinem aufgenommen wurde. So gründeten die Teenies ihren eigenen, klar abgegrenzt von der "SV"- oder "BBC"-Namens-Ödnis: Rasta Vechta, inspiriert von der Rastafari-Bewegung und von Bob Marleys Album Rastaman Vibration. Ein Gründungsmitglied ist heute noch im Trainerstab - Sportlehrer Josef Nieberding ist für Athletik und Fitness zuständig.
Der Name ist ungewöhnlich, der sportliche Weg nach oben ist noch exotischer. "Wir sind unglaublich stolz und können es immer noch nicht fassen, dass wir den Durchmarsch von der Pro B in die BBL geschafft haben", sagt Niemeyer. Nicht nur wegen der Derbys: Quakenbrück (Artland Dragons) liegt nur gut 20 Kilometer von der 30 000-Einwohner-Stadt entfernt, und auch nach Oldenburg ist\'s nicht weit. In den Testspielen haben die Niedersachsen Selbstvertrauen sammeln können. So gewann das Team von Trainer Pat Elzie gegen den niederländischen Vizemeister Leeuwarden mit 111:71.
Wenn es nach Niemeyer geht, sollen die Rasta-Assoziationen der Konkurrenz bald ohne Jamaika-Klischees auskommen. Lieber à la: Rasta? Das sind doch die Liga-Aufmischer! "Und in der BBL wollen wir auch bleiben."AF
Extra

Ahornblatt-Duell: TBB-Spieler Jermaine Bucknor trifft auf der Power-Forward-Position auf Landsmann Jacob Doerksen. Er war in der Pro A ein Schlüsselspieler. Rasta-Männer: Nur drei Rasta-Spieler kennen die BBL - Dirk Mädrich, Flavio Stückemann und Max Weber. Die Pro-A-Leistungsträger wurden gehalten, der Club hat sich punktuell verstärkt. AF