Eklig zum Erfolg - Basketball: Gladiator Alexander Engel im TV-Porträt

Eklig zum Erfolg - Basketball: Gladiator Alexander Engel im TV-Porträt

Seine Daumenverletzung hat Alexander Engel überstanden. In der vergangenen Woche hat der 22-Jährige sein erstes Spiel für die Gladiators Trier gemacht. Beim Treffen mit dem TV geht es aber zunächst mal um einen Feldwebel.

Abends, erinnert sich Alexander Engel, abends sei der WG-Chef dann doch öfter mal ziemlich streng gewesen. "Wenn wir mal anstatt um 22 Uhr erst um 22.30 Uhr nach Hause gekommen sind, dann gab's richtig Stress." Der WG-Chef hatte früher als Feldwebel bei der Bundeswehr gearbeitet, Disziplin war für ihn das Wichtigste.

Die neuen Gladiatoren, Teil V: Alexander Engel

Die Wege von Engel, dem heutigen Aufbauspieler der Gladiators Trier, und dem ehemaligen Soldaten kreuzen sich erstmals vor sechs Jahren. Der 16-jährige Engel wechselt damals von Nürnberg in die Jugendabteilung der Brose Baskets Bamberg - spielt für den Kooperationsverein TSV Breitengüßbach. Er zieht dafür in eine betreute Wohngemeinschaft, die der Basketballclub organisiert. Seine Mitbewohner: Johannes Thiemann (heute Baunach/ProA), Johannes Richter (heute Skyliners Frankfurt/Bundesliga) und Phillip Daubner (heute Baskets Paderborn/ProA).

Als Herbergsvater kümmern sich eben jener ehemalige Feldwebel und dessen Ehefrau um die vier pubertierenden, angehenden Basketballprofis. "Das war eine tolle Zeit, sie hat mich sowohl sportlich als auch privat enorm weitergebracht", sagt Engel. Von Breitengüßbach geht es später für ihn nach Baunach. Beim Ausbilungsteam der Bamberger spielt der 22-Jährige mit einer Doppellizenz, schafft mit dem Team den Aufstieg in die ProA und trainiert regelmäßig mit den Bamberger Profis unter Cheftrainer Andrea Trinchieri.

Seit August lebt Engel nun zum ersten Mal fernab der fränkischen Heimat. Mit seiner Freundin, einer Lehramtsstudentin, wohnt er in Trier und spielt für die Gladiatoren. "Ich liebe kleine Städte, bin selbst in Fürth aufgewachsen, das ist von der Größe her mit Trier zu vergleichen." Engel ist keiner, der nur zwischen Halle und Wohnung pendelt. Er will etwas sehen von der Region. "Ich bin gespannt, was es in und um Trier so zu sehen gibt - auch Luxemburg wollen wir uns mal anschauen, auch wenn mir noch keiner sagen konnte, warum es sich außer dem Tanken noch lohnt, da mal hinzufahren", sagt der 22-Jährige mit einem Augenzwinkern.

Zukunft in der BBL

Engel wirkt authentisch, redet offen, gibt auch zu, dass die zurückliegenden zehn Wochen nicht einfach für ihn waren. Der Grund: Ein Kapselriss im rechten Daumen seiner Wurfhand, der ihn lange außer Gefecht gesetzt hat. "Das war meine bisher längste Verletzung, ich habe gemerkt, wie schwer es ist, wenn du gar nichts machen kannst und nur zum Zuschauen verdammt bist."

Mittlerweile hat der Franke seine Verletzung auskuriert. Am vergangenen Wochenende hat er gegen Paderborn sein erstes Saisonspiel absolviert. Konditionell, so gesteht er, gebe es noch einiges aufzuholen, "auch an die Bandage, die ich den kommenden Wochen noch trage, muss ich mich noch gewöhnen - aber es klappt immer besser". Engel ist mit 1,91 Meter ziemlich hoch gewachsen für einen Aufbauspieler. Sein Coach, Marco van den Berg, sieht in ihm einen künftigen Erstligaspieler. "Mit seinem starken Auge und seinem guten Wurf hat Alex langfristig auf jeden Fall das Potenzial, in der Bundesliga zu spielen."

Außergewöhnlicher Teamgeist

Dabei wäre Engel um ein Haar gar nicht auf dem Basketballfeld gelandet. Sein Vater war erfolgreicher Boxer im Mittelgewicht. "Ich war früher oft mit in der Boxhalle, habe selbst geboxt, auch Sparing gemacht." Aber irgendwann, so erzählt er, sei es ihm einfach zu brutal geworden. "Ich habe mich dann lieber für Basketball entschieden, das war die richtige Entscheidung." In seinem neuen Team fühle er sich "extrem wohl". "Der Teamgeist, das muss man sagen, ist bei uns außergewöhnlich. Wir geben niemals auf - so wie es unser Trainer immer vorlebt, er stellt uns mental und sportlich super ein." Was das für die Gegner bedeutet, mussten kürzlich auch zwei von Engels ehemaligen WG-Mitbewohnern erfahren. Johannes Thiemann mit Baunach (68:78), und Philipp Daubner mit Paderborn (65:72) wurden von den Gladiatoren niedergerungen. "Das ist ganz lustig", sagt Engel, "beide kamen nach den Spielen zu mir und sagten: ,Wow, ihr seid echt richtig eklig, ihr gebt niemals auf, es macht keinen Spaß gegen euch zu spielen'". Engel lacht zufrieden, als er diesen Satz beendet hat. "Das hört man natürlich gerne."

Wer ist der lustigste Typ im Kader, und was passiert, wenn Trier die Playoffs erreicht? Diese und weitere Geheimnisse hat Alex Engel dem TV im Video verraten.

Extra: Heimspiel gegen Baskets Essen

Nach dem ersten Auswärtssieg der jungen Trierer Mannschaft in Paderborn (72:65) am letzten Sonntag wollen die Gladiatoren am Samstag den zweiten Heimsieg der Saison einfahren. Zu Gast in der Arena Trier sind dann um 20 Uhr die Wohnbau Baskets Essen. "Es ist eine Mannschaft mit viel Potenzial", sagt Gladiators-Trainer Marco van den Berg. "Sie haben zwei starke US-Spielmacher und mit Forward Marco Buljevic einen sehr starken Deutschen im Team - wir müssen verhindern, dass ihre Distanzschützen einen Lauf bekommen."

Erstmals zur Verfügung stehen wird Gladiator Tim Weber, da die Spielberechtigung des US-Amerikaners mittlerweile vorliegt. Weber arbeitet auf der Air-Base Spangdahlem hauptberuflich als Lehrer.

Am Freitag hat der Verein öffentlich bekanntgegeben, dass Ex-TBB-Trainer Henrik Rödl im Gladiators-Training mitarbeitet (der TV berichtete). Rödl selbst erklärte: "Ich biete dreimal pro Woche Individualtrainingseinheiten an. Es macht großen Spaß mit Marco und den Jungs zu arbeiten." mfr

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