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Wenn der Bundestrainer auch Vereinskamerad ist

Rollstuhlbasketball : Wenn der Bundestrainer auch Vereinskamerad ist

Exakt einen Monat nach seiner Ernennung zum Trainer der Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft der Frauen wählt Dirk Passiwan ab Montag sein Team für die Europameisterschaft aus. Mit dabei ist auch seine Teamkollegin Valeska Finger von den Doneck Dolphins Trier.

(teu) Der Bundestrainer gleichzeitig Vereins- und als Spieler-Trainer auch Teamkollege auf dem Spielfeld, die Konstellation, zu der Valeska Finger und Dirk Passiwan von den Doneck Dolphins Trier zu ihrem ersten Selection-Camp für die Frauen-Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft fahren, ist nicht ganz einfach. Der dreimalige Paralympics-Teilnehmer Passiwan wurde exakt einen Monat vor dem Beginn des Auswahl-Lehrgangs am Montag (22.11.) zum Bundestrainer ernannt und muss im baden-württembergischen Lobbach entscheiden, ob Valeska Finger Anfang Dezember mit nach Madrid zu den Europameisterschaften fliegt.

„Ich bin natürlich froh, dass sich unsere Jugend im Verein so entwickelt und beim Selection-Camp dabei ist. Valli hat sich gut gemacht. Das sieht man auch daran, dass sie auch in der Bundesliga immer dabei ist“, sagt Passiwan. Die 22-Jährige ist allerdings alles andere als gesetzt für das zwölfköpfige EM-Team: „Auf ihrer Position gibt es einen großen Konkurrenzkampf. Wir gucken uns alles ganz genau an.“

Mit Passiwan als Bundestrainer wird es für sie eher schwieriger, als leichter, glaubt Valeska Finger. Sie verstehen sich gut, betont sie. Niemand soll aber auf die Idee kommen, dass der Bundestrainer seine Vereinskameradin bevorzuge. „Jetzt muss man sich umso mehr beweisen“, sagt Finger. Ihr Chance aufs EM-Team sieht die Studentin der Umwelt- und Betriebswirtschaft, die zurzeit ein Praktikum bei der Trierer Berufsfeuerwehr absolviert, aber gut. Als Stammspielerin in der U-25-Nationalmannschaft hat sie vier Europameisterschaftsmedaillen beim Nachwuchs gewonnen und auch schon ins A-Team reingeschnuppert. Auch für die Auswahl-Lehrgänge für die Paralympics in Tokio war Finger vorgesehen. „Ich war eingeladen, habe aber abgesagt“, erzählt sie. Wegen Corona: „Ich habe das Ganze kritisch gesehen.“

Die Europameisterschaft in Spanien steht nun vor der Tür und auch die Paralympischen Spiele in Paris 2024 sind bei Finger wie Passiwan natürlich im Hinterkopf. „Das ist die große Herausforderung“, sagt Finger. Ein Traum für die seit Geburt querschnittsgelähmte junge Frau, die seit ihrem vierten Lebensjahr beim RSC Rollis Trier (dem Stammverein der Dolphins) Sport treibt. Mit zehn oder elf habe sie erstmals in der Oberliga-Mannschaft Basketball gespielt, erzählt Finger.

Eine Einzelsportart käme für sie nie infrage. „Ich war von Anfang an ein Teamplayer“, sagt sie. Eine Kämpferin ist die erste rollstuhlfahrende Feuerwehrfrau in Rheinland-Pfalz (bei der Freiwilligen Feuerwehr Thomm) sowieso. Und immer zuversichtlich und optimistisch. Sie sage grundsätzlich vor jedem Spiel: „Wieso sollen wir nicht gewinnen?“ Dass das auch gelingen könne, habe sich beim Spiel ihres Vereins Ende Oktober gegen die favorisierten Wiesbadener gezeigt, führt sie aus. Zur Halbzeit lagen die Dolphins noch 17 Punkte zurück, drehten die Partie aber noch zum 76:71-Sieg.

Mit ihrer positiven Einstellung fährt Finger am Montagmorgen zusammen mit Passiwan, Teammanager Andreas Ebertz und Dolphins-Physiotherapeut Taro Hazeyama, der erstmals auch die Nationalmannschaft betreut, nach Lobbach. „Mit den neuen Coaches starten alle bei Null“, betont Passiwan. Auch die acht Paralympics-Teilnehmerinnen seien nicht gesetzt. Valeska Finger wird alles dran setzen, ihre Chance zu nutzen - auch wenn es schwer wird.