"Es ist ein täglicher Kampf" - Gladiators-Geschäftsführer Achim Schmitz im TV-Interview zum ProA-Saisonstart

"Es ist ein täglicher Kampf" - Gladiators-Geschäftsführer Achim Schmitz im TV-Interview zum ProA-Saisonstart

Was ist für Basketball-Zweitligist Römerstrom Gladiators Trier in der neuen Saison möglich? Wie steht es um die Finanzen des Clubs und fehlt nicht noch ein echter Center im Kader? Diese Fragen hat TV-Redakteur Marek Fritzen Gladiators-Geschäftsführer Achim Schmitz gestellt.

Herr Schmitz, wie oft haben Sie in den vergangenen fünf Monaten Sommerpause an Basketball gedacht?
Achim Schmitz: Täglich natürlich, schließlich war ich jeden Tag in der Geschäftsstelle.

Und wie oft haben Sie dabei im Kopf bereits die Saison durchgespielt?
Schmitz: Klar, habe ich schon mal daran gedacht, wie es werden wird. Aber so eine Spielzeit ist viel zu lang, um alles genau planen zu können.

Am Sonntag geht's los bei den Rheinstars Köln in der riesigen Kölnarena - das riecht ein bisschen nach 1. Bundesliga, oder?
Schmitz: (lacht) Ja, es wäre schon, wenn wir gegen Köln tatsächlich in naher Zukunft mal wieder in der BBL spielen könnten. Aber erstmal Stück für Stück. Auch wenn das Duell Köln gegen Trier an alte BBL-Zeiten erinnert, ist und bleibt es ProA. Wir fahren dahin, um den ersten Sieg einzufahren.

In der ersten ProA-Saison reichte es für die Gladiators direkt fürs Playoff-Halbfinale - ist alles andere als das erneute Erreichen des Halbfinals nun eine Enttäuschung?
Schmitz: Nein, natürlich nicht. Unser Ziel ist ganz klar der Einzug in die Playoffs. Dann muss man sehen, was passiert. Fakt ist: Ein Aufstieg wäre für uns aus wirtschaftlicher Sicht verfrüht.

Zum Anfang der vergangenen Saison war das Zuschauerinteresse gering in Trier - erst in den Playoffs strömten die Fans in Massen in die Arena. Wird das in dieser Saison anders?
Schmitz: Ich denke, dass die Stimmung in Trier nach der guten ersten Saison deutlich positiver ist als noch zu Beginn der vergangenen Spielzeit. Ich würde mich freuen, wenn direkt zu den ersten Begegnungen nicht nur 1200 Zuschauer wie im vergangenen Jahr kommen würden, sondern 2000. Aber das hängt auch damit zusammen, wie die ersten Spiele verlaufen werden.

Mit welchem Zuschauerschnitt kalkulieren Sie?
Schmitz: Konservativ, genau wie im letzten Jahr mit 1800 Zuschauern im Schnitt. Aber ganz klar: auf lange Sicht müssen wir den Schnitt deutlich nach oben schrauben.

Wie schwer ist es denn, den Trierer Fans die 2. Liga schmackhaft zu machen?
Schmitz: Ich glaube schon, dass das letztes Jahr ganz gut war. Da haben die Leute gesehen, dass sie auch in der 2. Liga tolle und spannende Spiele zu sehen bekommen. Letztendlich ist es ja auch schöner, in der 2. Liga oben mitzuspielen und Spiele zu gewinnen, als in der BBL nur im Keller rumzudümpeln und von Spieltag zu Spieltag eine Packung nach der anderen zu kassieren.

Mit Simon Schmitz, Kilian Dietz, Brandon Spearman, Jack Eggleston, Sebastian Herrera und Kevin Smit sind wichtige Spieler aus der vergangenen Saison geblieben. Dazu kommen die Neuzugänge Thomas Grün, Ryan Nicholas, Pablo Coro und Johannes Joos. Ist das Team stärker als im vergangenen Jahr?
Schmitz: Von der mannschaftlichen Geschlossenheit auf jeden Fall. Wir hatten letztes Jahr mit Ahelegbe einen Spieler, der von der individuellen Klasse her mit Sicherheit herausragend war. Aber das ist nicht alles. Im Basketball zählt das Team - und das ist genau das, wonach wir agieren wollen. Aber klar: Von den Spielern, die geblieben sind, haben einige einen großen Sprung gemacht. An den Neuen werden wir sicherlich noch viel Spaß haben.

