Ganz nah dran und doch vorbei

Ganz nah dran und doch vorbei

Nach der knappen 74:78 (31:44)-Niederlage der Trierer Basketballer gegen Alba Berlin vor 5134 Zuschauern hat es viel Beifall von allen Seiten für die TBB gegeben. Es blieb aber auch die Erkenntnis, dass sich Trier für die tolle Leistung nichts kaufen kann, weil die Punkte nach Berlin gingen.

Trier. Wenige Minuten nach dem Spiel standen alle noch unter dem Eindruck der Geschehnisse. Berlins Trainer Gordon Herbert hatte "zwei Spiele in einem" gesehen. "In der ersten Halbzeit hatten wir alles im Griff. Nach dem Seitenwechsel hat Trier viel aggressiver gespielt, innerhalb von fünf Angriffen den Anschluss geschafft und uns nicht mehr von der Leine gelassen. Es war das erwartet schwere Spiel. Wir haben nicht gewonnen, Trier hat das Spiel verloren." Sein Geschäftsführer Marco Baldi beurteilte das Geschehen ähnlich: "Es war ein unterhaltsames und spannendes Spiel, in dem wir nicht in der Lage waren, unseren Stil durchzusetzen. Trier hat uns den Kampf aufgezwungen und war als Team heute sicherlich besser als wir." Schöne Komplimente, die TBB-Coach Henrik Rödl für seine Mannschaft als Ansporn und als Beweis dafür nehmen kann, "dass wir mit dieser Mentalität sicher noch viele Punkte holen können", die ihn aber natürlich nicht glücklich machen konnten. "Wir haben in der ersten Halbzeit zu verkrampft gespielt. Ich glaube, weil die Jungs zu viel wollten. Als wir das abgestellt hatten, konnten wir beweisen, wie viel Potenzial in diesem Team steckt. Aber leider haben Kleinigkeiten uns den möglichen Sieg gekostet." Auch Triers Center Maik Zirbes ärgerte sich über die erste Halbzeit, sah die TBB nach der Pause als das bessere Team, stellte aber fest: "Wir haben verloren, also gibt es keinen Grund, stolz zu sein." Ganz so hart gingen andere Beobachter nicht mit den Gastgebern ins Gericht. Ralph Moog, der TBB-Chef ("Wir haben Berlin einen großen Kampf geliefert. Es wäre schön, wenn wir für eine solche Leistung mal belohnt würden"), Ulrike März, Spielerin der DJK/MJC Trier ("In der zweiten Halbzeit hatte sich Trier eigentlich den Sieg verdient") und Michael Herget, "Edelfan" der Hausherren ("Wenn sie immer so spielen würden, wären sie vorne mit dabei") waren voll des Lobes. Eine interessante Frage kam von Marek, dem Fan des Tages (zehn Jahre alt, aus Trier), bei der Pressekonferenz: "Können sie nach einem Spiel gut schlafen?" Rödl bekannte, eigentlich immer ganz gut einzuschlafen, aber nach Niederlagen noch in der Nacht wieder aufzuwachen: "Dann ist es auch vorbei mit dem Schlaf. Ich denke über das Warum nach und suche nach Lösungen. Ich bin auch nachts oft produktiv." Gordon Herbert sagte dazu schmunzelnd: "Das hängt vom Ergebnis ab." Er dürfte also eine entspannte Nacht gehabt haben. TBB Trier - Alba Berlin 74:78 TBB Trier: Joyce 18, Zwiener 12, Zirbes 6, Linhart 14, Bynum 8, Seiferth 6, Saibou 0, Washington 2, Faßler 2, Dojcin 6 , Picard 0 Alba Berlin (beste Schützen): Francis 16, Wood 12, Weaver 12 Zuschauer: 5134 Viertelstände: 16:22, 31:44 (Halbzeit), 57:61,74:78Extra

Der Spielverlauf: Zu Beginn bestätigte sich, was zu erwarten war: Gegen die individuelle Klasse der Berliner war es auch mit Leidenschaft schwer, dagegen zu halten. Alba hatte immer die richtigen Antworten. Der Vorsprung wuchs: Über ein 22:16 nach dem ersten Viertel zum 44:31-Pausenstand. Da sah es noch nach klarer Sache aus. Die TBB kam aber mit viel mehr Schwung aus der Kabine und verkürzte Punkt um Punkt. Nach dem 42:49 sah sich Alba-Trainer Gordon Herbert zur Auszeit gezwungen. Der starke Dru Joyce brachte die TBB bis auf drei Punkte heran, Philip Zwiener dann bis auf zwei (55:57) - jetzt war wieder alles drin! Mit 57:61 ging es ins Schlussviertel. Als Nate Linhart zum 67:70 verkürzte, war der Glaube bei den 5100 Zuschauern an den ersten Sieg gegen Alba seit 2004 wieder da. Aber am Ende war\\'s wie so oft gegen Alba: gut gespielt, enge Kiste - aber keine Punkte. Die Schlüsselspieler: Bester Mann war Alba-Center Torin Francis, der es in 24 Minuten auf 18 Punkte und acht Rebounds brachte. Bei der TBB spielte sich neben Dru Joyce vor allem Nate Linhart in den Vordergrund: Er hatte zwar kein Glück aus der Distanz (0 von 5 Dreiern), machte aber ansonsten ein starkes Spiel - nicht nur wegen seiner sechs (!) Steals und den 14 Punkten. Der Neue: Nach sieben Minuten kam James Washington (Guard, vier Wochen im Tryout) zum ersten Einsatz. Der 23-Jährige war heiß. Er brauchte nur ein paar Sekunden für seine ersten beiden Punkte. Es blieben aber die einzigen. Die Aussichten: Wenn die TBB so leidenschaftlich und geschlossen spielt wie gegen Berlin, muss sie sich um den Klassenerhalt keine Sorgen machen. Aber auch in den nächsten Spielen (Samstag in München, 27. Dezember gegen Bamberg) sind sie Außenseiter. AF