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Gladiators-Neuzugang Raffington über Rollerfahren in Florida, deutsches Brot und die Playoffs

FOTO: Marek Fritzen
Trier. Justin Raffington ist der neue große Mann bei den Gladiators Trier. Der 24-Jährige ist in Hamburg geboren und spielte die letzten fünf Jahre in den USA. Über deutsche und amerikanische Kellner, die Deutschland-Rallye und Bitburg spricht er im TV-Porträt. Von Marek Fritzen

Die Kellner, sagt Justin Raffington, machen den Unterschied - den Unterschied zwischen den USA und Deutschland. Raffington ist der neue Center der Gladiators Trier. Die vergangenen Jahre hat er in den Vereinigten Staaten gelebt - zuerst San Francisco, dann Boca Raton, Florida. "Wenn man in den Staaten essen geht, steht alle drei Minuten ein Kellner neben dir und fragt, ob es schmeckt, oder ob er noch etwas für dich tun kann", erzählt Raffington. In Deutschland sei das ganz anders. "Die Kellner sind hier viel zurückhaltender, kommen nicht so oft an den Tisch." Er findet: "In den USA ist das okay, hier würde mich das aber nerven, wenn plötzlich alle paar Minuten eine Servicekraft an meinem Tisch stehen würde - das passt nicht nach Deutschland."

Die neuen Gladiatoren Teil II
Justin Raffington


Der 24-Jährige sitzt in einem Restaurant in der Stadt. Vor ihm auf dem Tisch steht das Mittagsmenü: Schweinefleisch mit Kartoffelpüree und Salat. Hier, so betont er mit einem Lächeln, sei er sehr zufrieden mit dem Service.

Aus der Ferne ist Gehämmer zu hören: die Vorbereitungen für die Deutschland-Rallye laufen auf Hochtouren - Tribünen werden zusammengeschraubt, Absperrungen aufgestellt. "Ich habe davon gehört", sagt Raffington. "Ben (Teamkollege Benedikt Breiling, Anm. d. Red.) hat gesagt, dass ich mich noch wundern werde, wie laut das wird, wenn die mit ihren Wagen an meiner Wohnung vorbeidonnern - ich bin gespannt." Früher, so erzählt er, sei er selbst Kart gefahren. "Aber als ich mit zwölf Jahren mit Basketball angefangen habe, war damit Schluss." Mittlerweile habe er für Motorsport nicht mehr viel übrig - hohe PS-Zahlen beeindrucken ihn nicht. In den vergangenen zwei Jahren begnügte er sich mit einem Roller. Damit knatterte er durch seine Wahlheimatstadt Boca Raton in Florida. "Nach der Uni schnell auf den Roller und runter zum Strand - eine tolle Zeit."

Strand, Uni und Roller hat der 2,04-Meter-Mann in den Staaten zurückgelassen - Trier ist seine neue Heimat. Für ein Jahr hat Raffington an der Mosel unterschrieben und startet mit den Gladiators am 26. September in die Zweitliga-Saison. "Ich muss mir in den nächsten Wochen dringend mal ein paar Winterklamotten zulegen", erzählt Raffington, "ich habe nur Sommersachen - in Florida brauchte ich nichts anderes. Ich bin echt gespannt auf den Winter hier in Trier".

Raffington wird 1991 in Hamburg geboren. Der Papa aus Jamaika, die Mama aus Deutschland. Mit vier Jahren zieht's die Familie in den Süden - nach Bad Krozingen bei Freiburg im Breisgau. Sein erster Club ist der USC Freiburg. Mit 15 Jahren geht es auf die Urspring-Basketball-Akademie im Alb-Donau-Kreis, dort spielt er zusammen mit Gladiators-Teamkollege Benedikt Breiling (Raffington: "Wir kennen uns seit acht Jahren, sind gute Freunde").
Der Kontakt nach Urspring kommt damals durch seinen Bruder Jermaine zustande. Der ist sechs Jahre älter und spielt ebenfalls an der Akademie - später ist er für Göttingen, Bayreuth und Bremerhaven in der Bundesliga aktiv. "Heute", erzählt Justin, "arbeitet mein Bruder für das Kulturmagazin Vice, Basketball spielt er nicht mehr". Für Justin ist nach vier Jahren Schluss in Urspring. Der Grund: Der Coach des Basketballteams der San Francisco University ist auf ihn aufmerksam geworden. Er ist von Raffington überzeugt und bietet ihm ein Stipendium an. Der damals 19-Jährige nimmt das Angebot an und zieht in die USA.

