Es muss nicht immer schön sein

Trier · Siege müssen nicht immer schön sein - dass das so ist, haben die Gladiators Trier am Samstagabend gezeigt. Beim 53:50 (29:24)-Heimsieg über Essen machen die Trierer in der Offensive viele Fehler und gewinnen trotzdem, obwohl es am Ende noch mal richtig knapp wird.

 Und hüpf: Essens Johnathan Loyd (oben) hätte auch Turner werden können. In dieser Szene überspringt er Triers Kilian Dietz. Im Hintergrund schaut sich der Ex-Trierer Luca Buntic die Übung an. TV-Foto: Willy Speicher

Und hüpf: Essens Johnathan Loyd (oben) hätte auch Turner werden können. In dieser Szene überspringt er Triers Kilian Dietz. Im Hintergrund schaut sich der Ex-Trierer Luca Buntic die Übung an. TV-Foto: Willy Speicher

Foto: willy speicher (wsp) ("TV-Upload speicher"

Trier. 53:50 - was für ein Ergebnis. "Stimmt", sagt Kevin Smit, "das klingt eher nach einem Halbzeitstand." Ist es aber nicht. Es ist tatsächlich der Endstand der Partie Gladiators Trier gegen Wohnbau Baskets Essen vom Samstagabend. Als der Trierische Volksfreund Smit am Sonntag telefonisch erreicht, gesteht der Aufbauspieler: "Es war kein schönes Spiel. Defensiv standen wir gut, nur 50 Punkte zuzulassen, ist sehr stark, aber offensiv fiel bei uns einfach nichts rein - es war halt einer dieser Tage, an dem der Korb vernagelt ist."
Recht hat er: Lediglich 16 von 55 Würfen aus dem Feld finden ihren Weg in den Korb - macht unterm Strich eine Wurfquote von 29 Prozent. Auch von der Freiwurflinie treffen die Gladiatoren nur 56 Prozent. "Wir haben zu viele offene Würfe nicht getroffen, ich habe dafür auch noch keine Erklärung", sagt Smit, "aber am Ende haben wir gewonnen gegen ein Team, das im letzten Jahr die Play-offs erreicht hat - nur das zählt." Vor 1901 Zuschauern in der Arena Trier liegen die Gastgeber schnell mit 0:9 hinten. Erst nach dreieinhalb Minuten sorgt US-Amerikaner Brandon Spearman für die ersten Trierer Punkte. Die Gladiatoren übernehmen fortan die Spielkontrolle und führen zur Pause mit fünf Punkten (29:24).Tim Weber im Kader


Triers Trainer Marco van den Berg kann gegen Essen zum ersten Mal auf Tim Weber zurückgreifen - die Spielberechtigung für den US-Amerikaner war am späten Freitagabend eingetrudelt. "Tim macht uns offensiv variabler, gibt uns mehr Optionen, hat heute schon gut getroffen", sagt der Coach. Der für seine Größe (2,02 Meter) noch recht schmächtige Flügelspieler zeigt gegen Essen, dass er das Team weiterbringen kann. Er erzielt acht Punkte und hilft defensiv, Essens besten deutschen Spieler, Marco Buljevic, lange Zeit aus dem Spiel zu nehmen. Vor Buljevic hatte van den Berg bereits vor dem Spiel gewarnt. Marian Dahlem, Luca Breu und eben Tim Weber schalten den früheren Bundesligaspieler (Oldenburg) über weite Strecken aus - zumindest bis 90 Sekunden vor Schluss.
Nach der Pause bestimmen weiterhin viele Fehler das Spiel - viel Kampf, viel Krampf ist das Motto. Beide Teams leisten sich Fehlwürfe en masse - auch Essens Wurfquote liegt am Ende bei mageren 30 Prozent - dennoch gelingt es den Trierern, den Vorsprung weiter nach oben (44:33) zu schrauben.
Unter den Körben ackert Eric Anderson, angelt sich insgesamt 13 Rebounds und zeigt auch offensiv einige gute Aktionen. "Er hat gut gearbeitet, steigert sich von Woche zu Woche", lobt sein Trainer, "doch auch er hat, wie das gesamte Team, in der Offensive einige leichte Körbe nicht gemacht". Insgesamt, so betont der Trainer "war ich mit der Defense meiner Mannschaft sehr zufrieden, auch die Reboundarbeit war gut". In der Offensive allerdings sieht der Niederländer Verbesserungspotenzial: "Wir haben zu unerwachsen gespielt, zu viele offene Korbleger und offene Dreier nicht getroffen - das geht nicht. So lassen wir es zu, dass Essen ins Spiel zurückkommt - wir haben uns selbst in den Fuß geschossen." Was den Coach besonders erzürnt, sind die letzten 1:39 Minuten: Trier führt komfortabel (50:41) als Essens Marco Buljevic plötzlich heiß läuft. Innerhalb von 70 Sekunden versenkt der Flügelspieler drei Dreier im Korb der Gladiatoren. 20 Sekunden vor der Schlusssirene führt Trier plötzlich nur noch mit zwei Punkten (52:50). Auch nach einem verwandelten Freiwurf von Tim Weber (53:50) bekommen die Gäste aus dem Ruhrgebiet noch zwei weitere Dreier-Versuche - doch keiner von beiden passt. "Wir haben nach Baunach das zweitjüngste Team der Liga", sagt Marco van den Berg, "da gehören solche Spiele dazu." Wichtig sei, "dass wir am Ende den Sieg geholt haben, jetzt können wir das Spiel in Ruhe analysieren".
Punkte Trier: Smit (6), Evans (13), Spearman (8), Anderson (13), Weber (8), Breu (2), Breiling (3) -
Beste Werfer Essen: Buljevic (12), Loyd (7) -
Viertelstände: 10:13/29:24/42:33/53:50 - ZS: 1901

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort