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Eine Triererin für Luxemburg

Eine Triererin für Luxemburg

Basketball: Bevor die Deutsch-Luxemburgerin Franziska Wagner mit dem U-18-Nationalteam des Großherzogtums zur EM nach Irland reist, hat die 17-Jährige dem TV verraten, warum sie noch ein paar Strophen lernen muss, sie sich auf den Herbst freut und was sie vom Turnier erwartet.

Foto: (g_sport

Trier/Luxemburg Es gibt da ein paar Strophen, die Franziska Wagner in diesen Tagen Kopfzerbrechen bereiten. Eine davon, die liest sich so: "Wou d'Uelzecht durech d'Wisen zéit, Duerch d'Fielsen d'Sauer brécht, Wou d'Rief laanscht d'Musel dofteg bléit, Den Himmel Wäin ons mecht: Dat ass onst Land, fir dat mer géif Heinidden alles won, Onst Heemechtsland dat mir sou déif An onsen Hierzer dron."
Na, Stück erkannt? Kleiner Tipp: Text stammt von Michel Lentz, Melodie von Johann-Anton Zinnen. Auflösung: Es trägt den Titel "Ons Heemecht" und ist seit 1993 die Nationalhymne Luxemburgs. "Ich muss zugeben", verrät Franziska Wagner und beginnt zu lachen, "ich kann den Text noch nicht, muss mir das noch mal genauer ansehen".
Sechs Tage hat die 17-Jährige noch, dann muss es sitzen. Denn dann, am 4. August, wird's für Franziska Wagner zum ersten Mal ernst in Dublin: Dann hat die Schülerin des Trierer Humboldt-Gymnasiums mit Luxemburgs U18-Damen-Basketball-Nationalmannschaft ihren ersten Auftritt bei der U18-Europameisterschaft in Irland (4. bis 13. August) gegen Finnland - und vor Spielbeginn wird natürlich die Nationalhymne auf dem Feld gesungen.
Polen, Bulgarien, Estland, Finnland und Portugal heißen die Gegner in Vorrundengruppe A. Was ist da möglich? "Zuerst hatten wir uns das Ziel gesetzt, es unter die zehn besten Teams bei der EM zu schaffen", erzählt Wagner, "aber unsere Vorrundengruppe ist sehr stark, speziell Finnland und Polen, daher wollen wir erst mal so viele Spiele wie möglich gewinnen und dann mal sehen, wie weit wir kommen". Seit einem Jahr steht Wagner im Kader der Luxemburger U18-Nationalmannschaft. Ihr Papa ist Luxemburger, ihre Mama Deutsche, sie selbst ist in Trier geboren. "Ich habe beide Staatsbürgerschaften", erzählt Wagner. Das Training und die Spiele unter Nationaltrainer Mariusz Dziurdzia seien extrem lehrreich. "Wir spielen mit mehr Systemen als im Verein", berichtet die 1,78 Meter große Flügelspielerin, "haben ein ganzes Buch voll mit Spielsystemen bekommen, da musste ich mich erst mal ein bisschen reinlesen".
In der Mannschaft fühle sie sich sehr wohl, auch wenn es ab und an mal ein kleines Verständigungsproblem gebe: "Die Spielerinnen sprechen untereinander meist Luxemburgisch", erzählt die Triererin. Das sei manchmal nicht so einfach, da sie die Sprache nicht spreche und auch nicht immer alles verstehe. "Aber", so betont sie mit einem Lachen, "das ist überhaupt kein Problem: Wenn ich was nicht verstehe, frage ich nach, dann wiederholen sie es auf Deutsch oder sprechen einfach langsamer".
Mit sieben Jahren hat die talentierte Flügelspielerin mit dem Basketball begonnen. Spielte zunächst für den TVG, heute für die erste Mannschaft der MJC Trier in der Frauen-Regionalliga. Außerdem ist sie Teil der neuen Spielgemeinschaft Trier/Saarlouis/Bitburg, die sich kürzlich für die Damen-Nachwuchsbundesliga (WNBL) qualifiziert hat. Durch ihre guten Vereinsleistungen spielte sie sich ins Blickfeld der Fédération Luxembourgeoise de Basketball (FLBB) um U18-Nationaltrainer Mariusz Dziurdzia - einem guten Bekannten ihres MJC-Vereinstrainers Michael Edringer. 2011 holten beide als Coach die WNBL-Meisterschaft mit der Spielgemeinschaft Trier/Saarlouis.
Wenn Franziska Wagner mit dem Luxemburger Nationalteam am kommenden Mittwoch in Richtung Dublin abhebt, liegt hinter dem zwölfköpfigen Kader eine vierwöchige Vorbereitung mit zwei Trainingslagern und mehreren Testspielen. Während ihre Freunde sich derzeit in den Sommerferien an den Stränden der Welt entspannen, verbrachte Wagner die letzten knapp vier Wochen nahezu pausenlos in der Basketballhalle. "Man wird schon ein bisschen neidisch, wenn man die ganzen Urlaubsbilder in den sozialen Netzwerken sieht", gesteht sie, "aber ich fliege in den Herbstferien für zwei Wochen nach Teneriffa, das ist ein guter Ausgleich".
Außerdem, so betont die 17-Jährige, sei es die EM-Teilnahme mit Luxemburg allemal wert, auf einen Sommerurlaub zu verzichten.