Spiel vor 23 000 Zuschauern

Nach zwei Jahren verlässt er die Westküste und wechselt an die Florida Atlantic University. Er studiert International Business und Marketing - zudem spielt er für das Uni-Team der Florida Atlantic Owls in der College-Liga NCAA. Raffington erinnert sich: "Als ich nach Florida gewechselt bin, hatte der Trainer dem Team angekündigt, dass ein neuer deutscher Spieler kommen werde - als ich dann zur Tür reingekommen bin, haben die mich alle total irritiert angeschaut. Die hatten mit einem großen, blonden Mann gerechnet, aber das bin ich ja nun mal nicht."
Er lacht herzlich, als er diese Anekdote erzählt. Sein Teller ist mittlerweile leer. "War sehr lecker, ich hatte nur ein bisschen mehr erwartet", sagt Raffington und grinst. Im Basketballteam der Owls in Florida avanciert er zum Leistungsträger - zwei Jahre lang führt der Center seine Teamkollegen als Kapitän aufs Feld. "Eine großartige Erfahrung" sei die Zeit gewesen. Seine Erinnerungen trägt er mit sich. So wie an dieses Spiel damals vor 23 000 Zuschauern in Louisville. "Wir haben zwar auf den Sack bekommen, aber das werde ich nie vergessen."
In der letzten Saison zwingt ihn ein Ermüdungsbruch zu einer mehrwöchigen Pause. Dennoch kommt er in der Spielzeit auf neun Punkte, acht Rebounds und einen Assist pro Spiel. Seit Mai hat er seinen Abschluss in International Business und Marketing in der Tasche - seine Zeit am College und auch bei den Atlantic Owls ist damit beendet.

Jetzt also Trier. Eigentlich, so erzählt er, sei es gar nicht sein Plan gewesen, nach Deutschland zurückzukehren. Doch es kam anders: "Benedikt hatte mich irgendwann vor ein paar Monaten gefragt, ob ich schon einen Club hätte", erzählt Raffington. "Als ich Nein sagte, meinte er, ich sollte doch nach Trier kommen." Ein bisschen habe er dann schon noch überlegen müssen, aber schließlich entschied er sich für die Gladiatoren. Jetzt sagt Raffington: "Trier ist ein guter Ort, um seine Karriere so richtig zu beginnen."

Im Team der Gladiatoren stimme die Chemie. Raffington sagt es so: "Alle sind cool miteinander, wir verstehen uns gut, haben auch öfter schon gemeinsam etwas unternommen." Das geplante Trainingslager in Frankreich Anfang September werde das Team weiter zusammenrücken lassen. "Nach den Testspielen dort werden wir sehen, wo wir stehen."

Auf seinen Schultern wird in der neuen Saison besonders viel Verantwortung lasten. Seine Athletik könnte den Unterschied machen unterm Korb - seine Reboundstärke wird gefragt sein. Raffington sagt: "Das Erreichen der Playoffs ist das Ziel." Mehr will er noch nicht sagen. "Ich kann die Stärke der anderen Teams noch nicht wirklich einschätzen."

Auch wenn der Wechsel nach Deutschland ursprünglich nicht geplant gewesen sei, habe er die Vorteile des Lebens in seinem Heimatland schon wieder zu schätzen gelernt. "Deutsches Brot und Nutella sind schon was Feines." Und ja, auch auf ein deutsches Bier freue er sich, sagt er mit einem Augenzwinkern. "Jetzt weiß ich auch, dass Bitburg bei Trier liegt."

Der TV hat Justin Raffington gebeten, folgende Sätze zu vervollständigen: Trier ist für mich ... / Ich liebe Basketball, weil ... / Die Gladiators Trier werden in dieser Saison ... - Das Video dazu gibt's hier