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Fliegende Menschen, sieben Zwerge, Eleganz

Eleganz, Kraft und Ästhetik verbindet das ukrainische Trio Torime bei seinem Gymmotion-Auftritt in Trier. TV-Foto: Hans Krämer
Eleganz, Kraft und Ästhetik verbindet das ukrainische Trio Torime bei seinem Gymmotion-Auftritt in Trier. TV-Foto: Hans Krämer
Trier. Turner, Akrobaten, Stars aus ganz Europa, die die Schwerkraft überwanden, inklusive viel Action und Show - das alles bot die Gala Gymmotion den Fans in der Arena Trier. Doch die war mit 1300 Besuchern nur mäßig gefüllt. Björn Pazen

Trier. Jeder hatte es im Sportunterricht einmal mit Turnen zu tun - geliebt oder gehasst sei einmal dahingestellt. Jeder versuchte am Boden, etwas mehr als einen Purzelbaum zu schaffen, jeder hatte seine liebe Mühe und Not mit dem Felgaufschwung am Barren, jeder hüpfte fröhlich auf dem Trampolin. Im Grunde genommen bestand auch die Turngala Gymmotion, die in Trier am Donnerstag ihre bundesweite Premiere feierte, aus Elementen und Geräten des Turnens.
Die vom Turnverband Mittelrhein veranstaltete Gala war eine Werbung für den Turnsport, eingepackt in eine Show mit viel Musik, Unterhaltung - und vor allem nationalen und internationalen Spitzenathleten oder eher Akrobaten. Leider wurden diese Leistungen in Trier nur wenig honoriert. Nach offiziellen Angaben waren gerade einmal 1300 Turnfans in die Arena gekommen. Die, die da waren, waren hellauf begeistert. "Gigantisch" war die einhellige Meinung zum Beispiel des Sport-Leistungskurses des Angela-Merici-Gymnasiums Trier, der im Rahmen des KLASSE!-Projekts Freikarten für Gymmotion gewonnen hatte. "Vielleicht liegt es daran, dass Turnen in Trier nicht unbedingt der populärste Sport ist. Diese Veranstaltung hätte mehr Fans verdient gehabt", war eine andere Aussage.
Fanmäßig ist Basketball Nummer 1 in Trier - und alle TBB-Fans (und Spieler) hätten bei Gymmotion Dinge sehen können, die es so bei keinem Spiel gibt: die Ungarn "Lords of Gravity" waren der gefeierte Höhepunkt von Gymmotion. Mithilfe eines Trampolins zeigten sie einen Dunking aus acht Metern Entfernung. Sie flogen durch die Lüfte, "stopften" die Bälle in den Korb, dass man Angst um die Korbanlage der Arena haben musste.
Die volle Arena-Höhe ausgenutzt


Daneben sahnte auch das "Trio Cyr" jede Menge Beifall ab. Die Rhönrad-Show in überdimensionierten Hula-Hoop-Reifen war genauso spektakulär wie die fliegenden Menschen auf dem Schleuderbrett von DAC, die wie "Lords of Gravity" eindrucksvoll zeigten, warum die Arena eigentlich so hoch gebaut wurde.
Die Lacher auf ihrer Seite hatte das ISDC Show Team gleich zweimal: Zunächst bewiesen die muskelbepackten Herren, dass man auch in einem Iglu-Zelt turnen und tanzen kann, dann zeigten sie die hohe Kunst des Barrenturnens in einer Adaption von "Schneewittchen und den sieben Zwergen", in der die Zwerge nur so durch die Holme flogen. Apropos Lacher: Der - im positiven Sinne - Pausenclown Kotini Junior aus der Ukraine verband Slapstick und Breakdance und bewies zudem, dass menschliche Knochen, Bänder und Sehnen auch aus Gummi sein können.
Aber es gab auch reines Turnen, den Idealen von Herrn Jahn folgend: Nachwuchsturnerinnen aus Chemnitz waren am Barren und Stufenbalken aktiv und zeigten zum großen Finale gemeinsam mit ISDC Salven von Flic-Flacs und Überschlägen beim Bodenturnen. Die ästhetisch-elegante Seite betonten Rhythmische Sportgymnastinnen aus Leverkusen. Sowohl durch Kraft als auch durch eher eigenwillige Kostüme fiel ein Sportakrobatik-Quartett aus Russland auf.
Das ukrainische Trio Torime sorgte mit Hebefiguren und Dehnbarkeit für tosenden Applaus, aber auch die Frage, was bitte Equilibristik ist - denn so wurde ihr Auftritt angekündigt. "Die Kunst, mit Muskelkraft und Gleichgewichtssinn auf Gegenständen zu balancieren", informiert das Lexikon. Dass nicht nur weit gereiste Stars zu tollen Leistungen imstande sind, zeigten die Schüler der Graf-Salentin-Realschule aus Jünkerath. Sie warben nicht nur für die von ihrem Lehrer Herbert Ehlen erfundene "Fair-play-Tour", sondern als Einradfahrer auch für ihren Schulzirkus.