Mit Pablo Coro gibt es einen langfristigen Ausfall zu beklagen. Wie schwer wiegt das?
Schmitz: Sehr schwer. Wir hätten ihn gerne von Beginn an dabei gehabt. Pablo hat viele Anstrengungen unternommen, damit er überhaupt nach Trier kommen kann. Aber da müssen wir durch, das nützt nichts.

Einen echten Big Man gibt's im Kader nicht. Der Testspieler Joey van Zegeren wäre so einer. Wie sieht's aus, bleibt er langfristig an der Mosel?
Schmitz: Dazu kann ich noch nichts sagen. Van Zegeren hat vor mehreren Monaten einen Knorpelschaden erlitten. Unsere medizinische Abteilung prüft nun sehr genau, wie fit er ist. Wenn überhaupt, könnten wir ihn aus finanziellen Gründen auch nur für zwei bis drei Monate verpflichten. In Köln wird er definitiv nicht dabei sein.

Wer gehört für Sie zu den größten Aufstiegsfavoriten?
Schmitz: Hanau, Hamburg, der MBC, Crailsheim, aber auch Köln - das sind alles Teams, die vom Budget her über uns liegen und auch um den Aufstieg spielen werden.

Kommen wir mal zum Finanziellen: Sie sind mit einem Minus von rund 20 000 Euro aus der abgelaufenen Saison gegangen - wie angespannt ist die finanzielle Situation denn aktuell vor der Saison?
Schmitz: Das hat sich entkrampft, weil die meisten Sponsoren Anfang der Saison zahlen, hinzu kommen die Einnahmen durch die Jahreskarten - bei denen wir übrigens ein leichtes Plus im Vergleich zum letzten Jahr verzeichnen können - außerdem läuft der Ticketverkauf für die Heimspiele an.

Also alles gut?
Schmitz: Nein, so kann man das auch nicht sagen. Das Problem ist immer, dass man als Club den Saisonetat planen muss, ohne dass man bereits alle Sponsoren-Zusagen hat. Viele Verträge macht man dann erst in diesen Wochen. Einige Sponsoren springen auch noch mal ab, dafür kommen neue dazu - es ist ein täglicher Kampf.

Bis zum 30. September müssen 80 Prozent der Sponsorenverträge bei der Liga vorgelegt werden. Kann das eingehalten werden?
Schmitz: Ja, das ist kein Problem.

Werden wir mal ein wenig konkreter: In der vergangenen Saison fehlten Ende Oktober noch rund 150 000 Euro an Sponsoreneinnahmen - wird das in dieser Saison ähnlich aussehen?
Schmitz: Im Moment fehlt schon noch etwas. Die 80 Prozent kriegen wir hin, aber es fehlt noch ein bisschen was an Sponsorenleistungen.

Das heißt: Wir sprechen von derselben Größenordnung, sprich 150 000 Euro, wie im vergangenen Jahr?
Schmitz: Nein, es ist weniger. Aber Fakt ist: Es bleibt noch einiges für uns zu tun.

Inwiefern beunruhigt Sie das?
Schmitz: Das ist eben das Leid in Trier. Wir haben hier nicht einen großen Sponsor, wie das in anderen großen Basketball-Städten der Fall ist, mit dessen Hilfe am Anfang der Saison bereits alles gedeckt ist. Damit müssen wir leben, aber ich bin davon überzeugt, dass wir es auch in diesem Jahr wieder hinkriegen.

Das heißt: Die Saison wird wirtschaftlich ruhig verlaufen?
Schmitz: Ich gehe davon aus.

Wie viel wirtschaftliche Stabilität bringt der Deal mit SWT?
Schmitz: Das hilft uns enorm, da wir dadurch langfristig planen können. Das ist für uns ein Glücksfall. Das hat auch mit dazu geführt, dass wir in dieser Saison mit einem Etat von 1,1 bis 1,2 Millionen Euro ins Rennen gehen.

Im Mai gab es eine Auflage der Liga an den Club. Darin wurde verlangt, im Finanzplan einen Überschuss von 25 000 Euro auszuweisen. Ist das gelungen?
Schmitz: Ja, das hat geklappt. Die Kapitalerhöhung haben wir durchgeführt. Dazu haben wir zwei neue Gesellschafter gefunden.

Das heißt: neben Ihrer Person noch zwei weitere?
Schmitz: Genau. Wir haben unser Eigenkapital dadurch nun von 25 000 Euro auf 65 000 Euro aufgestockt. Wir hoffen nun, weitere Gesellschafter zu finden. Auch der Förderverein des Trierer Basketballs - der FT BB e.V. - soll im Laufe des Jahres als Gesellschafter hinzukommen, ganz einfach deswegen, um den Fans ein direktes Mitspracherecht bei den Gladiators zu geben.

Die Trikotbrust konnte in dieser Saison nicht an einen durchgehenden Sponsor vermarktet werden - ein Nachteil?
Schmitz: Die Trikotbrust ist mit 50 000 Euro bewertet. Da findet sich in der Region Trier einfach nicht so leicht ein Sponsor, der bereit ist, diese Summe zu zahlen. Daher kam uns die Idee - die es ja bereits auch schon mal bei der TBB gab - die Trikotbrust einzeln von Heimspiel zu Heimspiel zu vermarkten. Sieben Spieltage haben wir nun bereits auf diese Weise verkauft.

Metropolen wie Frankfurt, Berlin oder München werden in der BBL immer einflussreicher. Über kurz oder lang drängen finanzstarke Großstadt-Clubs wie Köln und Hamburg aus der ProA nach oben. Muss man da als verhältnismäßig kleiner Club wie Trier nicht realistisch sein und sich eingestehen: Auf Dauer müssen wir uns auf die 2. Liga einstellen?
Schmitz: Glaube ich nicht. Wir sind hier angetreten, um auf lange Sicht wieder in die BBL zu kommen. Das braucht Zeit, der Unterbau muss aufgebaut werden. Daran arbeiten wir Stück für Stück. Dazu gehört in dieser Saison beispielsweise die Verpflichtung unseres Jugendkoordinators und Co-Trainers Christian Held und unseres neuen Nachwuchstrainers Dominic Dörr. Aber zu sagen: Nur Metropolen haben eine Chance in der BBL - nein, das finde ich nicht, da bin ich anderer Meinung.

Bis wann muss es denn für die Gladiators unbedingt wieder nach oben gehen?
Schmitz: Wie gesagt: In dieser Saison nicht. Wenn sich eine gesunde Basis aufgebaut hat, kann man vielleicht ab der übernächsten Saison das Wort Aufstieg in den Mund nehmen.

Einer, der wesentlichen Anteil am Erfolg in Trier besitzt, ist Trainer Marco van den Berg - wann wird mit ihm verlängert?
Schmitz: (lacht) Wir werden da zeitnah mit ihm Gespräche führen. Jetzt starten wir erst mal in die neue Saison.

Zur Person
Achim Schmitz geht in sein zweites Jahr als Geschäftsführer der Römerstrom Gladiators Trier. Der gebürtige Detzemer (Landkreis Trier-Saarburg) übt die Tätigkeit beim Basketball-Zweitligisten ehrenamtlich aus. Hauptberuflich ist der 47-jährige Bauingenieur Geschäftsführer der von ihm gegründeten Firma Intec in Sehlem bei Wittlich.

Mit welchem Team starten die Gladiators Trier in die neue Saison? Wer sind die Neuen, was kann das Team erreichen und wer ersetzt den nach Gießen abgewanderten Star aus der vergangenen Saison Dwayne Evans? Antworten auf diese Fragen gibt's hier .

Mehr von Volksfreund