Einen Mojito, bitte!

Die Geschichte zum Spiel ist schnell erzählt: Die Brose Baskets Bamberg haben am Samstagabend verdient mit 61:74 (29:40) bei der TBB Trier gewonnen. Unterhaltsam war es dennoch. Der Grund: Bambergs Trainer Andrea Trinchieri.

Trier. Der Bart: Akkurat gestutzt. Die Brille: Modisch. Der Anzug: Sitzt wie angegossen - klar der Mann kommt aus Mailand. Und das Temperament: Feurig. Andrea Trinchieri ist seit dem Sommer Trainer der Brose Baskets Bamberg und seine Show an der Seitenlinie ist eine wahre Freude für jeden Basketballfan. Wie in der Oper

Wie das aussieht, haben die 3598 Zuschauer am Samstagabend bei der 61:74 (29:40)-Heimniederlage der TBB gegen die Franken in der Arena Trier erleben dürfen. Wie ein Dirigent der Mailänder Philharmoniker agiert Trinchieri von der ersten Minute an der Seitenlinie. Hätte die Hallenregie dem Ganzen klassische Musik unterlegt - das Opern-Gefühl wäre perfekt gewesen. Winken, hüpfen, kopfschütteln und immer fährt die Hand durch die langen, schwarzen Haare - das alles permanent außerhalb der Coaching-Zone. Der 47-Jährige lebt den Basketball und er liebt den Humor. Das wird er nach dem Spiel auf der Pressekonferenz noch unter Beweis stellen. Aber dazu später mehr. Erst mal zum Spielgeschehen: Die Partie verläuft nach dem Geschmack des Italieners. Zwar liegt die TBB schnell mit 5:0 vorne, danach jedoch hat das Spitzenteam aus Franken das Spiel im Griff. Die Trierer, bei denen Vitah Chikoko trotz Ellbogenprellung mitwirken kann, verlieren nach dem guten Start die Kontrolle über das Spielgeschehen. Gegen die starke Bamberger Mann-gegen-Mann-Verteidigung findet das Team von Trainer Henrik Rödl zu selten eine Lösung. So geht das erste Viertel mit 26:20 an die Baskets. Auch im zweiten Viertel ein ähnliches Bild: Bamberg verteidigt aggressiv und spielt seine Angriffe konzentriert zu Ende. Der Gäste-Vorsprung wächst bis zur Pause auf elf Punkte an (40:29). TBB agiert zu unkonzentriert

Zwar haben die Franken in der Sommerpause große Teile des Personals ausgewechselt, ein Liga-Schwergewicht sind sie dennoch geblieben - und an normalen Tagen für die TBB nicht zu schlagen. Dass das Spiel am Samstag so ein "normaler Tag" ist, wird spätestens zur Pause klar. Bamberg ist zu stark. Ähnlich sieht es auch TBB-Coach Henrik Rödl nach dem Schlusspfiff: "Mit so einem Spiel kann man so eine Mannschaft nicht schlagen. Meine Mannschaft hat gekämpft, wie immer, aber um Bamberg zu schlagen, sind wir noch nicht bereit." Wer nach der Pause auf eine TBB-Aufholjagd hofft, wird enttäuscht: Die Moselstädter spielten zu unkonzentriert. Einfache Punkte werden vergeben, mehrere Ballverluste reihen sich aneinander und in der Defensive schauen die Trierer immer wieder nur zu, während die Gäste zeitweise auf 17 Punkte davonziehen konnten. Der sechsmalige Deutsche Meister bringt die Führung im letzten Viertel überlegen ins Ziel und gewinnt verdient mit 61:74. Dirigent Trinchieri führt seine Musikanten zum vierten Saisonsieg und präsentiert danach auf der Pressekonferenz seinen italienischen Humor: Auf die Frage nach seinem Getränkewunsch erklärt er trocken: "Mojito, bitte", um danach laut lachend eine Cola zu bestellen. mfrZuschauer: 3598. Viertelstände: 20:26 - 29:40 - 46:56 - 61:74. TBB-Punkte: Anderson (11), Mönninghoff 11, Chikoko 13, Lukovic (8), Schmidt (3), Harris (4), Bucknor (8), Canty (2), Vrabac (1). Beste Werfer Bamberg: (17), Wanamaker (13), Theis (12).