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Für seinen Traum in eine fremde Welt

Aus Chile nach Trier: Sebastián Herrera vermisst seine Familie, fühlt sich an der Mosel aber auch sehr wohl. TV-Foto: Maximilian Richter
Aus Chile nach Trier: Sebastián Herrera vermisst seine Familie, fühlt sich an der Mosel aber auch sehr wohl. TV-Foto: Maximilian Richter
Trier. Sebastián Herrera hat einen Traum. Er möchte Basketballprofi werden. Da kommt einiges zusammen: unter der Woche jeden Tag Schule und Training, zwei Spiele am Wochenende, dazu der Verzicht auf Heimat, Familie und Freunde. Maximilian Richter

Trier. Er stammt aus Chile, genauer gesagt aus der Hauptstadt Santiago de Chile. Um sich seinen großen Traum von einer Profikarriere im Basketball erfüllen zu können, verlässt Sebastián Herrera Kratzborn, genannt "Seba", mit 16 Jahren seine knapp 12 000 Kilometer entfernte Heimat.
Der Vater Chilene, die Mutter Deutsche - dennoch konnte Sebastián vor seiner Ankunft in Deutschland vor gut fünf Monaten nur wenige Worte Deutsch. Heute besucht er die elfte Klasse des Max-Planck-Gymnasiums Trier, belegt die Leistungsfächer Sport, Englisch und Biologie und hat sich gut integriert. Er lebt bei einer Gastfamilie in Kernscheid. "Die Gastfamilie ist super, aber meine Familie in Chile vermisse ich schon sehr."
Einen berühmten Basketballstar als Vorbild hat Sebastián eigentlich gar nicht, außer seinem Vater natürlich. Irgendwie ist ja für fast jeden Jungen der Vater ein Vorbild und Held, aber in Sebastiáns Fall ist diese Vorbildfunktion eine ganz besondere. Sein Vater hat in Chile in der ersten Liga gespielt, musste seine aktive Karriere aber aufgrund einer Rückenverletzung früh beenden.
Nach seiner aktiven Karriere spielte er am Wochenende in einem Seniorenteam, wozu er Sebastián häufig mitnahm. Dem Jungen gefiel der Sport so sehr, dass er im Alter von sieben Jahren zum ersten Mal in einen Verein ging, zu Universidad Católica de Chile.
Aufmerksam geworden ist die TBB auf ihn, als er mit der chilenischen U18-Nationalmannschaft beim Albert-Schweitzer-Turnier 2014 in Mannheim spielte, welches als inoffizielle Weltmeisterschaft für die Altersklasse U18 gilt. "Ich hatte auch noch Angebote von anderen Vereinen, meine Eltern und ich haben uns aber für Trier entschieden, da die TBB das größte Interesse zeigte und das für meine sportliche Entwicklung die beste Option gewesen ist."
Sein Terminkalender ist proppenvoll - unter der Woche vormittags Schule, hin und wieder natürlich auch nachmittags, hinzu kommen Nachhilfe wegen seines noch nicht perfekten Deutsch, dann jeden Tag Training und manchmal auch noch Fitnessstudio. An manchen Tagen geht er morgens um sieben Uhr aus dem Haus und ist erst abends um halb elf wieder zu Hause. Am Wochenende hat Sebastián dann meist zwei Spiele, samstags für das zweite Senioren-Team der TBB in der Regionalliga. Und sonntags spielt er im U19-Team in der Nachwuchs-Basketball-Bundesliga NBBL.
Worauf Sebastián am meisten stolz ist: dass er es 2012 mit der chilenischen U15-Nationalmannschaft geschafft hat, sich als drittbestes Team Südamerikas für die U16-Amerika-Meisterschaft zu qualifizieren und somit an der anschließenden Amerika-Meisterschaft 2013 teilgenommen zu haben.
Sebastián möchte natürlich den Sprung ins Profiteam der TBB schaffen, aber nicht, ohne sich gleichzeitig auch auf sein Abitur zu konzentrieren. Seine Zukunft stellt er sich so vor: als Profi Geld verdienen und gleichzeitig studieren. "Auf jeden Fall irgendetwas mit Sport, vielleicht etwas in Richtung Physiotherapie". Ein Leben ohne Sport, auch über seine aktive Karriere hinaus, kann sich der 17-Jährige nicht vorstellen.